Schottland 2017

„Wo die Männer Röcke tragen und es mehr Schafe als Menschen gibt“

Unsere Reise führte uns dieses Jahr nicht ganz so weit weg – sehr zum Spott meiner Kollegen, die so nette Dinge, wie: „Pass auf, dass du auch aus dem Flieger steigst“ und ähnliche gute Ratschläge parat hatten.
Doch warum Schottland? Wir trinken weder viel Bier noch Whiskey, haben für die weltbekannten Spezialitäten wie Haggis nicht wirklich etwas übrig und eigentlich genug Regen in Deutschland. Doch unser Freund Horst zeigte uns einen Film seiner Reise nach Schottland, wo er unverschämtes Glück mit dem Wetter hatte und gekonnte die Orte und Landschaften in Szene setzte, so dass auch Chris danach überzeugt war, sich unbedingt dieses Land anschauen zu müssen. Schon auf den Bildern war die Landschaft  und Natur so grandios, dass ich mich auf nichts anderes mehr einlassen wollte und mit der Planung begann.
Außerdem hatten wir immer gesagt, dass wir, wenn wir älter sind auch das europäische Ausland erkunden wollen. Nach der Toskana und dem nördlichen Norwegen (Spitzbergen) war es nun soweit. Der Flieger sollte gerade einmal 2 Stunden brauchen. Das war wirklich sehr kurz für uns, aber auch sehr angenehm, denn diesmal war es uns egal, wie groß der Sitzabstand zum Vordermann ist, welches Programm läuft und auch wie wir uns die Nacht um die Ohren schlagen. Essen bekämen wir eh nicht, denn wir würden mit Easy Jet fliegen, wo man für jedes Extra zahlen muss, aber die uns via Direktflug von München nach Edinburgh bringt.
Des Weiteren wollten wir etwas bequemer reisen, aber trotzdem an den schönsten Plätzen schnell und flexibel sein. So fiel die Wahl des Transportmittels schnell auf einen Camper. Eigentlich sollte es ein VW-Bus werden, doch da wir unsere Reise sehr kurzfristig buchten, hatten wir keine Chance auf ein solches Fahrzeug. Es war sowieso gar nicht so einfach, nur wenige Wochen vor Abflug überhaupt noch einen Camper für drei Wochen zu bekommen. Im Internet waren sie vorhanden, bei Nachfrage war leider alles ausgebucht. Doch dank der netten Mitarbeiterin der Firma Roseisle, die kurzerhand die Buchungen etwas umstellte, bekamen wir noch einen tollen Camper, der zwar etwas groß war, aber dafür sehr komfortabel.
Doch was nimmt man mit nach Schottland? Das nächste Problem waren unsere Taschen. Vorsorglich hatte ich 26 und 29 kg bei Easy Jet gebucht, ehe ich mich ans Packen machte. Das war diesmal wirklich eine Herausforderung, denn neben der ganzen Ausrüstung, ein paar lebensnotwendigen Campingutensilien wie Nutella und Kaffee, Klamotten für warm und kalt, waren diesmal noch unsere Gummistiefel mit an Bord und die waren wirklich groß und schwer. Doch irgendwie meisterte ich die Packherausforderung und hatte sogar noch ein Kilo Luft, während die Taschen aus allen Nähten zu platzen drohten.
Der Abreisetermin rückte immer näher doch diesmal blieb die Aufregung aus, dafür machte sich Vorfreude breit auf ein neues Land, das nicht weit weg ist und doch so viel  zu bieten hat, wo die Berge Ben heißen und die Seen Lochs, wo die Männer Röcke tragen und es mehr Schafe als Menschen gibt. Ein Land voller Geschichte und Traditionen – Schottland eben.

Donnerstag, 11.05.2017
1. Tag

Natürlich hatte unser Flieger von Easy Jet gleich einmal Verspätung. So verzögerte sich der geplante Abflug von 21.45 Uhr auf 22.10 Uhr. Doch irgendwie waren wir beide schon im Urlaubsmodus und ein langer Tag lag hinter uns, so dass wir nur mit den Schultern zuckten und warteten. Wir waren beide noch arbeiten und hatten daheim sogar schon gegessen, bis uns gegen 19.30 Uhr Angelika und Markus abholten, die uns zum Flughafen brachten. Ein sehr netter Zöllner quatschte mit uns bis die übliche Sprengstoffkontrolle unserer Fotorucksäcke erledigt war und wünschte uns eine schöne Reise. Na schauen wir mal, was das Land uns bringen würde.
Als dann endlich das Boarding los ging, wurden wir gleich einmal von einem anzugtragenden leicht konsternierten englisch redenden Herrn nach einem Blick auf unsere Travellerklamotten darauf hingewiesen, dass hier die Schlange für das Speedboarding sei. Prima, dann sind wir ja genau richtig, denn wir hatten die teureren Sitzplätze gebucht, da wir so neben dem erlaubten Handgepäck noch eine Hand- bzw. Laptoptasche mitnehmen konnten und saßen somit in 3. Reihe.
Als sich die Tür vom Flieger schloss, grinste Chris mich an und sagte: „Schotten zu und los.“ Wie passend, wir brachen beide in Gelächter aus und dieser Spruch begleitete uns durch die nächsten Wochen.
Der Flug verlief schnell und sehr ruhig und wirklich nach ca. 2 Stunden landeten wir schon wieder auf den Edinburgher Flughafen.
Hier warteten zwei Busse auf uns, die uns zum Einreisterminal brachten. Doch kurz vor der Ankunftshalle stapelten sich die Busse und wir standen doch tatsächlich in unserem ersten Stau. Na das kann ja heiter werden, dachten wir uns. Als wir dann endlich an der Halle ankamen, war sie gesteckt voll und auch hier hatten wir wieder Stau. Leider teilte einem niemand mit, dass links die Schlange für die
E-Pässe und rechts die persönlichen Kontrollen sind, so standen wir natürlich rechts und es dauerte noch viel länger bis wir endlich durch waren. Denn leider waren nur drei Schalter besetzt und gefühlte 1000 Leute wollten abgefertigt werden. Dafür war dann unser Gepäck schon da.
Wir gingen zum Taxistand und auch hier wieder das Gleiche eine lange Schlange wand sich vor uns und wieder dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis wir an der Reihe waren. Dafür bekamen wir ein typisch englisches Taxi ohne Kofferraum, dafür mit einer enorm großen Fahrgastzelle, die genug Platz für unsere Taschen und Rucksäcke hatte.
Ca. 1.00 Uhr kamen wir dann endlich im The Beverley B&B an, wo ein Schlüssel für uns hinterlegt war und ein großes geräumiges Zimmer mit einem einladenden Bett auf uns wartete.

Übernachtung: The Berverley B&B, Edinburgh
Freitag, 12.05.2017
2. Tag

Nach einem guten englischen Frühstück mit Eiern, Speck, Pilzen und Tomate, machten wir uns zu unserer ersten Erkundungstour auf. Es war stark bewölkt, aber ab und zu schaute die Sonne hinter den Wolken hervor. Gleich früh am Morgen gingen wir zu einer deutschen Bäckerei, wo wir uns für die nächste Zeit mit zwei Broten eindeckten. Mit unserer Beute wanderten wir weiter durch die Innenstadt, wo wir natürlich am Edinburgh Castle auf dem Castle Rock landeten. Diese berühmte Burg wurde größtenteils im 16. Jahrhundert gebaut, aber schon im 6 Jahrhundert soll es hier Befestigungsanlagen gegeben haben, die im 11. Jahrhundert zur Burg ausgebaut wurden. So stammt die St. Margaret-Kapelle, ein normannisches Gebäude, aus dem 12. Jahrhundert.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde Edinburgh Castle vielfach belagert, zerstört und wieder aufgebaut. So sind viele der älteren Gebäude in der heutigen Burg verbaut worden. 1566 brachte Mary, Königin von Schottland, hier ihren Sohn James zur Welt.
Da keine Menschenmassen an der Kasse anstanden, entschlossen wir uns kurzerhand zu einer Besichtigung der Burg. Nach dem wir den stolzen Preis von 17 Pfund bezahlt hatten, durften wir hinein. Wir sahen die One O’Clock Gun, die nach alter Tradition außer sonntags immer um 13.00 Uhr abgefeuert wird. Diese Tradition stammt aus der Zeit der Seefahrer, als die Segelschiffe im Firth of Forth eine exakte Zeitvorgabe brauchten, um ihre Chronometer zu justieren. Mittlerweile ist es eine Touristenattraktion und wird weiter betrieben. Gleich in der Nähe befindet sich die kleine St. Margaret-Kapelle mit ihren hübschen bunten Glasfenstern. Wir besichtigten auch das Geburtszimmer von James dem VI, die schottischen Insignien der Macht, das Gefängnis und vieles mehr. Alles gefiel uns gut, aber das Gefängnis war schon etwas Besonderes, denn hier hingen Hängematten und aus Lautsprechern hörte man leise Gespräche. Es wirkte so, als ob die Gefangenen nur kurz an der frischen Luft waren und gleich zurückkommen würden.

Um ca. 13.00 Uhr waren wir zurück in unserem B&B, wo wir auf den Fahrservice derFirma Roseisle warteten. Pünktlich traf der Chef persönlich ein und raus ging es aus der Stadt. Mittlerweile war es leider stark bewölkt, aber zum Glück regnete es nicht.
Die Firma befindet sich in dem kleinen Ort East Lothian östlich von Edinburgh. Hier sahen wir zum ersten Mal „Bert“, unseren treuen Gefährten für die nächsten drei Wochen. Bert hat eine Länge von 6,36 m, er ist 2,05 m breit und 2,59 m hoch und somit ein stattliches Kerlchen. Wir schauten ihn bewundernd an. Etwas mulmig wurde uns, als uns der Vermieter erzählte, dass Bert nagelneu ist und wir die ersten Besitzer wären. Kein Kratzer, kein Steinschlag und absolut unbewohnt. Okay, das würde wohl eine Herausforderung werden, denn ein paar Geschichten von den berüchtigten Single Track Roads und engen Stadtstraßen hatten wir natürlich schon gehört. Trotzdem waren wir beeindruckt. Bert war auch super ausgestattet und ich hätte einige meiner Utensilien, wie Handtücher oder unsere Espressokanne getrost daheim lassen können. Anfangs sahen die Schränke nicht sehr vielversprechend aus, aber als ich sie einräumte, merkte ich erst, wieviel Platz ich wirklich hatte, denn die Sachen wirkten fast verloren in den geräumigen Einschüben.
Nachdem der Papierkram erledigt war und wir in Berts Technik eingewiesen waren, fuhren wir um ca. 15.30 Uhr vom Hof. Die ersten Kurven waren noch etwas wackelig und vorsichtig, aber Chris merkte schnell, dass sich Bert wie ein SUV fahren lässt und eine sehr gute Straßenlage hat. So neigte er eher dazu, die enorme Länge zu vergessen und unser Auto spritzig zu fahren.
Als erstes brausten wir zu einem Tesco Supermarkt in der Nähe, wo wir uns mit allem Lebensnotwendigen versorgten. Genial war natürlich der Kühlschrank mit Tiefkühlfach, der schnell gefüllt war. Als besonderes Extra kaufte Chris freudestrahlend einen Grill für 20 Pfund, der in unserem Kofferraum mitreisen durfte.
Ungefähr 1,5 Stunden später, waren die Einkäufe verstaut und es konnte losgehen. Für den Abend hatten wir uns in den Trossachs am Loch Achray für 5 Pfund eine wilde Campsite vorgebucht, denn hier durfte man sonst nur auf offiziellen Campsites von April bis September übernachten.
Doch vorerst fuhren wir auf der Autobahn in Richtung Stirling, wo hoch über der Altstadt das Stirling Castle thront. Dabei kamen wir an den Kelpies vorbei, zwei riesige Pferdeköpfe aus Stahl, die fast schon auf die Autobahn zu ragen schienen. Schade, dass wir so wenig Zeit hatten, sonst hätte sich ein Abstecher sicherlich gelohnt. So fuhren wir nur, begeistert die Köpfe wendend, daran vorbei. Auch das Stirling Castle ließen wir links liegen und setzten unseren Weg bis zum Doune Castle fort. Diese spätmittelalterliche Burg steht auf einem Felssporn über dem Fluss Teith nahe der Stadt Callander am Fuße der Trossach Berge. Sie wurde um 1390 von Robert Stewart, 1. Duke of Albany, erbaut. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde sie als Landsitz und Jagdschloss von den schottischen Monarchen, u.a. Maria Stuart, genutzt und 1745 von den Jakobiten während ihrem zweiten Aufstand als Gefängnis verwendet.
Heute wird die Anlage von der staatlichen Denkmalschutzbehörde Historic Scotland verwaltet und kann besichtigt werden.
Hier wurden schon etliche Filme gedreht und natürlich musste ich als Outlander-Fan unbedingt hierher. Aber wie so oft im Leben, kamen wir zu spät und die Burg war schon geschlossen. Von außen konnte man sie natürlich trotzdem bewundern, doch auch hier gab es einen Haken, denn sie war eingerüstet und außerdem war der Himmel eine zähe graue Masse. Es war zum Verzweifeln. Natürlich umrundeten wir sie einmal und berührten die robusten Steine, die die Wärme des Tages gespeichert hatten, ehe wir uns wieder auf den Weg machten zu unserer Campsite. Doch auch hier hatten wir ein Problem, denn wir fanden sie nicht. Sie sollte am Loch Achray liegen. Wir sahen auch Autos auf der anderen Seeseite, aber irgendwie fanden wir keine Straße, die uns dorthin bringen würde. Mehrmals fuhren wir suchend den See ab, aber irgendwie kamen wir nicht auf die andere Seite. Dafür sahen wir unsere ersten Schottischen Hochlandrinder. Natürlich blieben wir begeistert stehen, denn die super schöne Kuh hatte auch noch Zwillinge, die mit ihrem plüschigen hellbraunen Fell absolut hinreißend aussahen.
Etwas ratlos entschieden wir, dass wir uns auf einen großen Parkplatz in der Nähe einen anderen Camper stellen würden, um hier die Nacht zu verbringen.
Chris parkte Bert gerade, denn im Camper merkt man schnell jede Unebenheit und jetzt verstanden wir auch, warum manch ein Camperfahrer so lange hin und her rangiert, bis er die richtige Position gefunden hat oder mittels zweier Unterlegkeile die Unebenheit korrigiert.

Sogleich baute Chris begeistert den Grill auf und schon ging es los mit dem ersten Grillgang. Nach einem leckeren Lachssteak ging es bald darauf ins Bett, das erstaunlich bequem war. Einzig die eine große Decke machte uns keine Freude, denn es zog an den Füßen, da sie zu beiden Seiten unserer Beine einen Einschnitt überbrückte. Dabei hatte ich doch extra zwei Decken bestellt, aber das hatten sie wohl falsch verstanden. Da mussten wir unbedingt Abhilfe schaffen und so kauften wir bei einem späteren Einkauf zwei Decken, die wir um unsere Füße wickeln konnten.

Übernachtung: Loch Achray, Loch Lomond and the Trossachs Nationalpark, 5 Pfund

Samstag, 13.05.2017
3. Tag

Da sich das Wetter über Nacht nicht gebessert hatte, schliefen wir an diesem Morgen etwas länger. Danach frühstückten wir gemütlich und weiter ging es. Wir fuhren bis zum Loch Earn, den wir uns jedoch nur im Vorbeifahren anschauten, denn das Wetter war einfach zu schlecht.
Auch die Falls of Dochart in Killin wollten wir besichtigen, aber der Wasserstand war so niedrig, dass Chris nach einer kurzen Erkundungstour enttäuscht zurückkam und wir weiter fuhren. Uns hatte schon der Roseisle Mitarbeiter erzählt, dass es die letzten zwei Wochen recht wenig geregnet hätte… das Ergebnis sahen wir hier vor uns.
Leider machte uns das Wetter auch am Loch Tummel einen Strich durch die Rechnung bzw. Planung. Am Queens View hat man normalerweise eine fantastische Aussicht auf den See und die darum liegende Landschaft – wenn das Wetter nicht ganz so grau wäre…. So hingen die Wolken tief und es nieselte leicht. Ärgerlich fanden wir auch, dass man hier für den Parkplatz 2 Pfund bezahlen musste, um sein Auto abstellen zu dürfen. Für die kurze Wanderung fanden wir das ziemlich übertrieben. Ein Platz zu dem man unbedingt bei dramatischen Wolken oder schönem Wetter noch einmal kommen muss, fanden wir.
Doch was macht man bei schlechtem Wetter, wenn die Wasserfälle kaum Wasser führen? Die Antwort ist: Ruinen anschauen, denn gerade Ruinen wirken bei typisch schottischem Wetter besonders mystisch und geheimnisvoll. Man hat das Gefühl, die Mauern könnten flüstern und verraten einem uralte Geheimisse über den Ort und die Menschen. Also fuhren wir zur Dunkeld Cathedral. Diese beeindruckende Kirchenruine befindet sich am River Tay.
Der Bau der heutige Kathedrale wurde 1318 begonnen und kurz nach ihrer Vollendung 1560 von den Reformatoren zerstört. Das dachlose Kirchenschiff und der Nordwestturm stammen noch aus dem 15. Jh. Der Chor wurde 1600 erneut überdacht und wird noch heute als Pfarrkirche genutzt.
Jedenfalls mussten wir erst einmal in dem Ort einen Parkplatz finden, denn trotz des relativ trostlosen Wetters, waren hier etliche Radfahrer unterwegs und belagerten mit ihren Autos und Rädern die Parkplätze, so dass es leider für unseren „Kleinen“ unmöglich war, einen Parkplatz zu bekommen. Doch wir hatten Glück und konnten uns mitten im Ort vor einen Coop parken. Schnell schnappten wir unsere Sachen und wanderten zur Kirche. Hier waren wir alleine und das aus gutem Grund, denn das dachlose Kirchenschiff war fast vollständig eingerüstet. Man konnte es weder von außen noch von innen richtig anschauen. Das konnte doch nicht wahr sein! Wir waren richtig enttäuscht und verließen nach einer kleinen Besichtigung die Kirche und den dazugehörigen Park.
Das war ja fast unglaublich: die Wasserfälle hatten kaum Wasser, die Ruinen waren eingerüstet und das Wetter dunkel und grau.

Da es noch früh am Tag war, beschlossen wir durch den Cairngorms National Park zu fahren und uns auf dem Weg einige Schlösser und Wasserfälle anzuschauen. Dieser Nationalpark wurde erst 2003 gegründet. Er ist mit einer Fläche von 3.800 km² der größte der 15 Nationalparks des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Er liegt in den zentralen Highlands und wird von den Grampian Mountains geprägt. Die Landschaft ist wild und nur wenige Straßen gibt es in dieser Moor-, Wald- und Seenlandschaft. Der höchste Berg ist der Ben Macdhui mit 1.310 m.
Unsere erste Anlaufstelle war das Blair Castle bei Blair Atholl, das 1269 erbaut wurde. Es ist Sitz der Familie Murray, deren Familienoberhaupt der Duke of Atholl ist. Hier sind auch die Atholl Highlanders stationiert, die einzige legale Privatarmee Europas, die aber nur eine rein zeremonielle Leibgarde ist. Natürlich kann die Anlage auch besichtigt werden, aber wir begnügten uns mit der äußeren Ansicht der schönen weißen Burg.
Unser nächster Stopp war am House of Bruar, wo es Souvenirs und Delikatessen zu kaufen gibt. Aber wir hielten nicht deswegen, sondern wegen der Falls of Bruar, denn hier befinden sich sehr schöne Wasserfälle, die man auf einem Rundweg erkunden kann. Der Parkplatz war sehr voll, aber die meisten Touristen saßen im Restaurant oder schlenderten durch das große Geschäft, so dass wir fast alleine unterwegs zu den Wasserfällen waren. Das Wetter war natürlich perfekt, denn hier brauchten wir keine Sonne. Auch der Weg war sehr schön. An der ersten Brücke war jedoch nur wenig Wasser und wir waren schon etwas enttäuscht, denn auf Bildern sah alles viel spektakulärer aus, aber zum Glück waren die ersten Kaskaden nur zum Aufwärmen und der große Wasserfall kam erst noch. Absolut fotogen schoss das Wasser unter der Brücke durch, umspülte Felsbrocken und Gischt schäumte unter uns in der Schlucht.
Wir fotografierten noch den schönen Wasserfall, der ein Meter tief in einen Pool stürzte. Wir überquerten die Brücke, wanderten weiter ein gutes Stück den Berg hinauf, bis zur nächsten Brücke und wanderten hier wieder zurück. Der Rundweg war schön und nicht allzu weit, so dass wir bald wieder an der schönen ersten Brücke standen und die Aussicht genossen. Eine Gruppe junger Leute in Neoprenanzügen kletterten hier in die Schlucht hinab zum Canyoning und hatten hörbar Spaß. Wir begnügten uns mit ein paar weiteren Bildern von den Fällen und waren begeistert von der schönen Kulisse.

Auf unserem Weg lagen auch noch die Ruthven Barracks, zu denen wir um die Mittagszeit kamen. Der Himmel war nach wie vor sehr bedeckt und die Wolken hingen tief, aber wir fanden, zu diesen Ruinen passte es so besonders gut. Hierbei handelt es sich um alte Militärbaracken, die 1719 nach dem Jakobitenaufstand von der Britischen Regierung errichtet wurden. Die Anlage hielt den Jakobiten stand, bis sie 1746 schwer bewaffnet die Garnison eroberten. Sie versammelten sich dort und warteten auf weitere Befehle von Bonnie Prince Charlie, der den Aufstand jedoch schon für verloren erklärt hatte und seinen Anhängern riet, sich um sich selbst zu kümmern. So wurden die Barracks nieder gebrannt und die Männer verstreuten sich. In diesem Zustand sind die Barracks noch heute und können auf dem Hügel besichtigt werden.
Nach diesem kleinen, lohnenden Abstecher fuhren wir weiter die A9 entlang bis wir um ca. 14.30 Uhr am Loch an Eilein ankamen. Hier befindet sich eine Ruine aus dem 14. Jahrhundert, wunderschön auf einer kleinen Insel mitten im See, die wir unbedingt anschauen wollten. Ein kurzer Weg vom Parkplatz aus führte uns direkt am See bis zu einer schönen Aussicht auf das Castle, das geheimnisvoll auf seiner kleinen Insel dem Zahn der Zeit trotzte und viele Besucher anzog. Nachdem unsere Neugier gestillt war, drehten wir um und gingen zurück zum Parkplatz. Schade, hier wäre besseres Wetter toll gewesen, aber zumindest regnete es nicht.
Um 15.45 Uhr erreichten wir das Drumin Castle, die Ruine eines Wohnturms. Sie liegt auf einer Hügelkette über der Mündung des Flusses Livet. Hinauf führte ein kurzer steiler Weg, der jedoch gesperrt war. Als wir ankamen, kam gerade ein Paar den Weg hinab und erzählte uns, dass es keinen Grund gab, den langen außen herum führenden Weg zu nutzen, da dieser hier viel kürzer und gut zu gehen sei. Also kletterten wir über den Zaun und gingen nach oben. Auch wir fanden keinen Grund für die Sperrung des Weges, dafür aber den tollen Wohnturm, den wir ausgiebig erkundeten.

Unser nächstes Ziel war die Glenlivet Distillery, zu der uns eine richtig schöne enge Single Track Road führte. Überall sahen und hörten wir Fasane, die neben unserem täglichen Kuckuck ein fast schon gewohnter Anblick in Schottland waren. Ein hübscher Hahn saß sogar fotogen auf einem Baum nahe der Straße, seine Mädels um sich geschart, aber leider blieb er nicht sitzen, als wir anhielten. Noch Tage später trauerte Chris dem Bild nach, das er hätte machen können.
Glenlivet ist eine Whiskybrennerei nahe Ballindalloch. Die alten Brennereigebäude sind in den schottischen Denkmallisten in die Kategorie B gelistet. Glenlivet wurde 1824 als erste legale Brennerei nach dem „Act of Excise“ von 1823 von George Smith gegründet. Damit zog die Familie den Unmut der gesamten Gegend auf sich, denn das illegale Brennen von Whisky hatte hier eine lange Tradition.
Die heutige Brennerei wurde 1858 gebaut. 1880 erwarben die Smiths das Exklusivrecht für den Namen „The Glenlivet“. 1977 wurde die Brennerei an den amerikanischen Alkoholkonzern Seagram verkauft, der 2001 an Pernod Ricard ging. Die Destillery bietet Führungen an und genau das war der Grund, warum wir hier waren. Leider war die nächstmögliche Führung schon ausgebucht und die jetzige lief schon. Bedauernd schaute uns das Mädchen an der Kasse an. Gerade als wir wieder gehen wollten, fragte uns eine weitere Dame, ob wir an der laufenden Führung teilnehmen wollten, denn sie hätte erst vor kurzem begonnen. Natürlich wollten wir! Sie brachte uns zu der kleinen Gruppe, die gerade etwas über die Zutaten von Whisky erfuhren. Da hatten wir noch nicht viel verpasst. Für uns als absolute Whisky Neulinge, war diese Führung eine ganz neue Erfahrung, bei der wir viel über den schottischen Whisky erfuhren.
Für Malt Whiskys wird ausschließlich (gemälzte) Gerste verwendet. Dabei wird das Getreide durch Befeuchtung gezielt zum Keimen gebracht, wodurch Enzyme im Korn aktiviert und die enthaltene Stärke zu Malzzucker umgewandelt wird. So können die Hefekulturen, bei der späteren Gärung zu Alkohol umgewandelt werden.
Danach wird das Getreide im Ofen getrocknet und so die Keimung gestoppt. Dabei erhält der spätere Whisky sein charakteristisches rauchiges Aroma. Nach der Trocknung wird das gemälzte Getreide in großen Mühlen geschrotet und so zu einer Art Mehl zermahlen.
Wie beim Brauen von Bier, wird auch das Getreide-Schrot jetzt in einem Maischebottich mit heißem Wasser vermischt, um so den vergärbaren Zucker aus dem Getreide zu spülen.
Diese zuckrige Lösung läuft in einen Gärtank, wo jetzt die Hefekulturen, die für die Vergärung verantwortlich sind, hinzugegeben werden. Die Dauer der Vergärung ist je nach Hersteller unterschiedlich und liegt zwischen 48 bis 72 Stunden. Beim Vergären der Maische produzieren die Hefekulturen Alkohol und Kohlendioxid. Nach dem Absterben der Hefekulturen hat sich die Mischung, die nun als „Wash“ bezeichnet wird, zu einer Art Bier mit einem Alkoholgehalt von 8% bis 11% entwickelt und kann jetzt destilliert werden. Für das Whiskybrennen gibt es zwei verschiedene Verfahren. Der Schottischer Malt Whisky wird in Kupferbrennblasen, den sogenannten Pot Stills doppelt oder dreifach destilliert.
Im ersten Brenngang entstehen die Low Wines mit ca. 20% Alkoholgehalt und im zweiten bzw. dritten Brenngang die High Wines mit einem Alkoholgehalt zwischen 60 bis 70 %.
Der Brennmeister teilt den Whisky während des Brennens im Spirit Safe in drei Teile ein: Foreshot, Heart und Feints. Nur der Mittelteil des Destillats, das Herz, wird für den weiteren Whisky verwendet.
Der eigentliche Geschmack des Whiskys entsteht jedoch durch die Lagerung in alten Bourbon-, Sherry- oder anderen Fässern. Single Malts reifen häufig zehn Jahre und länger in ihrem Fass, bevor sie abgefüllt werden.
Während wir alles über den schottischen Single Malt Whisky und das ganze Brennverfahren erfuhren, wanderten wir durch die Hallen und schauten uns die Prozesse der Herstellung an. Teilweise war es sehr warm und wir legten immer mehr von unserer Kleidung ab – zumindest die Jacken und Pullover.
Besonders interessant fanden wir die alten Warehouses (Lagerhallen), die das ganze Jahr über ein konstantes Klima aufweisen. Hier kosteten wir auch unseren ersten sehr jungen Whisky, den sogenannten „Moonshine“, der mit ca. 80% Alkohol sehr heftig war und uns total an Obstler erinnerte. Zurück im Besucherraum durften wir dann noch einen fertigen jungen Whisky verkosten und bekamen sogar jeder noch eine Mini Flasche 18 Jahre alten Single Malt geschenkt. Wir hatten viel gelernt und waren vollauf zufrieden. So konnten wir unsere Reise fortsetzen.
Unser nächster Stopp war das das Braemar Castle, ein Schloss im Hochtal des schottischen Flusses Dee auf dem Gebiet Braemars. Es wurde ab dem Jahr 1628 durch John Erskine, 18. Earl of Mar, Schatzmeister von Jakobs VI., erbaut. Das Schloss wurde als als Jagdschloss des schottischen Königs, aber auch als Bollwerk gegen die zunehmende Macht des nach England orientierten Clan der Farquharsons genutzt. 1689 gelang es den Farquharsons unter Führung von John Farquharson, the Black Colonel of Inverey, die Burg zu erobern und niederzubrennen.
John Erskine, 23. Earl of Mar, führte den Jakobitenaufstand von 1715 an. Nach dessen Niederschlagung wurde das Braemar Castle von England beschlagnahmt und als Belohnung an den Clan Farquharson übergeben. Es blieb jedoch bis 1748 eine Ruine. Erst dann wurde das Castle wieder aufgebaut und an die Krone verpachtet, die sie als Garnison für Hannoveraner Truppen nutzte.
Ein Bericht aus dem Jahr 1800 berichtet vom Braemar Castle als Burg mit intaktem Burggraben. 1831 wurde die stationierte Garnison aufgelöst und die Burg dem Clan Farquharson zurückgegeben. Erst jetzt begann der Umbau zu einem Wohnhaus, in dem auch Königin Victoria vor ihrem Umzug nach Balmoral Castle residierte, wenn sie die Highland Games in Braemar besuchte.

2006 wurde das Braemar Castle, das sich immer noch im Besitz des Clan Farquharson befindet, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist seit 2008 zu besichtigen. Natürlich hatte es am frühen Abend schon geschlossen, aber es war auch von außen eine Augenweide mit seinen Türmchen und der kompakten Bauweise. In der gesamten Anlage blühten noch die Osterglocken. Es wirkte fast schon unwirklich inmitten der vielen Blumen und des gepflegten Rasens.

Unser Endziel an diesem Abend war das Dunnottar Castle, das wir um ca. 20.20 Uhr erreichten.
Das Castle ist eine Burgruine in Aberdeenshire. Die Ruine befindet sich rund 3 km südlich der Stadt Stonehaven und steht fotogen auf einer felsigen Landzunge in der Nordsee an der Nordostküste Schottlands.
Die zum Teil recht gut erhaltenen Gebäude stammen größtenteils aus dem 15. und 16. Jahrhundert, aber es wird vermutet, dass auf ihrer Stelle bereits in der Vorzeit eine festungsartige Anlage stand. Aufgrund seiner bedeutenden strategischen Lage spielte das Dunnottar Castle eine wichtige Rolle in der schottischen Geschichte, insbesondere vom frühen Mittelalter bis zur Aufstand der Jakobiten im 18. Jahrhundert.
Während der Englischen Bürgerkriege wurden in Dunnottar Castle die schottischen Kronjuwelen vor den in Schottland einfallenden Truppen Oliver Cromwells versteckt, da dieser bereits die älteren englischen Kronjuwelen zerstören ließ. Ein weiteres sehr geschichtsträchtiges Schloss lag somit vor uns. Natürlich war es auch schon geschlossen, aber die Anlage war trotzdem zugänglich. Während wir uns auf dem Schotterweg dem Schloss näherten, kam auf einmal die Sonne durch die Wolken und ein letztes Licht ließ die Ruinen in warmen Farben leuchten. Jetzt wurden wir schnell, denn das wollten wir unbedingt festhalten. Während Chris auf das Schloss zu sprintete, ließ ich mir etwas mehr Zeit und machte ein paar Bilder aus der Entfernung. Was für eine tolle Kulisse für einen Sonnenuntergang. Das Schloss auf einer kleinen Landzunge von Wellen umspült und im Hintergrund ging die Sonne über dem Meer unter und ließ es als Silhouette leuchten. Wir blieben bis die Sonne endgültig in den Wolken verschwunden war und waren absolut begeistert von der Schönheit der Anlage.
Da es schon spät war und ich einen Campingplatz in Stonehaven gesehen hatte, fuhren wir über eine abenteuerliche sehr enge Einbahnstraße direkt in den Ort, aber der Campingplatz war voll belegt. Dafür waren am Hafen noch ein paar Plätze frei und dort standen schon weitere Camper. Also gesellten wir uns zu ihnen und verbrachten hier die Nacht im Wellenrauschen der Brandung.

Übernachtung: Hafen von Stonehaven, kostenlos

Sonntag, 14.5.2017
4. Tag

Um 4.00 Uhr morgens standen wir auf, denn wir wollten unbedingt das erste Licht auf dem Dunnottar Castle fotografieren. Doch leider war es stark bewölkt und der Himmel leuchtete nur minimal rosa und es nieselte leicht. Trotzdem liefen wir zur Ruine vor, um ein paar Bilder zu machen. Irgendwie wurde es immer farbenfroher und wir erlebten einen super schönen Sonnenaufgang bis die Sonne in einer Schlechtwetterfront verschwand. Wir waren total glücklich, denn das frühe Aufstehen hatte sich absolut gelohnt.
Dann machten wir uns auf den Weg in Richtung Norden. In Sandwick bekam Bert etwas zu trinken und da noch nirgends ein Bäcker geöffnet hatte, entschlossen wir uns in der Tankstelle einen Kaffee zu holen. Am Automaten zogen wir uns jeder einen Costa Kaffee und nahmen dazu frisch gebackene Croissants mit. Der Kaffee war erstaunlich gut und die warmen Croissants zergingen fast auf der Zunge. 

Unterwegs schauten wir uns den Buchanness Leuchtturm in Boddam an, der über eine kleine Brücke von der Küste aus zu erreichen war. Der Ort war richtig nett und idyllisch.

Unser nächstes Ziel an diesem Morgen war der Bow Fiddle Rock, an dem wir um ca.  8.00 Uhr ankamen.

Auf gut Glück parkten wir gleich richtig, denn genaue Koordinaten hatten wir nicht. Wir wanderten einen schönen Weg an der felsigen Küste entlang, wo wir von oben den Felsen im Meer erblickten. Seevögel umkreisten ihn und lautes Geschrei lag in der Luft. Der Wind war frisch und wehte uns fast von der Uferkante. Wir fanden auch einen Weg hinab in die kleine Bucht, in der der Felsen riesig vor uns lag.

Um 12.00 Uhr kamen wir am Cawdor Castle an, wo wir uns die wunderschönen Gartenanlagen anschauten. Es liegt nur wenige Kilometer nordöstlich von Inverness in den schottischen Highlands.
Die Anlage wurde erstmals 1380 erwähnt. William, Thane of Cawdor errichtete hier einen komplexen Kampfturm. Danach ist nichts mehr in den Quellen zu finden bis es ab 1638 wieder in den Unterlagen auftaucht. Zu dieser Zeit begann die Instandsetzung des Turmes mit dem alten Salon und dem nördlichen Flügel. Während des Bürgerkriegs blieb das Castle weitestgehend verschont und es wurden nur einige Heuschober durch die englischen Soldaten Lord Montroses angezündet. Auch während der blutigen Feldzüge Oliver Cromwells war Cawdor Castle von der Beherbergung von Soldaten und Offizieren befreit. Dies ist der Grund, weshalb die teure Inneneinrichtung noch erhalten ist. Doch dafür hatten wir leider nicht genug Zeit, denn das Wetter war mittlerweile einfach zu schön und wir wollen noch so viel rund um Inverness anschauen. Also begnügten wir uns mit der Ansicht von außen und der wunderschönen Parkanlage mit dem gepflegten Irrgarten.

Danach fuhren wir weiter bis zum Fort George, das Chris unbedingt von innen anschauen wollte. Das Fort wurde im 18. Jahrhundert erbaut und befindet sich auf einer Landzunge am Moray Firth. Es ist eine nahezu original erhalten Anlage und wird noch heute militärisch genutzt. Erbaut wurde es, um das schottische Hochland nach dem Jakobitenaufstand (1745/46) zu befrieden, denn die alte Anlage wurde in dieser Zeit völlig zerstört.
Schon von außen wirkte das Fort sehr eindrucksvoll, denn eigentlich sah man nicht viel, außer Kanonen, da es durch flach aufsteigende Erdwälle gut geschützt vor uns lag. 
Über einen befestigten Brückenkopf gelangten wir durch den ersten Wall auf einen Vorplatz, wo wir Eintrittskarten für das Fort kaufen konnten. Von hier aus führte uns eine hölzerne Zugbrücke über den Festungsgraben.

Im Fort befinden sich viele Gebäuden und Exerzierplätze, Artilleriegeschütze und Kanonen, sowie eine bedeutende Ansammlung von Waffen, alles geschützt durch die umfassenden Wallanlagen. Im Inneren gibt es auch eine Brauerei und eine Kapelle. Es gab also viel zu sehen. Wir umwanderten die Anlage auf dem Wall und waren wirklich beeindruckt. Wir hatten gute Sicht auf das Festland und das Meer. Eine wirklich gute Position für so ein Fort.

Natürlich stand an diesem Tag noch mehr auf dem Programm, denn auf unserem Weg nach Inverness kamen wir zwangsläufig an Culloden vorbei, wo am 16.4.1746 die Schlacht von Culloden stattfand. Hier standen sich das geschwächte Heer der Jakobiten unter der Führung von Bonnie Prince Charlie (Charles Edward Stewart) und die englische Armee gegenüber und hier nahm die Schlacht innerhalb von 30 Minuten ihr blutiges Ende.
Damals war Culloden noch ein Moor. Heute erinnert eine große Wiese an die tragischen Ereignisse und die toten Clans. Wege und Fahnen in verschiedenen Farben zeigen den Verlauf der Fronten der beiden Streitmächte. Auf Tafeln wird erklärt, wo welcher Clan stand. Überall findet man Gedenksteine, die die Gräber der Clans und ihrer Helden anzeigen. Trotz dieser ganzen Tragik blühte der Ginster wunderschön auf der Wiese, die Sonne schien und Wolken türmten sich auf. Natürlich schauten wir nach dem Gedenkstein der Frasers – wie viele andere auch - und natürlich fanden wir ihn nahe des Gedenkturms. Aber auch die anderen Clans sollten nicht vergessen sein und hier und da sah man ein paar Blumen liegen.

In Inverness, der Hauptstadt des schottischen Verwaltungsbezirks der Highlands, fanden wir auf einen tollen Parkplatz für Bert direkt am Kaledonischen Kanal. Wir spazierten über die Brücke durch die Stadt und landeten beim Inverness Castle. Die über der Stadt thronende Burg wurde 1835 auf dem Gelände des mittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet. Heute ist dort ein Gericht untergebracht. Witziger Weise probte dort gerade eine „Band“ von Dudelsackspielern einen Marsch - zwar leider nicht im Kilt, aber dafür sehr eindrucksvoll für unsere Ohren. Immer wieder liefen sie den kleinen Berg hoch und runter und spielten wunderschön.

Doch da wir unbedingt noch zum Urquhart Castle wollten, rissen wir uns irgendwann los und fuhren entlang des tiefblau schimmernden und sagenumwogenen Loch Ness zum Castle, das auf einer Landzunge etwas erhöht in das Loch Ness ragt. Hier stand vermutlich schon im fünften Jahrhundert eine Festung der Pikten, worauf einige Ausgrabungen von 1983 deuten. Die Burg wurde erstmals im Jahr 1296 erwähnt, da es zu diesem Zeitpunkt der englische König Edward I. eroberte. Doch Robert the Bruce befreite Schottland von der Fremdherrschaft und damit auch die Burg am Loch Ness. Danach war die Burg über lange Zeit hinweg Spielball verschiedener Mächte. Die Schotten, Engländer, die Lords of the Isles und deren Erben, die MacDonalds, gaben sich hier fleißig die Klinke in die Hand, wodurch die Burg weiter ausgebaut und verstärkt wurde. Dann im 16. Jahrhundert wurde die Burg dem Clan Grant zugesprochen. Die Grants unterstützten England und somit gelangte die Burg in das Kreuzfeuer des Jakobitenaufstandes. Da die strategisch wertvolle Anlage nicht in die Hände der Jakobiten fallen sollte, wurde sie gesprengt und nie wieder aufgebaut.
Hier kamen wir um ca. 17.00 Uhr an und fotografierten erst einmal die Schlossruine von oben durch den Ginster hindurch. Um zur Ruine zu gelangen, musste man durch ein großes Besucherzentrum. Nach einem Blick auf die Öffnungszeiten waren wir etwas enttäuscht, denn es hatte schon geschlossen. Komischerweise gingen aber immer noch Menschen hinein. Einige Zeit später schauten wir noch einmal auf die Zeiten und merkten, dass die Ruine doch bis 18 Uhr geöffnet hatte. Natürlich wollten wir sie uns aus der Nähe anschauen, doch wie immer saß uns die Zeit im Nacken. Also liefen wir schnellen Schrittes auf die Ruine zu. Schon von oben hatten wir den gut erhaltenen Turm gesehen, den wir jetzt besichtigten. Auch das Eisentor war eindrucksvoll und die Mauer schaute noch immer uneinnehmbar aus. Jetzt kamen auch wir wieder etwas zur Ruhe, denn wir hatten alles gesehen und konnten nun auch die wunderschöne Landschaft genießen. Es war warm und die Sonne schien.

Zurück fuhren wir wieder am Loch Ness entlang und später auf kleineren Straßen bis zum Chanonry Point, gegenüber von Fort George, wo es zwei Campingplätze gibt.
Der erste Campingplatz war leider absolut überfüllt, doch auf dem zweiten kleineren Platz bekamen wir noch problemlos eine Site, direkt am Meer, das vor uns in der Sonne glitzerte. War das schön hier! Die Besitzerin empfahl uns noch den örtlichen Fish and Chips Laden und so machten wir uns zu Fuß auf in den kleinen Ort, denn nach der vielen Fahrerei, war es richtig schön, mal etwas mehr zu laufen. Chris hatte Hunger und das merkte man deutlich an seiner Bestellung. Er nahm die größte Fischportion, doch zum Glück konnte ich ihn gerade noch davon abhalten, zwei Mal Chips zu bestellen, denn auch eine Portion langte eigentlich für drei Leute. Dazu gab es noch eine Portion frittierte Shrimps. Kurz nach der Bestellung entdeckte er noch geröstete Zwiebeln, die auch noch mit mussten. Mit einer riesigen Tüte gingen wir zurück zu Bert, der brav auf uns gewartet hatte. Leider war der Wind ziemlich kühl, aber trotzdem ließen wir die Tür offen und genossen unser riesiges Mahl, das natürlich nicht zu schaffen war, bei schönstem Sonnenschein.
Dann war es soweit und ein weiterer Spaziergang führte uns durch einen Golfplatz bis zum Chanonry Leuchtturm, von dem man bei einsetzender Flut sehr gut Delphine beobachten kann. Mit Sonnenuntergang kam auch die Flut und wir warteten. Weit draußen entdeckten wir ein paar Delphine, aber nur mit dem Fernglas waren sie gut zu erkennen. Trotzdem war es schön und wir beschlossen, unser Glück noch einmal am nächsten Morgen zu versuchen. Zufrieden wanderten zurück zu unserem Bert.

Übernachtung: Fortrose Bay Campsite, 20 Pfund

Montag, 15.5.2017
5. Tag

Da wir uns nach den Gezeiten richten mussten, schliefen wir an diesem Morgen bis 8.00 Uhr. Wir duschten und füllten unser Wasser auf. Danach fuhren wir diesmal mit unserem Camper zum Leuchtturm. Dort frühstückten wir erst einmal.
Diesmal hatten wir zwar wieder starke Bewölkung, aber dafür kamen die Delphine deutlich näher ans Ufer. Sie schauten sogar ab und zu aus dem Wasser und spielten ein wenig. Wir konnten sie prima sehen und auch ein paar Bilder machen. Leider war auch dieser Besuch nicht sehr lang und zum Springen hatten die Delphine an diesem trüben Tag auch keine Lust. So brachen wir um 10.15 Uhr auf und fuhren weiter an der Ostküste in Richtung Norden.

Ich wollte unbedingt das Dunrobin Castle besichtigen, denn schon auf Bildern hatte mich dieses tolle Schloss absolut beeindruckt. Leider regnete es leicht, als wir dort um 12.00 Uhr ankamen.
Das Schloss ist  Stammsitz des Clan Sutherland. Es ist mit 189 Zimmern das größte Wohngebäude in den nördlichen Highlands. Der Kern geht auf einen Wohnturm des 13. Jahrhunderts zurück, dessen Überreste noch heute im Innenhof des Schlosses zu sehen sind. Erwähnt wurde das Dunrobin Castle aber erst 1401 als Festung des sechsten Grafen von Sutherland, Robert de Moravia.
Im 17. Jahrhundert wurden der alten Burg zwei neue Flügel angebaut, die durch einen Turm mit Wendeltreppe mit dem alten Gebäude verbunden waren.  George Sutherland-Leveson-Gower, 2. Duke of Sutherland ließ das Schloss von 1845 bis 1851 umbauen, womit es sein jetziges Aussehen erhielt. Der Architekt Charles Barry, der auch Westminster in London erbaut hatte, empfand es einem französischen Schloss nach. Er entwarf auch den Garten, der an die Anlagen von Versailles, erinnert. Leider zerstörte ein Großbrand 1915 einen Großteil der alten Inneneinrichtung, die jedoch nach den Entwürfen Robert Lorimers neu gestaltet wurde. 1960-1970 wurde das Schloss als Jungeninternat genutzt. Heute gehört es Elizabeth Sutherland, 24. Countess of Sutherland, die es 1963 von ihrem Onkel George Sutherland-Leveson-Gower, 5. Duke of Sutherland erbte und es von April bis Oktober der Öffentlichkeit zugänglich machte.
Begeistert wanderten wir durch die Räume und schauten uns alles an. Leider machte der wunderschöne Garten bei diesem Wetter nicht ganz so viel Spaß, aber ein kleiner Rundgang musste trotzdem sein.

Bei dem schlechten Wetter beschlossen wir, uns eine weitere Destillerie anzuschauen. Da Glenmorangie in Tain in den Northern Highlands direkt auf unserem Weg lag, hielten wir dort an und gingen guter Dinge in das Besucherzentrum. Doch diesmal hatten wir Pech, denn die nächste Führung würde erst in 50 Minuten beginnen und so lange wollten wir nicht warten. So setzten wir unseren Weg fort, bis wir bei Brora ein Schild zu einer weiteren Brennerei sahen und dorthin fuhren. Der Wegweiser brachte uns zur Clynelish Distillery, die mir meine Kollegin Astrid empfohlen hatte.
Zwar wurde die Produktion gerade umgestellt und somit war eine Führung nicht möglich, aber die junge Dame im Besucherzentrum bot uns eine historische Führung durch die alte Brennerei an.
1819 gründete der Erbauer vom Dunrobin Castle, George Granville Levison-Gower, der zweiten Marquis of Stafford und spätere Duke of Sutherland den Vorgänger der heutigen Destillerie. Clynelish wurde 1967 direkt neben der alten Brennerei errichtet. Die alte Brennerei wurde im Mai 1968 geschlossen, um kurz darauf im April 1969 wieder in Produktion zu gehen. Sie wurde daraufhin in Brora umbenannt, während die neue Brennerei weiter Clynelish hieß.  Beide Brennereien produzierten bis 1983 parallel, bis die Brora-Brennerei endgültig geschlossen wurde.
Seit 1987 gehört die Clynelish-Brennerei zu United Distillers (UD) und so seit 1998 zu Diageo.
Wir wanderten durch die Brora Brennerei und sahen die alten Gebäude und Kessel. Wir konnten sogar in die alten Bücher schauen. Es sah zum Teil fast so aus, als ob nur schnell jemand weggegangen wäre und die Produktion gleich weiter laufen würde. Da wir mit unserer Begleiterin ganz alleine waren, machte es unheimlich Spaß. Besonders eindrucksvoll waren wieder die alten Lagerhäuser, die noch heute genutzt werden. Hier durften wir sogar richtig hinein gehen. Der Alkohol lag süßlich in der Luft und viele alte Schätze waren zu bestaunen. Eigentlich darf man hier nicht fotografieren, aber da wir uns so gut verstanden und so viel Spaß miteinander gehabt hatten, durfte Chris von der Tür aus ein paar Bilder machen.
Im Besucherraum gab es dann einen guten Tropfen Whisky zum Probieren. Wir schauten uns das Whiskydiagramm an und Chris fragte nach einem sehr rauchigen Whisky, den wir auch noch testen durften. Während es mich schüttelte, nickte Chris anerkennend. Hier hatte es uns super gut gefallen.

Weiter ging es in Richtung Norden bis wir um ca. 17.00 Uhr am Duncansby Head Leuchtturm ankamen. So langsam wurde hier auch das Wetter besser. Wir schauten uns erst den Leuchtturm an und wanderten dann weiter bis zu den Duncansby Stacks, unserem Tagesziel. Den Weg hatten wir nur etwas unterschätzt, denn er war viel weiter als gedacht und wir hatten nur eine Kamera dabei und auch unser Stativ lag im Auto. Trotzdem gingen wir immer weiter, denn die Landschaft war wunderschön. Hügelige Wiesen voller Schafe und unter uns eine wilde Küste mit ihren wunderschönen Felsnadeln voller Meeresvögel. Die Brandung rauschte und Blümchen beugten sich im Wind, der so nach und nach die Wolken vertrieb, bis auf einmal die Sonne schien.
Natürlich gingen wir noch einmal zurück und holten unsere Ausrüstung. Also gingen wir den Weg ein zweites Mal, doch leider waren jetzt schon viel Schatten auf den Felsnadeln. Dafür zeigten uns zwei Engländer die ersten Puffins, die zwischen den ganzen Möwen fast nicht zu erkennen waren. Leider waren sie viel zu weit weg, um ein brauchbares Bild machen zu können, aber dank Fernglas konnten wir sie gut erkennen.
Zurück an unserem Camper, beschlossen wir hier zu übernachten, denn der Platz war einfach nur genial. Wo kann man schon Sonnenauf- und Sonnenuntergang von einem Platz aus beobachten?!
Als die Tagebesucher, die mit ihren kleinen Autos die großen Camperparkplätze belagert hatten, weg waren, stellten wir Bert so hin, dass wir in die Sonne schauen konnten und Chris holte ein weiteres Mal den Grill raus. Vor uns glitzerte das tiefblaue Wasser im Gegenlicht und auf der anderen Seite stand fotogen der Leuchtturm. Das Grillen wurde trotzdem zu einer kleinen Herausforderung, denn der Wind war heftig und Chris musste ihn geschützt hinstellen, damit er nicht umgeweht wurde.
Bei wunderschöner Abendsonne gab es dann frisch gerillte Lachssteaks mit Salat – besser hätte es uns nicht gehen können. Am späten Abend fotografierten wir dann noch den Leuchtturm, der fotogen über dem Meer thronte, ehe wir schlafen gingen.

Übernachtung: Parkplatz Duncansby Head, John O'Groats, kostenlos

Dienstag, 16.05.17
6. Tag

Um 3.55 Uhr klingelte unser Wecker und Chris schaute aus dem Fenster. Es sah vielversprechend aus. Wir zogen uns warm an, denn gestern wehte ein kalter Wind. Chris leerte noch die Asche aus unserem Grill in die Mülltonne, als er auf einmal aufgeregt angelaufen kam und Wasser wollte. Trotz der Kühle der Nacht und des Windes hatte sich die Asche nicht vollständig abgekühlt und rote Glutnester fielen auf den Müll in der Tonne. In Gedanken sahen wir schon Feuerwehrautos mit Blaulicht angefahren kommen und die Mülltonne löschen, während wir gemütlich an den Felsnadeln verweilten. Soweit sollte es natürlich nicht kommen, denn beherzt goss Chris eine große Flasche Wasser auf die Asche, die heftig dampfend erlosch.
Dann wanderten wir los zu den Felsen im Meer. Da es bereits dämmerte, war an der Küste schon reger Flugbetrieb und Möwen kreischten über uns. Es war fast keine Wolke am Himmel, also wurde es nichts mit einem dramatischen Sonnenaufgang. Aber nach den trüben Tagen freuten wir uns, die Sonne gleich am Morgen sehen zu dürfen. Der Weg ging wieder über die Schafsweiden, vorbei an kleinen Seen und entlang der Küste. Das Gras war nass von der Nacht und so holten wir uns patsch- nasse Füße. Mist, wofür hatten wir denn die Gummistiefel dabei, fragte ich mich… Doch der Sonnenaufgang lenkte von den nassen Füßen ab. Es war einfach bezaubernd, wie sich die Sonne langsam über dem Horizont erhob und die gräuliche Landschaft in die schönsten Farben tauchte. Blümchen wogten im Wind, wir hörten das Rauschen der Wellen unter uns und waren absolut zufrieden.
Zurück am Auto frühstückten wir bei strahlendem Sonnenschein, auch wenn der Wind wieder kühl wehte.

Danach hieß es Abschied nehmen von unserer tollen Campsite und dem schönen Leuchtturm.

Entlang der Küste fuhren wir zur Dunnet Bay, wo wir kurz an den Strand gingen und danach zum Dunnet Head Lighthouse, das wir um 8.00 Uhr erreichten. Hier standen auch einige Camper und schliefen noch. Wir waren wieder ganz alleine unterwegs. Auch dieser Leuchtturm war schön, konnte aber nicht mit „unserem“ konkurrieren. An dieser Steilküste soll es auch eine große Brutkolonie von Meeresvögeln, darunter zahlreiche Puffins, geben, aber leider war hier noch nicht viel los. Wir wanderten noch auf einen kleinen erhöhten Hügel, von dem wir eine 360 Grad Rundumsicht hatten und genossen den ruhigen Morgen.
Weiter ging es auf einer schmalen Single-Track-Road entlang einer wunderschönen Küstenlandschaft, die dank zahlreicher Ausweichstellen gut zu befahren war, bis wir die Strände von Ceannabeinne erreichten. Leider war es mittlerweile stark bewölkt und sah nach Regen aus. Trotzdem beeindruckte uns dieser schöne Strand, von dem wir schon viele schöne Bilder gesehen hatten.

Weiter ging die Fahrt bis zur Smoo Cave. Das ist eine Meeres- und Süßwasserhöhle östlich von Durness in der Grafschaft Sutherland an der Nordküste der schottischen Highlands. Diese Kalksteinhöhle ist über 60 m lang, 40 m breit und der Bogen über dem Eingang mehr als 15 m hoch. Zu der Höhle führte ein gut ausgebauter Weg, der steil hinab bis zum Eingang führte. Wow, allein dieser Anblick war schon beeindruckend. Im Inneren führte ein Holzsteg bis ans Wasser, von wo aus man den unterirdischen Wasserfall des Allt Smoo bewundern kann, der durch ein Loch im Höhlendach in die Höhle hineinfließt. Aber auch hier hatten wir Pech, denn leider führte der Bach durch die Trockenheit der letzten Wochen kein Wasser und nur ein Rinnsal plätscherte durch das Loch.

Weiter in die Höhle hinein kam man nur geführt und mit einem Boot. Doch nachdem der Wasserfall kein Wasser führte, sparten wir uns das und gingen wieder, nachdem wir die Höhle verlassen hatten, auf der anderen Seite den längeren Weg nach oben zur Straße.

Leider waren auch der bekannte Stand von Sango Sands für uns nicht machbar, denn die grauen Wolken wurden immer dichter und so fuhren wir zuerst zum Balnakeil Beach, denn hier gibt es neben dem Elliot House, einer luxuriösen Selbstversorger Highlandlodge, noch die Balnakeil Church, eine verfallene Kapelle von 1619. In dieser Kapelle liegt der Straßenräuber und angeblich achtzehnfache Mörder Donald Macmurchow begraben, der - so überliefert - nach einem Sinneswandel den Kirchenbau finanzierte, um dort begraben zu werden.
Doch an dem Strand für unseren Bert einen Parkplatz zu finden, entpuppte sich als Geduldsspiel, da neben zahlreichen Campern auch sehr viele Kleinwagen auf dem engen Parkplatz waren und überall entlang des Weges parkten.
Während Chris auf eine Parkmöglichkeit wartete, stieg ich schon mal aus und ging zu der Kapelle, die von einem kleinen sehr alten Friedhof umrandet wurde.
Hier passte die düstere Stimmung ausgezeichnet und ich machte begeistert ein paar Bilder. Unterdessen kam auch Chris, der mit etwas Ausdauer einen guten Stellplatz für unseren Bert ergattert hatte. Wir liefen über den kleinen Friedhof und gingen dann an den Strand runter, der in einer wunderschönen Bucht vor uns lag. Doch zu einem Strandspaziergang konnten wir uns nicht durchringen, dazu war das Wetter einfach zu schlecht. So begnügten wir uns mit einer kurzen Runde und ein paar Bildern und wanderten wieder zum Auto zurück.
Auch unser zweiter Versuch, den Sango Sands Beach anzuschauen, blieb erfolglos, denn kaum waren wir im Ort, öffneten sich die Schleusen und es regnete heftig. Da wir hier eigentlich eine Nacht bleiben wollten, überlegten wir hin und her, aber auch ein Blick auf das kommende Wetter verhieß nichts Gutes. Darum entschlossen wir uns zur Weiterfahrt.
Die Straße blieb landschaftlich wunderschön und auch das Wetter besserte sich nach einigen Regengüssen langsam wieder.

Am Loch Assynt legten wir um 15.30 Uhr eine kleine Pause ein. Die Stimmung war noch immer düster, aber ab und zu ließ sich die Sonne durch eine Wolkenlücke blicken und beschien die Ruine des Ardvreck Castles. Diese Burgruine wurde Ende des 15. Jahrhunderts durch die MacLeods of Assynt gebaut. Sie liegt auf einer kleinen Halbinsel am Nordufer des Lochs.
1672 ging die Burg nach einer zweiwöchigen Belagerung in den Besitz der Seaforths of MacKenzie über. Sie ersetzten die wenig komfortable Burg 1726 durch Calda House, ein großes modernes Herrenhaus, nur wenige hundert Meter entfernt. Es fiel jedoch bereits 1737 einem Brand zum Opfer.
1745 unterstützten die MacKenzies den letzten Aufstand der Jakobiten und verloren nach der Niederlage in der Schlacht bei Culloden ihren gesamten Besitz. Dieser wurde 1757 vom Earl of Sutherland übernommen. Das Calda House wurde nicht wieder aufgebaut und sein Mauerwerk für andere Bauten in der Umgebung verwendet. Das Ardvreck Castle, dessen Mauern bereits teilweise für den Bau von Calda House genutzt worden waren, stürzte schließlich 1795 nach einem Blitzschlag ein und verfiel. Übrig blieb die hübsche Ruine in einer wirklich beeindruckenden Landschaft, die wir begeistert umrundeten. Leider war das Wetter nach wie vor recht düster, aber gerade als wir gehen wollten, kam die Sonne heraus. Während ich noch ein paar Bilder machte und dann zu Fuß zum Calda House ging, parkte Chris unseren Bert um und kam direkt zum Calda House. Als ein großer Reisebus hielt, suchten wir das Weite.

Die Fahrt war wirklich schön, aber der Wind wurde immer heftiger. Böen schüttelten uns durch, aber dafür blies er auch die dicken Wolken weg und endlich schien wieder die Sonne. So kamen wir gegen 19.00 Uhr in der Nähe von Poolewe an der kleinen privaten Campsite Firemore Sands an. Für 5 Pfund kann man hier ohne Service campen und den Ausblick auf die kleine Bucht und das Meer genießen. Wir stellen uns etwas erhöht auf den Rasen und genossen die Abendsonne, während der Wind wie verrückt an unserem Bert rüttelte. Es war so heftig, dass der Sand am Strand hinaus aufs Meer geweht wurde und wie ein  Schleier über den Strand wehte. Chris ging natürlich eine Runde zum Fotografieren, ich blieb lieber im Bert und bereitete unser Abendessen vor. Genauso unerschrocken wie Chris waren auch zahlreiche Kaninchen, die Gräser mümmelnd über die Wiese hoppelten. 

Übernachtung: Poolewe Firemore Sands Campsite, 5 Pfund

Mittwoch, 17.05.2017
7. Tag

Der Sturm hatte uns fast die ganze Nacht gebeutelt und leider ließ er auch am Morgen nicht nach.
Dafür war der Sonnenaufgang echt atemberaubend. Unter einer dichten Wolkendecke kam kurz die Sonne heraus und tauchte den Strand in die schönsten Farben. Wow, da hatte sich das frühe Aufstehen wieder einmal gelohnt.
Unterwegs machten wir noch einen Abstecher zu den Victoria Falls, die jedoch neben dem Namen nur wenig mit ihren Schwestern in Afrika gleich haben. Ein kurzer Weg führte uns zu dem Wasserfall, der über eine Felsplatte und einige Felsbrocken in die Tiefe stürzt. Um 7.00 Uhr morgens waren wir noch ganz alleine unterwegs.
Kurz darauf hatte sich das schöne Wetter verkrümelt und dicke Regenwolken begleiteten uns auf unserem Weg nach Applecross.

Über eine schöne Küstenstraße entlang des Loch Torridon, wo wir immer wieder herrliche Ausblicke genossen, fuhren wir dem kleinen Applecross entgegen. Diese Halbinsel war bis ins frühe 20. Jahrhundert nur mit dem Boot erreichbar. Zuerst wurde die Passstraße über den Bealach na Bà (Gälisch für „Vieh-Pass“) gebaut. Dieser Bergpass ist eine einspurige Straße mit engen Haarnadelkurven und einer Steigung bis zu 20 % und viel später entstand erst die Küstenstraße, auf der wir unterwegs waren. Wir hielten kurz an einer Fischräucherei, doch leider war sie noch geschlossen und niemand wusste, ob sie noch öffnet.

In Applecross, das eigentlich Shore Street heißt, sahen wir unsere erste große Highlandrinderherde. Leider war es so dunkel, dass sich ein Halt nicht lohnte. Wir fuhren in den kleinen Ort und stellten uns auf den Parkplatz am Ortseingang. Hier gingen wir etwas spazieren und landeten im örtlichen Café,  wo wir uns leckeren Kuchen und Kaffee holten. Nebenbei erkundigte Chris sich nach der Befahrbarkeit des Passes für unseren Bert. Der Wirt lachte nur und sagte, da fahren ganz andere Wagen hoch, das ist kein Problem und so nahmen wir den Pass nach einem Stück leckerer Zitronentorte in Angriff. Bis auf zwei enge Kurven, die unser Bert jedoch problemlos meisterte, war der ganze Pass überhaupt kein Problem. Neben uns sahen wir zahlreiche Wohnmobile, die ihn ebenfalls fuhren oder sogar oben übernachteten. Selbst kleinere LKWs kamen uns entgegen. Jeder nahm Rücksicht und es gab zum Glück genug Haltestellen, um den Gegenverkehr passieren zu lassen. Auf dem Pass war sogar auf jeder Straßenseite ein großer Parkplatz. Die Aussicht war fantastisch, wenn doch nur das Wetter besser gewesen wäre. So begnügten wir uns mit einem kurzen fröstelnden Stopp und fuhren weiter. Mitten auf der einspurigen Straße blockierten auf einmal zig Motorräder den Weg. Sie standen kreuz und quer und machten Bilder. Ein Passieren ging überhaupt nicht. So warteten wir, bis sie ihre Bikes aufgeräumt hatten und fuhren weiter den Pass hinab.
Mittags kamen wir am Eilean Donan Castle an, wo es gerade heftig regnete. So nutzten wir die Pause und kundschafteten schon mal die Fotomöglichkeiten aus. Das Castle liegt malerisch auf einer kleinen Landzunge am Loch Duich, die bei Flut zu einer Insel wird. Man kann es nur über eine steinerne Fußgängerbrücke erreichen. Erbaut wurde das Castle 1220. Es ist der Stammsitz des schottischen Clans der MacRaes und wurde lange Zeit von ihnen gegen alle anmarschierenden Armeen verteidigt.
Die Burg war lange Zeit Eigentum der MacKenzies of Kintail, die den Clan MacRea mit der Aufgabe der Burgverwaltung betraute.
Im 16. Jahrhundert soll hier eine besondere Schlacht stattgefunden haben, in der Duncan MacRea mit einem letzten Pfeil die gegnerische Armee Ihres Anführers beraubte und damit die Eroberung der Burg verhinderte.
Um 1700 wurde das Castle von englischen Fregatten zerstört, nachdem sie von spanischen Truppen eingenommen wurde. Erst im 20. Jahrhundert wurde das Towerhouse von einem späteren Nachfahren der MacRea wieder aufgebaut. Dabei entstand auch die steinerne Brücke.

Auf dem geräumigen Schlossparkplatz machten wir erst einmal Brotzeit. So kurz und heftig der Regen war, so schnell hatte der Wind die Wolken fortgeblasen und die Sonne kam heraus.
Danach schauten wir uns das Schloss genauer an. Chris wollte unbedingt hinein und so kauften wir im Visitorcenter zwei Karten. Bei Nieselregen gingen wir über die schöne Brücke und erkundeten die Burg erst einmal von außen, ehe wir sie uns von innen anschauten. Im Erdgeschoß befindet sich der Einquartierungssaal mit Tonnengewölbe. Über eine Treppe ging es hinauf in den zweiten Stock in den wappengeschmückten Speisesaal mit Eichendecke und einem Kamin im Stil des 15. Jahrhunderts. Es war klein, aber fein und gefiel uns super gut. Natürlich kannten wir die Kulisse schon aus dem Film „Highlander“ mit Christopher Lambert. Aber auch im James Bond Film „Die Welt ist nicht genug“ spielte es als Hauptquartier des MI6 eine Rolle. Aber es war auch in vielen anderen Filmen wie „Elizabeth – Das goldene Königreich“, „Braveheart“, „Prinz Eisenherz“ und mehr zu sehen.
Da das Wetter relativ schlecht war, beschlossen wir weiter zu zwei in der Nähe befindlichen Brochs zu fahren, die wir uns unbedingt anschauen wollten. Dazu mussten wir jedoch zuerst an den 5 Sisters of Kintail vorbei und schraubten uns wieder einmal in die Berge hinauf.
Oberhalb des Ortes Ratagan gab es eine große Aussichtsplattform. Hier stoppten wir und hatten wunderbaren Ausblick über das Loch Duich und die majestätischen Gipfel der 5 Sisters of Kintail. Mittlerweile kam auch die Sonne ein wenig heraus und es hatte sich tief unter uns ein toller Regenbogen gebildet.
Durch schöne Berglandschaft und weiter mitten durch die Felder kamen wir zu den zwei Brochs. Hierbei handelt es sich um fensterlose Wohntürme aus der Eisenzeit. Beide Brochs Dun Troddan und Dun Telve liegen nah beieinander und sind sehr gut erhalten. Sie befinden sich ein paar Kilometer südöstlich des Dorfes Glenelg.
Zuerst besichtigten wir den hinteren Turm Dun Trodan. Er besteht aus massiven Steinen. Der Eingang zum Turm liegt im Südwesten. Hier befindet sich eine lange Wächterzelle und ein  Absatz als Türanschlag. Sein Außendurchmesser beträgt über 16 m bei einer Wandstärke von ca. 3,5 m und einem Innendurchmesser von etwa 8,6 m. Im Innenraum befindet sich ein weiterer Zugang. Hierbei handelt es sich um eine Nische mit außermittigem Zugang und einer im Uhrzeigersinn nach oben ansteigende Treppe. Fasziniert und begeistert kletterten wir in den Wänden herum und fragten uns, wie die Menschen hier einmal gewohnt haben. Bestimmt war es eisig kalt im Winter und alles andere als gemütlich.
Danach fuhren wir einen Kilometer zurück zum Broch Dun Telve, der noch größer und genauso gut erhalten ist. Auch ihn erkundeten wir ausgiebig, ehe wir uns auf den Rückweg zum Castle machten.

Wir fuhren noch zu einem schönen Aussichtspunkt hoch über dem Loch Duich und wanderten noch etwas, bis wir eine schöne Aussicht auf die Landschaft der Highlands hatten.
Zurück am Castle entdeckten wir die deutsche Bäckerei „Manuelas Wee Bakery“, wo wir uns mit leckeren Semmeln und Brot eindeckten. Gleich nebenan war ein kleiner relativ günstiger Campingplatz, wo wir unser Wasser auffüllten und für die Nacht reservierten. Es war recht gut hier, bis auf die Duschen, die so klein und eng waren, dass man sich draußen wieder anziehen musste, da man innen nichts ablegen konnte.
Zum Abend fuhren wir noch einmal zum Castle, doch diesmal blieben wir gleich auf der gegenüberliegenden Seite, in der Hoffnung, dass die Sonne noch einmal durch die Wolken käme und die Burg beleuchtet. Doch leider warteten wir vergebens. Dicke Wolken hingen wie festgeklebt am Horizont, darum beschlossen wir direkt zum Castle zu fahren und dort die blaue Stunde und den Sonnenuntergang abzuwarten. Wir liefen an der Burg entlang und machten immer wieder ein paar Bilder. Gerade als wir beide nicht fotografierten, weil die Kamera auf Grund von Belichtungsreihen rechnete, kam die Sonne raus und ein alter Militärflieger flog direkt über das Castle mit lautem Gebrumme. Das wäre ein Traumbild geworden. Doch keiner von uns hatte es erwischt. So standen wir mit offenen Mündern fassungslos am Castle und trauten unseren Augen kaum. Leider kam der Flieger nicht noch einmal zurück und so war die Chance vertan. Es wurde trotzdem noch eine schöne Gegenlichtstimmung und die blaue Stunde war einfach nur wunderschön. Zum Glück kam ab 22.00 Uhr auch die Flut und das Castle leuchtete angestrahlt im Wasser.

Kurz vor Mitternacht rissen wir uns von dieser traumhaften Szenerie los und fuhren zum Campingplatz. Da die Einfahrt nur sehr schmal war und die Beschilderung auch nicht sehr gut zu sehen war, bog Chris zu früh ab und wir standen auf einmal mitten vor einem Haus. Ups, wenden und wieder zurück, dann waren wir richtig und konnten endlich zu Bett gehen.

Übernachtung: Campsite Dornie, 14 Pfund
Donnerstag, 18.05.2017
8. Tag

Chris stand an diesem Morgen schon sehr früh auf und fuhr Bert zum Castle, während ich noch schlief. Ich war so müde, dass ich mich nicht rührte und einfach weiter schlief, während er auf einen schönen Sonnenaufgang hoffte. Doch leider waren aus den dichten weißen Wolken, graue geworden und es regnete sogar leicht.
Gegen 6.00 Uhr weckte mich dann ein frischer Kaffeeduft und lockte mich aus dem Bett. Wir frühstückten und gingen dann noch einmal am Castle entlang. Mittlerweile hatten sich die Wolken etwas verzogen und es kam sogar ein wenig Sonne raus. Doch sofort regnete es wieder. Natürlich bildete sich ein toller Regenbogen und der lag genau über dem Castle.
Natürlich fuhren wir auch an diesem Morgen noch einmal zu Manuelas Wee Bäckerei und deckten uns für die nächste Zeit mit Brot und Kuchen ein. Sie füllte gerade frischen Brotteig in Formen ab, der zum Gehen in den Ofen kam. Andere Köstlichkeiten waren schon fertig und es duftete sooo lecker. Am liebsten hätten wir noch viel mehr gekauft, aber auch so gingen wir mit mehreren Tüten zurück zum Camper. Zum Glück hatten wir ja ein Tiefkühlfach, das wir jetzt mit Brot füllten.
Um ca. 9.00 Uhr waren kamen wir in Kyle of Lochalsh an und suchten den Weg zur Aussichtsplattform auf die Brücke. Wir fanden sozusagen einen anderen Weg und parkten Bert im Ort. Den kurzen Weg auf „The Plock“ gingen wir zu Fuß und konnten endlich auf die Brücke hinab schauen, die die Insel Skye mit dem Festland verbindet. Sie führt über das Westende von Loch Alsh nach Kyleakin auf Skye. Hier ist Loch Alsh nur ca. 400 Meter breit.

Dann fuhren wir über die Brück und schauten von Kyleakin noch einmal zurück.
Unser erstes Ziel auf Skye war Sligachan. Die Strecke dorthin war sehr schön. Unterwegs kauften wir noch im Supermarkt ein. Leider wurden die Wolken immer dramatischer und gerade als wir in Sligachan ankamen, fing es an zu schütten. Doch noch viel schlimmer waren die Menschenmassen, die sich hier tummelten. Es war schon schwer einen Parkplatz zu bekommen und das trotz Regen, aber ein Bild von der Brücke mit den Black Cuillins Bergen im Hintergrund war ohne Menschen nicht machbar. Gleich neben der Brücke steht das Sligachan Hotel, ebenfalls ein Touristentummelplatz. Von hier aus kann man Wanderungen in die felsige Gebirgslandschaft der Black Cuillins machen und den Fluss entlang bis zu den Fairy Pools wandern. Was die meisten Touristen hier hammerhart durchzogen. Wir versuchten unser Glück, bei Wind und im strömenden Regen ein paar Bilder zu machen, aber gaben schnell wieder auf und kehrten leicht nass zu unserem Bert zurück. Auch bei den Fairy Pools - unserem nächsten Stopp - war es der blanke Horror. Es war absolut kein Parkplatz zu bekommen und Hunderte von Menschen wanderten in Regenkleidung den Fluss entlang. Es sah fast wie eine Massenwanderung aus. Wir merkten, dass wir hier unsere Zeiten ändern mussten und waren anfangs absolut enttäuscht von Skye. Zu wenig Natur für all die Menschen. Doch zum Glück nahmen wir uns die Zeit Skye kennen und lieben zu lernen, denn es wäre wirklich schade gewesen, enttäuscht wieder abzufahren.

So schauten wir uns erst einmal die Talisker Bay an. Wir parkten unser Auto und wanderten zu der kleinen schönen Bucht, zu der ein ca. 2 km langer Weg führte. Vorbei ging es an saftigen Wiesen und vielen Schafen, die fast alle Junge hatten. Es war absolut nett, wie die Kleinen voller Lebensfreude durch das Gras hüpften immer unter den wachsamen Blicken ihrer Mütter. Die Bucht war wirklich schön. Es war zwar stark bewölkt, aber hin und wieder kam die Sonne durch und beleuchtete die Landschaft. Hier war es gleich viel ruhiger und wir kamen so langsam auf Skye an. Die Wellen brachen sich auf dem steinigen Strand und am Ende der Bucht stand ein schöner Felsen im Wasser. Nur ein paar wenige Menschen waren mit uns da und schon fühlten wir uns etwas wohler.

Ab Mittag wurde das Wetter noch schöner und wir entschlossen uns, das Dunvegan Castle, den Stammsitz, der 800 Jahre lang auch Wohnsitz des schottischen Clans der MacLeods war, anzuschauen.
Dunvegan Castle ist das älteste durchgängig bewohnte Schloss in Schottland. Es wurde mehrfach um- und neugebaut.
In der viktorianischen Zeit wurde ein großer, sehenswerter Park angelegt, an den ein riesiges Waldgebiet anschließt. Durch den Park führt ein Weg zu einer kleinen Anlegestelle, von wo aus man Ausflüge zu einer Robbenkolonie machen kann. Diesen Weg gingen wir zuerst, denn wir wollten unbedingt die schöne Rückseite betrachten, von der aus das Schloss sehr viel erhabener erscheint als von vorne. Außerdem hatten wir gerade etwas Sonnenschein und den mussten wir nutzen. So umwanderten wir das Schloss und betrachteten es von außen. Erst danach gingen wir auch hinein und spazierten durch die schönen Räume. Alles roch noch neu und nach Farbe und es wurden auch noch einige Räume renoviert. Besonders gut gefiel uns ein wunderschönes Löwenportrait. Endlich mal kein erlegtes Tier sondern das Bild eines stattlichen Löwen.

Doch an diesem Tag wollten wir es noch wissen, denn wir beschlossen zum Neist Point zu fahren. Hierbei handelt es sich um eine kleine Halbinsel, mit einer charakteristischen Form, die mit ihrem Leuchtturm den westlichsten Punkt der Insel Skye markiert. Sie ist natürlich einer der wichtigsten Touristenpunkte. Aber das Wetter war einfach zu gut, um es aufzuschieben und so scheuchten wir Bert über eine enge, steinige Single Track Road, die sich schier endlos zog, bis zum Neist Point.
Natürlich war es hier entsprechend voll und die Autos stapelten sich. Doch wir hatten Glück und ergatterten einen Parkplatz am Seitenrand der Straße. Von hier aus wanderten wir bis zur Steilküste, von der wir einen guten Blick auf die Halbinsel und den Leuchtturm hatten. Es wehte ein strammer eiskalter Wind und wir kühlten trotz Sonne schnell aus.
Am Abend gingen wir durchgefroren zum Camper zurück, wo ich Spagetti Bolognese kochte, während der Wind am Camper zerrte. Danach legte ich mich etwas schlafen, doch Chris musste noch einmal los zum Fotografieren. Um ca. 20.00 Uhr ging auch ich aufgewärmt los zur Steilküste, um die Halbinsel im letzten Licht zu fotografieren. Chris war mittlerweile ganz schön ausgekühlt.
Über dem Neist Point war fast kein Wölkchen, während  sich viele Wolken in Richtung Sonne schoben. Ab und zu schaute die Sonne hindurch und es lag eine tolle Stimmung über dem Meer, aber leider verschwand sie sehr schnell hinter einer dicken Wolkenschicht am Horizont, so dass uns das letzte Licht verwehrt blieb.

Wir gingen zu unserem Camper zurück und beschlossen noch zum Old Man of Storr Parkplatz zu fahren, da am nächsten Morgen das Wetter gut sein sollte und wir die Wanderung machen wollten. So kurvten wir auf einsamen Single Track Roads einmal quer durch Skye. Zum Glück war zu dieser Zeit fast kein Verkehr mehr. Nur auf die Schafe mussten wir verstärkt achten, da sie sich gerne auf den angewärmten Teerbelag der Straßen legten.

Übernachtung: Old Man of Storr Parkplatz, kostenlos
Freitag, 19.05.2017
9. Tag

Auf dem Parkplatz standen wir ganz alleine und schliefen ruhig, bis uns der Wecker aus dem kurzen Schlaf holte. Chris warf sogleich einen Blick aus dem Fenster und meinte: „Es schaut gut aus.“ Einen kurzen Moment machte ich die Augen wieder zu und dachte: „Prima es regnet, ich kann weiter schlafen.“ Aber natürlich war dem nicht so, denn es war fast kein Wölkchen am Himmel. So quälte ich mich nach ca. 3,5 Stunden Schlaf aus dem Bett und wir machten uns auf den Weg. Es ging gleich ziemlich knackig los und der Weg wurde immer steiler. Zum Glück sah man schon etwas und so brauchten wir keine Stirnlampen. Über Wiesen ging es bergauf bis zum Endspurt, wo wir auf ungleichförmigen Erdstufen den Berg erkletterten. Das war bei Regen ganz bestimmt kein Spaß!
Wir brauchten fast eine Stunde, doch dann hatten wir es geschafft und standen bei toller Rundumsicht auf dem Gipfel mit Blick auf den Old Man of Storr, eine 48 Meter hohe Felsnadel, deren Name aus dem Altnordischen stammt und Groß bzw. Gipfel bedeutet. Aber der Old Man steht nicht alleine, denn um ihn herum befinden sich weitere Felsnadeln, die auch als seine Familie bezeichnet werden. Dahinter befindet sich eine gigantische Abbruchkante, die wie eine Mauer zu seinem Schutz wirkt.
Hier wurden schon einige Filme gedreht wie z.B. der Science-Fiction-Film „Prometheus – Dunkle Zeichen“ und der Fantasyfilm „Snow White and the Huntsman“. Es war aber auch schön hier und diese Kulisse ist einfach unwirklich gigantisch und zugleich einzigartig mit einem hohen Wiedererkennungswert. Links neben dem Old Man leuchtete das Wasser einiger Seen und das Meer glänzte in der Dämmerung. Doch die wahre Schönheit lag hinter uns, denn die Wolken über der Sonne verfärbten sich pink und es leuchtete wunderschön. Wir wussten gar nicht, was wir zuerst fotografieren sollten und so wanderten wir hin und her bis die Sonne aufging. Leider war der Wind eisig und schon bald zitterten wir vor Kälte. War uns anfangs noch warm vom Aufstieg, hatten wir schon bald alles an, was wir dabei hatten.
Ein besonderes Schauspiel war es, als die Sonne aufging und die Felsnadeln im ersten Licht rot leuchteten. Das Licht war so weich und ließ die Landschaft vor uns erstrahlen. Was für ein Anblick! Dafür hatte es sich wirklich gelohnt, so früh aufzustehen und hier hoch zu klettern.
Wir blieben solange, bis ich es vor Kälte nicht mehr aushielt und mich an den Abstieg machte. Als wir gingen kam ein weiteres Paar den Berg hinauf, ansonsten waren wir ganz alleine, aber wen wundert es bei der Uhrzeit. Wir verweilten noch rings um den Old Man und seiner Familie, dann gingen wir die Stufen wieder ganz hinab. Als wir fast unten waren, zogen Wolken heran und verhüllten die Felsnadeln stellenweise. Schade, denn das hätten wir gerne von oben gesehen, aber wir konnten uns nicht aufraffen, den Berghang noch einmal zu besteigen und so machten wir nur ein paar Bilder von unten.
Über die moorigen Wiesen ging es weiter steil bergab. An einem Gatter blökte dann ganz jämmerlich ein Lamm und lief aufgeregt am Zaun entlang. Die Mutter stand aufgeregt blökend auf der anderen Seite des Zauns. Was für ein Drama! Immer wieder versuchte das Lamm, durch den Zaun zu kommen, aber die Maschen waren einfach zu eng. Wir schätzten kurz die Lage ein, dann gab Chris mir die Fototasche und umrundete das Lamm vorsichtig in einem weiten Bogen. Als er es geschafft hatte, trieb er es langsam auf mich zu. Als sie etwas näher waren, machte ich das Tor auf und einer glücklichen Widervereinigung von Mutter und Lamm stand eigentlich nichts mehr im Wege, als das Lamm auf einmal verschwand. Gerade hatte es noch laut gerufen und jetzt war Totenstille. Die Mutter drehte fast durch und schoss jetzt auch noch durch das Tor. Doch nichts. Genauso schnell lief sie zum Glück wieder zurück und rief weiter nach dem Kleinen. Das konnte doch nicht wahr sein. Wir gingen nun beide am Zaun entlang bis zu der Stelle, wo das Lamm verschwunden war. Hier klärte sich das Rätsel, denn das Kleine war in ein Moorloch gefallen, das kreisrund und fast nicht zu sehen, direkt neben dem Zaun war. Bis zum Hals steckte das Kleine fest im Moor und sagte keinen Ton mehr. Was nun? Chris krempelte sich die Ärmel etwas hoch und griff beherzt hinein. Schnell hatte er das kleine Schäfchen aus dem Schlamm gezogen und trug es auf die andere Seite. Dort ließ er es los und es rannte laut blökend zu seiner verstörten Mutter, die es erst einmal nicht erkannte, denn es roch sicher anders und auch die Fellfarbe war nun braun und nicht mehr weiß. Doch etwas später sahen wir die zwei wieder vereint und ein zweites Lamm hatte sich dazugesellt. Ende gut alles gut.

Zufrieden gingen wir zu Bert zurück. Unser nächstes Ziel an diesem Morgen waren die Mealt oder Kilt Falls. Ein wunderschöner Wasserfall, der Ausgang des gleichnamigen Loch Mealt, der über eine steile Felswand direkt ins Meer läuft.
Dahinter sieht man den Kilt Rock. Wie Säulen ragt das Gestein nach oben. Bedingt durch unterschiedliche Schichten bildete sich eine Art kariertes Muster, das dem Felsen seinen Namen gab.
Auf dem Parkplatz standen etliche Camper, die an diesem Morgen noch schliefen. So gingen wir leise zu der Plattform und schauten die Steilküste hinab. Schade, denn durch den fehlenden Regen der letzten Zeit, tröpfelte nur ein Rinnsal die Felsen hinab. Wir waren so enttäuscht, dass wir nicht einmal ein Bild von dem tollen Felsen machten, so sehr hatten wir uns auf diesem einmalig schönen Wasserfall gefreut.
Da es noch sehr früh am Morgen war und die Sonne herrlich vom Himmel lachte, fuhren wir weiter zum Quiraing, eine einmalig schöne und bizarre Felslandschaft, deren Name aus dem Altnordischen stammt und Gerundete Falte bedeutet. Denn durch Erdrutsche entstand in Nord-Süd-Richtung eine deutlich sichtbare, nach Osten abfallende Abbruchkante mit außergewöhnlichen Felsstrukturen.
Auch diese Landschaft taucht immer wieder in Spielfilmen auf. So entstanden auch hier Szenen bekannter Filme wie „Snow White and the Huntsman“, „Macbeth“ oder „King Arthur“, der 2017 in die Kinos kam.
Diese Landschaft war einfach atemberaubend. Wir fuhren vom Meer aus auf die Abbruchkante zu. Die Straße wand sich in Kurven bis auf Höhe der Abbruchkante hinauf, wo wir einen Parkplatz erreichten. Von hier aus führen Wanderwege durch das Felslabyrinth. Wir schnappten unsere Kameras und gingen sofort los, denn das Licht war einfach zu schön. Wir wanderten auf einem schmalen Weg in Richtung „The Prison“, eine massive, einer mittelalterlichen Festung ähnelnde Felsformation und genossen das schöne Wetter. So drehten wir eine schöne Runde mit herrlicher Aussicht. Schafe weideten überall und ihr Blöken schallte durch die Wiesen.
Nach einer anstrengenden Runde kamen wir ca. um 11.00 Uhr wieder an unserem Camper an. Mittlerweile hatte sich der Parkplatz gefüllt und immer noch kamen wanderbegeisterte Touristen hier an. Wir frühstückten erst einmal genüsslich mit Aussicht. Wir waren rundum zufrieden und hatten schon gut 13 km Wanderungen hinter uns, da schmeckten die Lachssemmeln gleich noch besser.

Mittags fuhren wir zur Staffin Bay, einer schöne Bucht mit Blick auf die Abbruchkante.
Wir hielten auch noch am Duntulm Castle, einer mittelalterlichen Ruine am Meer, die im 14. Jahrhundert vom Clan MacDonald of Sleat als Wehranlage errichtet wurde. Die Ruine ist jedoch abgezäunt und sollte nicht mehr betreten werden, da die Reste der Außenmauern mitsamt den Klippen ins Meer stürzen könnten. Auch hier machten wir noch einen kleinen Spaziergang bis zur Ruine und über die Wiesen, vorbei an weidenden Schafen, zurück zu unserem Auto. Mittlerweile war ich so müde, dass ich beim besten Willen die Augen nicht mehr offen halten konnte. Immer wieder fiel ich in Sekundenschlaf und erwachte mit Herzklopfen, wenn mein Kopf nach vorne fiel. Das war furchtbar anstrengend. Zum Glück ging es Chris ähnlich, so hielt er in einer Parkbucht an und wir legten uns für zwei Stunden ins Bett und schliefen.
In dem Dorf Uig, das sich in einer geschützten Bucht nahe dem Nordende von Skye befindet, starten Fähren in die Äußeren Hebriden und in den Süden von Skye. Doch wir wollten uns nur den Ort anschauen. Chris entdeckte den Shop der Skye Brauerei, wo es auch Kaffee geben sollte. Also nichts wie rein. Während er das Biersortiment studierte und gesmoktes Bier kaufte, erbeutete ich zwei Kaffee und wir waren beide zufrieden.

Danach schauten wir noch Fairy Glen mit dem Castle Ewen an. Das ist jedoch, wie der Name vermuten lässt, keine Burg, sondern ein hoch aufragender Felsen mitten im Tal. Seine Ähnlichkeit mit einem Wachturm oder einem Broch ist jedoch verblüffend. Über einem kleinen, schmalen Weg kann man ihn sogar erklimmen. Doch der Aufstieg war mir dann zu eng, so dass ich lieber wartete und schöne Landschaft genoss, während Chris den Felsen eroberte. Unten lagen Felskreise. Es war eine tolle Landschaft voller grasbewachsener Hügel, verwunschenen Felsen, kleiner Seen, ein Ort voller Magie.

Nach diesem Besuch versuchten wir unser Glück noch einmal bei den Fairy Pools, einem weiteren magischen Ort, von dem es in einer Sage heißt, dass hier Feen leben. Sie befinden sich am Fuße der Black Cuillins in der Gegend um Coire na Creiche. Über einen schönen Weg geht man entlang der kleinen und größeren Wasserfälle, an Kaskaden und Pools vorbei mit Blick auf die zerklüfteten Gipfel der Berge. Diesmal hatten wir Glück, denn um ca. 18.00 Uhr war der Parkplatz fast leer und nur noch einige wenige Menschen unterwegs. Chris war in seinem Element und versuchte jeden Wasserfall aufs Bild zu bannen, während ich etwas umherwanderte und die Gegend genoss. Schafe weideten auf den Wiesen rings um uns herum und das Wasser rauschte und plätscherte herrlich. Mittlerweile hatte es zwar etwas zugezogen, aber das war genau das richtige Wetter für diese kurze Wanderung voller Fotomotive.
Hier verbrachten wir drei kurzweilige Stunden, während die Sonne langsam hinter den Bergen verschwand.

Um ca. 21.00 Uhr waren wir zurück auf dem Parkplatz und fuhren wieder einmal quer über die Insel bis zurück auf den Parkplatz von Quiraing, wo wir die Nacht verbringen wollten. Wir brauchten ca. 1,5 Stunden bis wir dort waren. Wieder hatten wir die Straße für uns alleine und genossen die Fahrt in der Dämmerung. Ein langer anstrengender Tag voller mystischer Orte lag hinter uns und wir waren schon gespannt, was der nächste Tag uns bringen würde.

Übernachtung: Parkplatz Quiraing, kostenlos

Samstag, 20.05.2017
10. Tag

Als wir aufwachten, plätscherte leicht der Regen auf unseren Camper. Hm, auch nicht schlecht, dachte ich und drehte mich noch einmal um. Wir schliefen bis 8.00 Uhr und hatten nichts verpasst. So gab es erst einmal ein deftiges Frühstück. Speck brutzelte in der Pfanne und Eier gesellten sich dazu. Es duftete verführerisch. Genau das Richtige an so einem regnerischen Tag.

Die Wolken hingen so tief, dass wir bei einer kurzen Wanderung im Nebel mit leichten Nieselregen liefen. Wir machten schnell ein paar Bilder, ehe wir wieder in unseren Bert flüchteten.

In Uis kaufte Chris noch einmal das interessante Rauchbier nach, denn das hatten wir in keinem Supermarkt gesehen. Dann hielten wir in Portree, der einzigen Stadt auf der Insel Skye. Wir liefen ein wenig durch den Ort, aber das Wetter wurde immer schlechter. So füllten wir schnell im Coop  unsere Vorräte auf und fuhren weiter zur Talisker Destillerie. Sie wurde 1831 von den Gebrüdern Hugh und Kenneth MacAskill in dem Ort Carbost am Ufer des Loch Harport errichtet. Nach dem Tod der Brüder machte sie einige Besitzerwechsel durch und gehört heute zum Spirituosenkonzern Diageo. Hier wird ein doppelt destillierter Single-Malt-Whisky hergestellt. Das verwendete Malz ist äußerst torfig. Das Wasser stammt aus 14 verschiedenen Quellen und fließt ebenfalls über Torf, was den Geschmack weiter intensiviert.
Das wollten wir uns natürlich anschauen, aber den Gedanken hatten leider auch noch zig andere Touristen bei diesem Wetter. Während Chris einen Parkplatz für unseren Camper suchte, ging ich schon mal in das Besucherzentrum und stellte mich an die Schlange an. Leider war für die nächste Führung nichts mehr frei. So entschieden wir uns für die Führung um 14.15 Uhr. Die ca. 1,5 Stunden bis dahin verbrachten wir am Pier des kleinen Hafens, wo wir Mittag machten und dem schnellen Vorbeiziehen der Wolken zuschauten.

Die Führung war gut, wenn auch der Bursche sehr schnell redete und vom Slang her kaum zu verstehen war. Aber zum Glück war alles noch einmal auf Tafeln erklärt. Bei der Verkostung am Ende der Führung stand für Chris fest, dass er den rauchigen Talisker Storm mag und so kaufte er eine Flasche. Ich bekam eine kleine mildere und für mich leckere Clynelish Flasche. Die Destillieren arbeiten zusammen und lagern auch in ihren Warehouses jeweils Fässer ihres Whiskys ein. Es kam nämlich schon vor, dass ein Warenhaus mit dem gesamten Whisky einer Brennerei abgebrannt ist und dem wurde natürlich vorgebeugt.

Das Wetter war natürlich auch optimal für die Brücke von Sligachan und so versuchten wir ein weiteres Mal, die Brücke mit den Black Cuillins Bergen im Hintergrund zu fotografieren. Die Wolken hingen tief und das Wetter war wirklich nicht zum Wandern. Trotzdem waren einige Wagemutige unterwegs, aber diesmal schien uns das Glück hold zu sein, denn die Brücke war frei. Also nichts wie hin und aufgebaut. Genau in diesem Moment kamen zwei Reisebusse angefahren und spuckten Massen an Leuten aus. Der Reiseführer ging mit ihnen ans Wasser und tauchte seinen Kopf ein. Dieses Ritual musste jetzt jeder einzeln nachmachen. Wir standen mit schussbereiten Kameras und schauten fassungslos auf die Massen. Was war denn das schon wieder?! Der Strom der Tauflustigen nahm nicht ab, so bauten wir wieder ab und fuhren weiter. Ein paar Schüsse hatten wir zum Glück schon gemacht und so grinsten wir eher, als das wir uns ärgerten.
Wir beschlossen uns den beliebten Strand von Elgol anzuschauen. Das Wetter war zwar nicht optimal, aber es wurde langsam etwas besser. Auf dem Weg dahin hielten wir noch an der tollen fotogenen Kirchenruine Cill Chrisod. Die kleine Kirche wurde bereits 1505 zum ersten Mal erwähnt, als ein gewisser Kaplan Kenneth Adamson hier den Platz seines Vorgängers John MacGillivray einnahm. Ab diesem Zeitpunkt wurde über die Pastoren Buch geführt. Im Jahre 1840 wurde in Broadforrd eine neue Kirche erbaut und die Kirche von Cill Chriosd verwaiste und verfiel allmählich.

Diese Ruine steht vor der fotogenen Kulisse der Berge. Sehr alte Grabsteine vom Wetter und Regen in die unterschiedlichsten Positionen und Himmelsrichtungen gedrückt und dazu tief hängenden dunkle Wolken zauberten eine einmalig schöne Atmosphäre. Einzig die unzähligen Hinterlassenschaften der Schafe, die hier vor kurzem geweidet hatten, machten es einem schwer, verträumt durch die Gräber zu wandern und die Inschriften zu entziffern.

Als wir uns langsam dem schönen Strand von Elgol näherten, liefen uns ein paar Schafe mit Jungen fotogen vor die Linse und Chris meinte lapidar: „Jetzt noch ein paar Highlands, dann wäre ich zufrieden.“ Als wir um die nächste Kurve fuhren, trauten wir unseren Augen kaum, denn vor uns lagen mehrere Highland Bullen ohne Zaun direkt am Wegesrand. Manchmal klappt das bei Chris - warum auch immer. Er wünscht sich was oder braucht ganz dringend etwas und wir finden es. So auch hier. Begeistert parkten wir unser Auto und näherten uns vorsichtig den Kolossen. Die waren jedoch total entspannt, beäugen uns durch ihre Ponyfransen und käuen wider. Irgendwann gab der Leitbulle ein für uns unsichtbares Zeichen und einer nach dem anderen erhob sich. Sie wanderten an uns vorbei und zogen einen Hügel hinauf. Der letzte Bulle ließ sich Zeit, ehe er langsam den anderen hinterhertrottete. Dabei kam er unserem Bert etwas zu nah und sein Horn stieß gegen das Auto. Bei dem Geräusch zuckten wir zusammen, aber zum Glück war nichts passiert. Was für ein Anblick von diesen gigantischen Tieren.
Zufrieden näherten wir uns Elgol und parkten Bert auf dem Parkplatz am Hafen. Hier erwartete uns eine Bucht mit einem schönen Steinstrand und total zerklüfteten Felsen, umrahmt von den Bergen der Black Cuillins. Während Chris über schlüpfrige Steine nahe ans Wasser ging, kletterte ich etwas am Strand herum und erklomm einen schöne Wiese mit Wildblumen. Sogar die Sonne kam etwas heraus und machte sich wunderbar vor den dunklen Regenwolken, die an den Bergen hingen.
Zurück im Camper kochten wir Tortellini mit Gorgonzolasoße und genossen dazu diesen herrlichen Ausblick. Um ca. 20.45 Uhr waren wir der Meinung, dass es die Sonne nicht mehr schaffen würde, die dichten Wolken zu vertreiben und fuhren zu unserem altbewährten Übernachtungsplatz am Quiraing, den wir um ca. 22.45 Uhr erreichten.

Übernachtung: Parkplatz Quiraing, kostenlos

Sonntag 21.05.2017
11. Tag

Chris weckte mich mit einem begeisterten: „Jackpot“. Ganz kurz dachte ich: ‚Ja liegen bleiben‘, aber nur ganz kurz, denn schon herrschte rege Geschäftigkeit und das nach einer kurzen Nacht um 4.00 Uhr morgens. Müde quälte ich mich aus dem schlafwarmen Bett, schlüpfte in meine Klamotten und folgte Chris, der schon begeistert loslief. Dunkle Wolken lagen über der Landschaft, aber genau an der Sonnenaufgangsseite war kein Wölkchen am Himmel. Das könnte interessant werden. Sofort war die Müdigkeit vergessen und wir wanderten los.

Als die Sonne herauskam, waren wir inmitten der wunderschönen Landschaft. Schafe liefen um uns herum und das erste rötliche Licht verfärbte die Hügel. Was für ein traumhafter Morgen! Das Gras war noch feucht und es roch so frisch. Der Quiraing ist für mich einer der schönsten Orte überhaupt und er wanderte in mein Herz zu all meinen Traumplätzen, die ich so liebe, wie die Weite der Kalahari in Botswana, die roten Sanddünen des Sossusvleis in Namibia, die Traumkulisse der Torres del Paine in Chile, Schwabacher Landing in den Tetons, die Geysire des Yellowstones, der Icefield Parkway in Kanada oder die Traumkulisse des Mount Denali in Alaska und viele andere Orte, die fest in meinem Inneren gespeichert sind und ab und an vor meinem geistigen Auge auftauchen und mir den Tag versüßen. So auch diese Kulisse inmitten der morgendlichen Kälte. Doch so schön es auch war, so schnell wurden die Wolken dichter und es zog langsam aber sicher zu. Dafür starteten immer mehr Wanderer und als wir zu unserem Bert zurückkamen, war der Parkplatz randvoll. Wir waren zufrieden mit unserer schönen Morgenwanderung und dem herrlichen Sonnenaufgang.

Wir fuhren runter zur Staffin Bay, wo wir erst einmal ausgiebig frühstückten. Trotz des mittlerweile stark bewölkten Wetters zog es uns an den Strand, denn auf den schwarzen Steinen leuchtete das Seegras fast schon giftgrün. Wir machten gerade ein paar Bilder, als eine kleine Reisegruppe kam und der Guide mit dem Fuß etwas Wasser von den Steinen wischte. Als wir genauer hinsahen, kamen dort Dinosaurierspuren zum Vorschein. Wow, was für ein Zeugnis einer lang vergangenen Ära.

Aber auch der Rest der Bucht ist sehr schön und fotogen, denn die Abbruchtaste von Quiraing erhebt sich deutlich im Hintergrund. Also brachten wir die Kamera in Position, als genau in diesem Moment 10 Leute in Neoprenanzügen mitten durchs Bild liefen und sich todesmutig in die kalten Fluten stürzten und das bei einem eiskalten heftigen Wind. Wieder einmal standen wir fassungslos mit offenen Mündern herum und fragten uns:‘ warum kommen die gerade jetzt und wo kommen die nur her??? Doch wir nahmen es mit Humor und zum Glück hielten sich alle nah beieinander auf, so dass wir noch ein paar Bilder machen konnten.

Wir überlegten uns, den Coral Beach anzuschauen. Das Wetter war zwar nicht so toll, aber ein Spaziergang macht ja bei fast jedem Wetter Spaß. Um zum Strand zu kommen, fuhren wir am Parkplatz des Old Man of Storr vorbei. Was war denn hier los? Es nieselte und die Wolken versprachen nichts Gutes und trotzdem war der Parkplatz nebst Seitenstreifen der Straße voll belegt. Da waren gerade Hunderte von Leuten unterwegs. Was für ein Graus! Der Weg war ja wirklich steil und nicht gerade für eine gemütliche Wanderung ausgelegt und dann noch das Wetter dazu…. Wir waren froh, dass wir weiterfahren konnten und dort nicht halten mussten.
Auch in Portree machten wir noch einmal Stopp und wanderten zum Hafen und durch die Straßen.
Am Coral Beach hatten wir wieder ein Problem mit dem Parken, denn alle Parkplätze waren belegt und unser Bert passte nirgends hin. Außerdem war die Wanderung ca. eine Meile lang und es regnete. Okay, darauf verzichteten wir nun auch. Also fuhren wir in Richtung Neist Point und suchten uns eine schöne Parkbucht auf der Straße dorthin. Hier verbrachten wir den Nachmittag. Wir probierten unsere Dusche erfolgreich aus, lasen in unseren Büchern und tranken guten Cappuccino. Hey, das war ja mal richtig Urlaub!
Später fuhren wir noch zum Neist Point vor, aber auch hier versprach das Wetter nichts Gutes und schon gar keinen Sonnenuntergang. Der Wind war wieder eisig und wehte mit voller Kraft, so dass nur Chris einen kleinen Ausflug zur Steilküste machte und fast weggeweht wurde.
So fuhren wir zurück in die Nähe des Old Man of Storr, wo wir in einer Parkbucht am See einen schönen Stellplatz fanden. Der Regen hatte sich zum Glück verzogen und so packte Chris wieder den Grill aus. Wir aßen lecker und blieben noch eine Zeit auf, ehe wir uns in unser Bett zurückzogen.
Davor packten wir noch unseren Wanderrucksack und wollten sehr früh noch einmal den Old Man of Storr besteigen, in der Hoffnung auf eine tolle Lichtstimmung.

Übernachtung: Parkplatz mit Blick auf Old Man of Storr, kostenlos

Montag, 22.05.2017
12. Tag

An diesem Morgen war uns das Glück wieder nicht hold, denn es war stark bewölkt und ein heftiger Wind zerrte an unserem Camper. Es tat zwar gut, liegen bleiben zu können, aber wir wären auch gerne noch einmal zum Old Man gewandert. Doch es sollte nicht sein.
So fuhren wir um ca. 7.30 Uhr zu den Brides Veil Falls, ein schöner verzweigter Wasserfall mit vielen bemoosten Steinen über dem sich der Old Man of Storr erhebt. Bei schönem Wetter kann man hier hübsche Bilder mit den Felsnadeln im Hintergrund machen. Doch an diesem Morgen waren eher Detailaufnahmen gefragt, da das Wetter einfach zu schlecht war. Während Chris fotografierte, machte ich Frühstück und schon bald roch es verführerisch nach frisch gebrühtem Kaffee.
Da die Wettervorhersage alles andere als gut für die nächsten Tage war, beschlossen wir zurück aufs Festland zu fahren. Die Wolken hingen schwer und voller Regen über den Bergen, aber die Stimmung war grandios.

Unterwegs kamen wir wieder an Sligachan vorbei und diesmal waren keine Menschen auf oder an der Brücke. Endlich hatten wir sie für uns alleine und machten noch schnell ein paar Bilder, eher wir weiter fuhren.
Einen weiteren Stopp legten wir noch beim Allt Coire nam Bruadaran Wasserfall ein. Bisher waren wir immer an ihm vorbei gefahren aber heute war das Wetter perfekt für den Wasserfall. Leider war der Weg dorthin alles andere als trocken und schon bald hatten wir leicht nasse Füße. Chris ging das Motiv vor Augen weiter, während ich aufgab und weiter vorne auf ihn wartete.
Diesmal wollten wir nicht über die Skye Brücke, sondern mit der Fähre fahren. Also lenkten wir Bert in Richtung Armadale, von wo aus wir nach Mallaig übersetzen wollten. Die erst Fähre war zwar schon voll, aber ca. eine Stunde später würde die nächste starten. Wir nutzten die Zeit und füllten am Terminal unser Brauchwasser auf. Irgendwie verloren wir Wasser, denn der Brauchwassertank sollte ca. 100 l fassen und wir mussten ihn ohne großen Verbrauch alle paar Tage auffüllen, da die Anzeige innerhalb von 2 Tagen rapide abfiel. Doch vorerst waren wir wieder voll und warteten auf die Fähre. Wir stellten uns schon mal in die vorgesehene Reihe und Chris organisierte uns noch zwei Kaffee, die uns die Wartezeit verkürzten.

 

Der nächste Teil kommt bestimmt!