Schottland 2017

„Wo die Männer Röcke tragen und es mehr Schafe als Menschen gibt“

Unsere Reise führte uns dieses Jahr nicht ganz so weit weg – sehr zum Spott meiner Kollegen, die so nette Dinge, wie: „Pass auf, dass du auch aus dem Flieger steigst“ und ähnliche gute Ratschläge parat hatten.
Doch warum Schottland? Wir trinken weder viel Bier noch Whiskey, haben für die weltbekannten Spezialitäten wie Haggis nicht wirklich etwas übrig und eigentlich genug Regen in Deutschland. Doch unser Freund Horst zeigte uns einen Film seiner Reise nach Schottland, wo er unverschämtes Glück mit dem Wetter hatte und gekonnte die Orte und Landschaften in Szene setzte, so dass auch Chris danach überzeugt war, sich unbedingt dieses Land anschauen zu müssen. Schon auf den Bildern war die Landschaft  und Natur so grandios, dass ich mich auf nichts anderes mehr einlassen wollte und mit der Planung begann.
Außerdem hatten wir immer gesagt, dass wir, wenn wir älter sind auch das europäische Ausland erkunden wollen. Nach der Toskana und dem nördlichen Norwegen (Spitzbergen) war es nun soweit. Der Flieger sollte gerade einmal 2 Stunden brauchen. Das war wirklich sehr kurz für uns, aber auch sehr angenehm, denn diesmal war es uns egal, wie groß der Sitzabstand zum Vordermann ist, welches Programm läuft und auch wie wir uns die Nacht um die Ohren schlagen. Essen bekämen wir eh nicht, denn wir würden mit Easy Jet fliegen, wo man für jedes Extra zahlen muss, aber die uns via Direktflug von München nach Edinburgh bringt.
Des Weiteren wollten wir etwas bequemer reisen, aber trotzdem an den schönsten Plätzen schnell und flexibel sein. So fiel die Wahl des Transportmittels schnell auf einen Camper. Eigentlich sollte es ein VW-Bus werden, doch da wir unsere Reise sehr kurzfristig buchten, hatten wir keine Chance auf ein solches Fahrzeug. Es war sowieso gar nicht so einfach, nur wenige Wochen vor Abflug überhaupt noch einen Camper für drei Wochen zu bekommen. Im Internet waren sie vorhanden, bei Nachfrage war leider alles ausgebucht. Doch dank der netten Mitarbeiterin der Firma Roseisle, die kurzerhand die Buchungen etwas umstellte, bekamen wir noch einen tollen Camper, der zwar etwas groß war, aber dafür sehr komfortabel.
Doch was nimmt man mit nach Schottland? Das nächste Problem waren unsere Taschen. Vorsorglich hatte ich 26 und 29 kg bei Easy Jet gebucht, ehe ich mich ans Packen machte. Das war diesmal wirklich eine Herausforderung, denn neben der ganzen Ausrüstung, ein paar lebensnotwendigen Campingutensilien wie Nutella und Kaffee, Klamotten für warm und kalt, waren diesmal noch unsere Gummistiefel mit an Bord und die waren wirklich groß und schwer. Doch irgendwie meisterte ich die Packherausforderung und hatte sogar noch ein Kilo Luft, während die Taschen aus allen Nähten zu platzen drohten.
Der Abreisetermin rückte immer näher doch diesmal blieb die Aufregung aus, dafür machte sich Vorfreude breit auf ein neues Land, das nicht weit weg ist und doch so viel  zu bieten hat, wo die Berge Ben heißen und die Seen Lochs, wo die Männer Röcke tragen und es mehr Schafe als Menschen gibt. Ein Land voller Geschichte und Traditionen – Schottland eben.

Donnerstag, 11.05.2017
1. Tag

Natürlich hatte unser Flieger von Easy Jet gleich einmal Verspätung. So verzögerte sich der geplante Abflug von 21.45 Uhr auf 22.10 Uhr. Doch irgendwie waren wir beide schon im Urlaubsmodus und ein langer Tag lag hinter uns, so dass wir nur mit den Schultern zuckten und warteten. Wir waren beide noch arbeiten und hatten daheim sogar schon gegessen, bis uns gegen 19.30 Uhr Angelika und Markus abholten, die uns zum Flughafen brachten. Ein sehr netter Zöllner quatschte mit uns bis die übliche Sprengstoffkontrolle unserer Fotorucksäcke erledigt war und wünschte uns eine schöne Reise. Na schauen wir mal, was das Land uns bringen würde.
Als dann endlich das Boarding los ging, wurden wir gleich einmal von einem anzugtragenden leicht konsternierten englisch redenden Herrn nach einem Blick auf unsere Travellerklamotten darauf hingewiesen, dass hier die Schlange für das Speedboarding sei. Prima, dann sind wir ja genau richtig, denn wir hatten die teureren Sitzplätze gebucht, da wir so neben dem erlaubten Handgepäck noch eine Hand- bzw. Laptoptasche mitnehmen konnten und saßen somit in 3. Reihe.
Als sich die Tür vom Flieger schloss, grinste Chris mich an und sagte: „Schotten zu und los.“ Wie passend, wir brachen beide in Gelächter aus und dieser Spruch begleitete uns durch die nächsten Wochen.
Der Flug verlief schnell und sehr ruhig und wirklich nach ca. 2 Stunden landeten wir schon wieder auf den Edinburgher Flughafen.
Hier warteten zwei Busse auf uns, die uns zum Einreisterminal brachten. Doch kurz vor der Ankunftshalle stapelten sich die Busse und wir standen doch tatsächlich in unserem ersten Stau. Na das kann ja heiter werden, dachten wir uns. Als wir dann endlich an der Halle ankamen, war sie gesteckt voll und auch hier hatten wir wieder Stau. Leider teilte einem niemand mit, dass links die Schlange für die
E-Pässe und rechts die persönlichen Kontrollen sind, so standen wir natürlich rechts und es dauerte noch viel länger bis wir endlich durch waren. Denn leider waren nur drei Schalter besetzt und gefühlte 1000 Leute wollten abgefertigt werden. Dafür war dann unser Gepäck schon da.
Wir gingen zum Taxistand und auch hier wieder das Gleiche eine lange Schlange wand sich vor uns und wieder dauerte es eine gefühlte Ewigkeit, bis wir an der Reihe waren. Dafür bekamen wir ein typisch englisches Taxi ohne Kofferraum, dafür mit einer enorm großen Fahrgastzelle, die genug Platz für unsere Taschen und Rucksäcke hatte.
Ca. 1.00 Uhr kamen wir dann endlich im The Beverley B&B an, wo ein Schlüssel für uns hinterlegt war und ein großes geräumiges Zimmer mit einem einladenden Bett auf uns wartete.

Übernachtung: The Berverley B&B, Edinburgh
Freitag, 12.05.2017
2. Tag

Nach einem guten englischen Frühstück mit Eiern, Speck, Pilzen und Tomate, machten wir uns zu unserer ersten Erkundungstour auf. Es war stark bewölkt, aber ab und zu schaute die Sonne hinter den Wolken hervor. Gleich früh am Morgen gingen wir zu einer deutschen Bäckerei, wo wir uns für die nächste Zeit mit zwei Broten eindeckten. Mit unserer Beute wanderten wir weiter durch die Innenstadt, wo wir natürlich am Edinburgh Castle auf dem Castle Rock landeten. Diese berühmte Burg wurde größtenteils im 16. Jahrhundert gebaut, aber schon im 6 Jahrhundert soll es hier Befestigungsanlagen gegeben haben, die im 11. Jahrhundert zur Burg ausgebaut wurden. So stammt die St. Margaret-Kapelle, ein normannisches Gebäude, aus dem 12. Jahrhundert.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde Edinburgh Castle vielfach belagert, zerstört und wieder aufgebaut. So sind viele der älteren Gebäude in der heutigen Burg verbaut worden. 1566 brachte Mary, Königin von Schottland, hier ihren Sohn James zur Welt.
Da keine Menschenmassen an der Kasse anstanden, entschlossen wir uns kurzerhand zu einer Besichtigung der Burg. Nach dem wir den stolzen Preis von 17 Pfund bezahlt hatten, durften wir hinein. Wir sahen die One O’Clock Gun, die nach alter Tradition außer sonntags immer um 13.00 Uhr abgefeuert wird. Diese Tradition stammt aus der Zeit der Seefahrer, als die Segelschiffe im Firth of Forth eine exakte Zeitvorgabe brauchten, um ihre Chronometer zu justieren. Mittlerweile ist es eine Touristenattraktion und wird weiter betrieben. Gleich in der Nähe befindet sich die kleine St. Margaret-Kapelle mit ihren hübschen bunten Glasfenstern. Wir besichtigten auch das Geburtszimmer von James dem VI, die schottischen Insignien der Macht, das Gefängnis und vieles mehr. Alles gefiel uns gut, aber das Gefängnis war schon etwas Besonderes, denn hier hingen Hängematten und aus Lautsprechern hörte man leise Gespräche. Es wirkte so, als ob die Gefangenen nur kurz an der frischen Luft waren und gleich zurückkommen würden.

Um ca. 13.00 Uhr waren wir zurück in unserem B&B, wo wir auf den Fahrservice derFirma Roseisle warteten. Pünktlich traf der Chef persönlich ein und raus ging es aus der Stadt. Mittlerweile war es leider stark bewölkt, aber zum Glück regnete es nicht.
Die Firma befindet sich in dem kleinen Ort East Lothian östlich von Edinburgh. Hier sahen wir zum ersten Mal „Bert“, unseren treuen Gefährten für die nächsten drei Wochen. Bert hat eine Länge von 6,36 m, er ist 2,05 m breit und 2,59 m hoch und somit ein stattliches Kerlchen. Wir schauten ihn bewundernd an. Etwas mulmig wurde uns, als uns der Vermieter erzählte, dass Bert nagelneu ist und wir die ersten Besitzer wären. Kein Kratzer, kein Steinschlag und absolut unbewohnt. Okay, das würde wohl eine Herausforderung werden, denn ein paar Geschichten von den berüchtigten Single Track Roads und engen Stadtstraßen hatten wir natürlich schon gehört. Trotzdem waren wir beeindruckt. Bert war auch super ausgestattet und ich hätte einige meiner Utensilien, wie Handtücher oder unsere Espressokanne getrost daheim lassen können. Anfangs sahen die Schränke nicht sehr vielversprechend aus, aber als ich sie einräumte, merkte ich erst, wieviel Platz ich wirklich hatte, denn die Sachen wirkten fast verloren in den geräumigen Einschüben.
Nachdem der Papierkram erledigt war und wir in Berts Technik eingewiesen waren, fuhren wir um ca. 15.30 Uhr vom Hof. Die ersten Kurven waren noch etwas wackelig und vorsichtig, aber Chris merkte schnell, dass sich Bert wie ein SUV fahren lässt und eine sehr gute Straßenlage hat. So neigte er eher dazu, die enorme Länge zu vergessen und unser Auto spritzig zu fahren.
Als erstes brausten wir zu einem Tesco Supermarkt in der Nähe, wo wir uns mit allem Lebensnotwendigen versorgten. Genial war natürlich der Kühlschrank mit Tiefkühlfach, der schnell gefüllt war. Als besonderes Extra kaufte Chris freudestrahlend einen Grill für 20 Pfund, der in unserem Kofferraum mitreisen durfte.
Ungefähr 1,5 Stunden später, waren die Einkäufe verstaut und es konnte losgehen. Für den Abend hatten wir uns in den Trossachs am Loch Achray für 5 Pfund eine wilde Campsite vorgebucht, denn hier durfte man sonst nur auf offiziellen Campsites von April bis September übernachten.
Doch vorerst fuhren wir auf der Autobahn in Richtung Stirling, wo hoch über der Altstadt das Stirling Castle thront. Dabei kamen wir an den Kelpies vorbei, zwei riesige Pferdeköpfe aus Stahl, die fast schon auf die Autobahn zu ragen schienen. Schade, dass wir so wenig Zeit hatten, sonst hätte sich ein Abstecher sicherlich gelohnt. So fuhren wir nur, begeistert die Köpfe wendend, daran vorbei. Auch das Stirling Castle ließen wir links liegen und setzten unseren Weg bis zum Doune Castle fort. Diese spätmittelalterliche Burg steht auf einem Felssporn über dem Fluss Teith nahe der Stadt Callander am Fuße der Trossach Berge. Sie wurde um 1390 von Robert Stewart, 1. Duke of Albany, erbaut. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde sie als Landsitz und Jagdschloss von den schottischen Monarchen, u.a. Maria Stuart, genutzt und 1745 von den Jakobiten während ihrem zweiten Aufstand als Gefängnis verwendet.
Heute wird die Anlage von der staatlichen Denkmalschutzbehörde Historic Scotland verwaltet und kann besichtigt werden.
Hier wurden schon etliche Filme gedreht und natürlich musste ich als Outlander-Fan unbedingt hierher. Aber wie so oft im Leben, kamen wir zu spät und die Burg war schon geschlossen. Von außen konnte man sie natürlich trotzdem bewundern, doch auch hier gab es einen Haken, denn sie war eingerüstet und außerdem war der Himmel eine zähe graue Masse. Es war zum Verzweifeln. Natürlich umrundeten wir sie einmal und berührten die robusten Steine, die die Wärme des Tages gespeichert hatten, ehe wir uns wieder auf den Weg machten zu unserer Campsite. Doch auch hier hatten wir ein Problem, denn wir fanden sie nicht. Sie sollte am Loch Achray liegen. Wir sahen auch Autos auf der anderen Seeseite, aber irgendwie fanden wir keine Straße, die uns dorthin bringen würde. Mehrmals fuhren wir suchend den See ab, aber irgendwie kamen wir nicht auf die andere Seite. Dafür sahen wir unsere ersten Schottischen Hochlandrinder. Natürlich blieben wir begeistert stehen, denn die super schöne Kuh hatte auch noch Zwillinge, die mit ihrem plüschigen hellbraunen Fell absolut hinreißend aussahen.
Etwas ratlos entschieden wir, dass wir uns auf einen großen Parkplatz in der Nähe einen anderen Camper stellen würden, um hier die Nacht zu verbringen.
Chris parkte Bert gerade, denn im Camper merkt man schnell jede Unebenheit und jetzt verstanden wir auch, warum manch ein Camperfahrer so lange hin und her rangiert, bis er die richtige Position gefunden hat oder mittels zweier Unterlegkeile die Unebenheit korrigiert.

Sogleich baute Chris begeistert den Grill auf und schon ging es los mit dem ersten Grillgang. Nach einem leckeren Lachssteak ging es bald darauf ins Bett, das erstaunlich bequem war. Einzig die eine große Decke machte uns keine Freude, denn es zog an den Füßen, da sie zu beiden Seiten unserer Beine einen Einschnitt überbrückte. Dabei hatte ich doch extra zwei Decken bestellt, aber das hatten sie wohl falsch verstanden. Da mussten wir unbedingt Abhilfe schaffen und so kauften wir bei einem späteren Einkauf zwei Decken, die wir um unsere Füße wickeln konnten.

Übernachtung: Loch Achray, Loch Lomond and the Trossachs Nationalpark, 5 Pfund

Samstag, 13.05.2017
3. Tag

Da sich das Wetter über Nacht nicht gebessert hatte, schliefen wir an diesem Morgen etwas länger. Danach frühstückten wir gemütlich und weiter ging es. Wir fuhren bis zum Loch Earn, den wir uns jedoch nur im Vorbeifahren anschauten, denn das Wetter war einfach zu schlecht.
Auch die Falls of Dochart in Killin wollten wir besichtigen, aber der Wasserstand war so niedrig, dass Chris nach einer kurzen Erkundungstour enttäuscht zurückkam und wir weiter fuhren. Uns hatte schon der Roseisle Mitarbeiter erzählt, dass es die letzten zwei Wochen recht wenig geregnet hätte… das Ergebnis sahen wir hier vor uns.
Leider machte uns das Wetter auch am Loch Tummel einen Strich durch die Rechnung bzw. Planung. Am Queens View hat man normalerweise eine fantastische Aussicht auf den See und die darum liegende Landschaft – wenn das Wetter nicht ganz so grau wäre…. So hingen die Wolken tief und es nieselte leicht. Ärgerlich fanden wir auch, dass man hier für den Parkplatz 2 Pfund bezahlen musste, um sein Auto abstellen zu dürfen. Für die kurze Wanderung fanden wir das ziemlich übertrieben. Ein Platz zu dem man unbedingt bei dramatischen Wolken oder schönem Wetter noch einmal kommen muss, fanden wir.
Doch was macht man bei schlechtem Wetter, wenn die Wasserfälle kaum Wasser führen? Die Antwort ist: Ruinen anschauen, denn gerade Ruinen wirken bei typisch schottischem Wetter besonders mystisch und geheimnisvoll. Man hat das Gefühl, die Mauern könnten flüstern und verraten einem uralte Geheimisse über den Ort und die Menschen. Also fuhren wir zur Dunkeld Cathedral. Diese beeindruckende Kirchenruine befindet sich am River Tay.
Der Bau der heutige Kathedrale wurde 1318 begonnen und kurz nach ihrer Vollendung 1560 von den Reformatoren zerstört. Das dachlose Kirchenschiff und der Nordwestturm stammen noch aus dem 15. Jh. Der Chor wurde 1600 erneut überdacht und wird noch heute als Pfarrkirche genutzt.
Jedenfalls mussten wir erst einmal in dem Ort einen Parkplatz finden, denn trotz des relativ trostlosen Wetters, waren hier etliche Radfahrer unterwegs und belagerten mit ihren Autos und Rädern die Parkplätze, so dass es leider für unseren „Kleinen“ unmöglich war, einen Parkplatz zu bekommen. Doch wir hatten Glück und konnten uns mitten im Ort vor einen Coop parken. Schnell schnappten wir unsere Sachen und wanderten zur Kirche. Hier waren wir alleine und das aus gutem Grund, denn das dachlose Kirchenschiff war fast vollständig eingerüstet. Man konnte es weder von außen noch von innen richtig anschauen. Das konnte doch nicht wahr sein! Wir waren richtig enttäuscht und verließen nach einer kleinen Besichtigung die Kirche und den dazugehörigen Park.
Das war ja fast unglaublich: die Wasserfälle hatten kaum Wasser, die Ruinen waren eingerüstet und das Wetter dunkel und grau.

Da es noch früh am Tag war, beschlossen wir durch den Cairngorms National Park zu fahren und uns auf dem Weg einige Schlösser und Wasserfälle anzuschauen. Dieser Nationalpark wurde erst 2003 gegründet. Er ist mit einer Fläche von 3.800 km² der größte der 15 Nationalparks des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Er liegt in den zentralen Highlands und wird von den Grampian Mountains geprägt. Die Landschaft ist wild und nur wenige Straßen gibt es in dieser Moor-, Wald- und Seenlandschaft. Der höchste Berg ist der Ben Macdhui mit 1.310 m.
Unsere erste Anlaufstelle war das Blair Castle bei Blair Atholl, das 1269 erbaut wurde. Es ist Sitz der Familie Murray, deren Familienoberhaupt der Duke of Atholl ist. Hier sind auch die Atholl Highlanders stationiert, die einzige legale Privatarmee Europas, die aber nur eine rein zeremonielle Leibgarde ist. Natürlich kann die Anlage auch besichtigt werden, aber wir begnügten uns mit der äußeren Ansicht der schönen weißen Burg.
Unser nächster Stopp war am House of Bruar, wo es Souvenirs und Delikatessen zu kaufen gibt. Aber wir hielten nicht deswegen, sondern wegen der Falls of Bruar, denn hier befinden sich sehr schöne Wasserfälle, die man auf einem Rundweg erkunden kann. Der Parkplatz war sehr voll, aber die meisten Touristen saßen im Restaurant oder schlenderten durch das große Geschäft, so dass wir fast alleine unterwegs zu den Wasserfällen waren. Das Wetter war natürlich perfekt, denn hier brauchten wir keine Sonne. Auch der Weg war sehr schön. An der ersten Brücke war jedoch nur wenig Wasser und wir waren schon etwas enttäuscht, denn auf Bildern sah alles viel spektakulärer aus, aber zum Glück waren die ersten Kaskaden nur zum Aufwärmen und der große Wasserfall kam erst noch. Absolut fotogen schoss das Wasser unter der Brücke durch, umspülte Felsbrocken und Gischt schäumte unter uns in der Schlucht.
Wir fotografierten noch den schönen Wasserfall, der ein Meter tief in einen Pool stürzte. Wir überquerten die Brücke, wanderten weiter ein gutes Stück den Berg hinauf, bis zur nächsten Brücke und wanderten hier wieder zurück. Der Rundweg war schön und nicht allzu weit, so dass wir bald wieder an der schönen ersten Brücke standen und die Aussicht genossen. Eine Gruppe junger Leute in Neoprenanzügen kletterten hier in die Schlucht hinab zum Canyoning und hatten hörbar Spaß. Wir begnügten uns mit ein paar weiteren Bildern von den Fällen und waren begeistert von der schönen Kulisse.

Auf unserem Weg lagen auch noch die Ruthven Barracks, zu denen wir um die Mittagszeit kamen. Der Himmel war nach wie vor sehr bedeckt und die Wolken hingen tief, aber wir fanden, zu diesen Ruinen passte es so besonders gut. Hierbei handelt es sich um alte Militärbaracken, die 1719 nach dem Jakobitenaufstand von der Britischen Regierung errichtet wurden. Die Anlage hielt den Jakobiten stand, bis sie 1746 schwer bewaffnet die Garnison eroberten. Sie versammelten sich dort und warteten auf weitere Befehle von Bonnie Prince Charlie, der den Aufstand jedoch schon für verloren erklärt hatte und seinen Anhängern riet, sich um sich selbst zu kümmern. So wurden die Barracks nieder gebrannt und die Männer verstreuten sich. In diesem Zustand sind die Barracks noch heute und können auf dem Hügel besichtigt werden.
Nach diesem kleinen, lohnenden Abstecher fuhren wir weiter die A9 entlang bis wir um ca. 14.30 Uhr am Loch an Eilein ankamen. Hier befindet sich eine Ruine aus dem 14. Jahrhundert, wunderschön auf einer kleinen Insel mitten im See, die wir unbedingt anschauen wollten. Ein kurzer Weg vom Parkplatz aus führte uns direkt am See bis zu einer schönen Aussicht auf das Castle, das geheimnisvoll auf seiner kleinen Insel dem Zahn der Zeit trotzte und viele Besucher anzog. Nachdem unsere Neugier gestillt war, drehten wir um und gingen zurück zum Parkplatz. Schade, hier wäre besseres Wetter toll gewesen, aber zumindest regnete es nicht.
Um 15.45 Uhr erreichten wir das Drumin Castle, die Ruine eines Wohnturms. Sie liegt auf einer Hügelkette über der Mündung des Flusses Livet. Hinauf führte ein kurzer steiler Weg, der jedoch gesperrt war. Als wir ankamen, kam gerade ein Paar den Weg hinab und erzählte uns, dass es keinen Grund gab, den langen außen herum führenden Weg zu nutzen, da dieser hier viel kürzer und gut zu gehen sei. Also kletterten wir über den Zaun und gingen nach oben. Auch wir fanden keinen Grund für die Sperrung des Weges, dafür aber den tollen Wohnturm, den wir ausgiebig erkundeten.

Unser nächstes Ziel war die Glenlivet Distillery, zu der uns eine richtig schöne enge Single Track Road führte. Überall sahen und hörten wir Fasane, die neben unserem täglichen Kuckuck ein fast schon gewohnter Anblick in Schottland waren. Ein hübscher Hahn saß sogar fotogen auf einem Baum nahe der Straße, seine Mädels um sich geschart, aber leider blieb er nicht sitzen, als wir anhielten. Noch Tage später trauerte Chris dem Bild nach, das er hätte machen können.
Glenlivet ist eine Whiskybrennerei nahe Ballindalloch. Die alten Brennereigebäude sind in den schottischen Denkmallisten in die Kategorie B gelistet. Glenlivet wurde 1824 als erste legale Brennerei nach dem „Act of Excise“ von 1823 von George Smith gegründet. Damit zog die Familie den Unmut der gesamten Gegend auf sich, denn das illegale Brennen von Whisky hatte hier eine lange Tradition.
Die heutige Brennerei wurde 1858 gebaut. 1880 erwarben die Smiths das Exklusivrecht für den Namen „The Glenlivet“. 1977 wurde die Brennerei an den amerikanischen Alkoholkonzern Seagram verkauft, der 2001 an Pernod Ricard ging. Die Destillery bietet Führungen an und genau das war der Grund, warum wir hier waren. Leider war die nächstmögliche Führung schon ausgebucht und die jetzige lief schon. Bedauernd schaute uns das Mädchen an der Kasse an. Gerade als wir wieder gehen wollten, fragte uns eine weitere Dame, ob wir an der laufenden Führung teilnehmen wollten, denn sie hätte erst vor kurzem begonnen. Natürlich wollten wir! Sie brachte uns zu der kleinen Gruppe, die gerade etwas über die Zutaten von Whisky erfuhren. Da hatten wir noch nicht viel verpasst. Für uns als absolute Whisky Neulinge, war diese Führung eine ganz neue Erfahrung, bei der wir viel über den schottischen Whisky erfuhren.
Für Malt Whiskys wird ausschließlich (gemälzte) Gerste verwendet. Dabei wird das Getreide durch Befeuchtung gezielt zum Keimen gebracht, wodurch Enzyme im Korn aktiviert und die enthaltene Stärke zu Malzzucker umgewandelt wird. So können die Hefekulturen, bei der späteren Gärung zu Alkohol umgewandelt werden.
Danach wird das Getreide im Ofen getrocknet und so die Keimung gestoppt. Dabei erhält der spätere Whisky sein charakteristisches rauchiges Aroma. Nach der Trocknung wird das gemälzte Getreide in großen Mühlen geschrotet und so zu einer Art Mehl zermahlen.
Wie beim Brauen von Bier, wird auch das Getreide-Schrot jetzt in einem Maischebottich mit heißem Wasser vermischt, um so den vergärbaren Zucker aus dem Getreide zu spülen.
Diese zuckrige Lösung läuft in einen Gärtank, wo jetzt die Hefekulturen, die für die Vergärung verantwortlich sind, hinzugegeben werden. Die Dauer der Vergärung ist je nach Hersteller unterschiedlich und liegt zwischen 48 bis 72 Stunden. Beim Vergären der Maische produzieren die Hefekulturen Alkohol und Kohlendioxid. Nach dem Absterben der Hefekulturen hat sich die Mischung, die nun als „Wash“ bezeichnet wird, zu einer Art Bier mit einem Alkoholgehalt von 8% bis 11% entwickelt und kann jetzt destilliert werden. Für das Whiskybrennen gibt es zwei verschiedene Verfahren. Der Schottischer Malt Whisky wird in Kupferbrennblasen, den sogenannten Pot Stills doppelt oder dreifach destilliert.
Im ersten Brenngang entstehen die Low Wines mit ca. 20% Alkoholgehalt und im zweiten bzw. dritten Brenngang die High Wines mit einem Alkoholgehalt zwischen 60 bis 70 %.
Der Brennmeister teilt den Whisky während des Brennens im Spirit Safe in drei Teile ein: Foreshot, Heart und Feints. Nur der Mittelteil des Destillats, das Herz, wird für den weiteren Whisky verwendet.
Der eigentliche Geschmack des Whiskys entsteht jedoch durch die Lagerung in alten Bourbon-, Sherry- oder anderen Fässern. Single Malts reifen häufig zehn Jahre und länger in ihrem Fass, bevor sie abgefüllt werden.
Während wir alles über den schottischen Single Malt Whisky und das ganze Brennverfahren erfuhren, wanderten wir durch die Hallen und schauten uns die Prozesse der Herstellung an. Teilweise war es sehr warm und wir legten immer mehr von unserer Kleidung ab – zumindest die Jacken und Pullover.
Besonders interessant fanden wir die alten Warehouses (Lagerhallen), die das ganze Jahr über ein konstantes Klima aufweisen. Hier kosteten wir auch unseren ersten sehr jungen Whisky, den sogenannten „Moonshine“, der mit ca. 80% Alkohol sehr heftig war und uns total an Obstler erinnerte. Zurück im Besucherraum durften wir dann noch einen fertigen jungen Whisky verkosten und bekamen sogar jeder noch eine Mini Flasche 18 Jahre alten Single Malt geschenkt. Wir hatten viel gelernt und waren vollauf zufrieden. So konnten wir unsere Reise fortsetzen.
Unser nächster Stopp war das das Braemar Castle, ein Schloss im Hochtal des schottischen Flusses Dee auf dem Gebiet Braemars. Es wurde ab dem Jahr 1628 durch John Erskine, 18. Earl of Mar, Schatzmeister von Jakobs VI., erbaut. Das Schloss wurde als als Jagdschloss des schottischen Königs, aber auch als Bollwerk gegen die zunehmende Macht des nach England orientierten Clan der Farquharsons genutzt. 1689 gelang es den Farquharsons unter Führung von John Farquharson, the Black Colonel of Inverey, die Burg zu erobern und niederzubrennen.
John Erskine, 23. Earl of Mar, führte den Jakobitenaufstand von 1715 an. Nach dessen Niederschlagung wurde das Braemar Castle von England beschlagnahmt und als Belohnung an den Clan Farquharson übergeben. Es blieb jedoch bis 1748 eine Ruine. Erst dann wurde das Castle wieder aufgebaut und an die Krone verpachtet, die sie als Garnison für Hannoveraner Truppen nutzte.
Ein Bericht aus dem Jahr 1800 berichtet vom Braemar Castle als Burg mit intaktem Burggraben. 1831 wurde die stationierte Garnison aufgelöst und die Burg dem Clan Farquharson zurückgegeben. Erst jetzt begann der Umbau zu einem Wohnhaus, in dem auch Königin Victoria vor ihrem Umzug nach Balmoral Castle residierte, wenn sie die Highland Games in Braemar besuchte.

2006 wurde das Braemar Castle, das sich immer noch im Besitz des Clan Farquharson befindet, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und ist seit 2008 zu besichtigen. Natürlich hatte es am frühen Abend schon geschlossen, aber es war auch von außen eine Augenweide mit seinen Türmchen und der kompakten Bauweise. In der gesamten Anlage blühten noch die Osterglocken. Es wirkte fast schon unwirklich inmitten der vielen Blumen und des gepflegten Rasens.

Unser Endziel an diesem Abend war das Dunnottar Castle, das wir um ca. 20.20 Uhr erreichten.
Das Castle ist eine Burgruine in Aberdeenshire. Die Ruine befindet sich rund 3 km südlich der Stadt Stonehaven und steht fotogen auf einer felsigen Landzunge in der Nordsee an der Nordostküste Schottlands.
Die zum Teil recht gut erhaltenen Gebäude stammen größtenteils aus dem 15. und 16. Jahrhundert, aber es wird vermutet, dass auf ihrer Stelle bereits in der Vorzeit eine festungsartige Anlage stand. Aufgrund seiner bedeutenden strategischen Lage spielte das Dunnottar Castle eine wichtige Rolle in der schottischen Geschichte, insbesondere vom frühen Mittelalter bis zur Aufstand der Jakobiten im 18. Jahrhundert.
Während der Englischen Bürgerkriege wurden in Dunnottar Castle die schottischen Kronjuwelen vor den in Schottland einfallenden Truppen Oliver Cromwells versteckt, da dieser bereits die älteren englischen Kronjuwelen zerstören ließ. Ein weiteres sehr geschichtsträchtiges Schloss lag somit vor uns. Natürlich war es auch schon geschlossen, aber die Anlage war trotzdem zugänglich. Während wir uns auf dem Schotterweg dem Schloss näherten, kam auf einmal die Sonne durch die Wolken und ein letztes Licht ließ die Ruinen in warmen Farben leuchten. Jetzt wurden wir schnell, denn das wollten wir unbedingt festhalten. Während Chris auf das Schloss zu sprintete, ließ ich mir etwas mehr Zeit und machte ein paar Bilder aus der Entfernung. Was für eine tolle Kulisse für einen Sonnenuntergang. Das Schloss auf einer kleinen Landzunge von Wellen umspült und im Hintergrund ging die Sonne über dem Meer unter und ließ es als Silhouette leuchten. Wir blieben bis die Sonne endgültig in den Wolken verschwunden war und waren absolut begeistert von der Schönheit der Anlage.
Da es schon spät war und ich einen Campingplatz in Stonehaven gesehen hatte, fuhren wir über eine abenteuerliche sehr enge Einbahnstraße direkt in den Ort, aber der Campingplatz war voll belegt. Dafür waren am Hafen noch ein paar Plätze frei und dort standen schon weitere Camper. Also gesellten wir uns zu ihnen und verbrachten hier die Nacht im Wellenrauschen der Brandung.

Übernachtung: Hafen von Stonehaven, kostenlos

Sonntag, 14.5.2017
4. Tag

Um 4.00 Uhr morgens standen wir auf, denn wir wollten unbedingt das erste Licht auf dem Dunnottar Castle fotografieren. Doch leider war es stark bewölkt und der Himmel leuchtete nur minimal rosa und es nieselte leicht. Trotzdem liefen wir zur Ruine vor, um ein paar Bilder zu machen. Irgendwie wurde es immer farbenfroher und wir erlebten einen super schönen Sonnenaufgang bis die Sonne in einer Schlechtwetterfront verschwand. Wir waren total glücklich, denn das frühe Aufstehen hatte sich absolut gelohnt.
Dann machten wir uns auf den Weg in Richtung Norden. In Sandwick bekam Bert etwas zu trinken und da noch nirgends ein Bäcker geöffnet hatte, entschlossen wir uns in der Tankstelle einen Kaffee zu holen. Am Automaten zogen wir uns jeder einen Costa Kaffee und nahmen dazu frisch gebackene Croissants mit. Der Kaffee war erstaunlich gut und die warmen Croissants zergingen fast auf der Zunge. 

Unterwegs schauten wir uns den Buchanness Leuchtturm in Boddam an, der über eine kleine Brücke von der Küste aus zu erreichen war. Der Ort war richtig nett und idyllisch.

Unser nächstes Ziel an diesem Morgen war der Bow Fiddle Rock, an dem wir um ca.  8.00 Uhr ankamen.

Auf gut Glück parkten wir gleich richtig, denn genaue Koordinaten hatten wir nicht. Wir wanderten einen schönen Weg an der felsigen Küste entlang, wo wir von oben den Felsen im Meer erblickten. Seevögel umkreisten ihn und lautes Geschrei lag in der Luft. Der Wind war frisch und wehte uns fast von der Uferkante. Wir fanden auch einen Weg hinab in die kleine Bucht, in der der Felsen riesig vor uns lag.

Um 12.00 Uhr kamen wir am Cawdor Castle an, wo wir uns die wunderschönen Gartenanlagen anschauten. Es liegt nur wenige Kilometer nordöstlich von Inverness in den schottischen Highlands.
Die Anlage wurde erstmals 1380 erwähnt. William, Thane of Cawdor errichtete hier einen komplexen Kampfturm. Danach ist nichts mehr in den Quellen zu finden bis es ab 1638 wieder in den Unterlagen auftaucht. Zu dieser Zeit begann die Instandsetzung des Turmes mit dem alten Salon und dem nördlichen Flügel. Während des Bürgerkriegs blieb das Castle weitestgehend verschont und es wurden nur einige Heuschober durch die englischen Soldaten Lord Montroses angezündet. Auch während der blutigen Feldzüge Oliver Cromwells war Cawdor Castle von der Beherbergung von Soldaten und Offizieren befreit. Dies ist der Grund, weshalb die teure Inneneinrichtung noch erhalten ist. Doch dafür hatten wir leider nicht genug Zeit, denn das Wetter war mittlerweile einfach zu schön und wir wollen noch so viel rund um Inverness anschauen. Also begnügten wir uns mit der Ansicht von außen und der wunderschönen Parkanlage mit dem gepflegten Irrgarten.

Danach fuhren wir weiter bis zum Fort George, das Chris unbedingt von innen anschauen wollte. Das Fort wurde im 18. Jahrhundert erbaut und befindet sich auf einer Landzunge am Moray Firth. Es ist eine nahezu original erhalten Anlage und wird noch heute militärisch genutzt. Erbaut wurde es, um das schottische Hochland nach dem Jakobitenaufstand (1745/46) zu befrieden, denn die alte Anlage wurde in dieser Zeit völlig zerstört.
Schon von außen wirkte das Fort sehr eindrucksvoll, denn eigentlich sah man nicht viel, außer Kanonen, da es durch flach aufsteigende Erdwälle gut geschützt vor uns lag. 
Über einen befestigten Brückenkopf gelangten wir durch den ersten Wall auf einen Vorplatz, wo wir Eintrittskarten für das Fort kaufen konnten. Von hier aus führte uns eine hölzerne Zugbrücke über den Festungsgraben.

Im Fort befinden sich viele Gebäuden und Exerzierplätze, Artilleriegeschütze und Kanonen, sowie eine bedeutende Ansammlung von Waffen, alles geschützt durch die umfassenden Wallanlagen. Im Inneren gibt es auch eine Brauerei und eine Kapelle. Es gab also viel zu sehen. Wir umwanderten die Anlage auf dem Wall und waren wirklich beeindruckt. Wir hatten gute Sicht auf das Festland und das Meer. Eine wirklich gute Position für so ein Fort.

Natürlich stand an diesem Tag noch mehr auf dem Programm, denn auf unserem Weg nach Inverness kamen wir zwangsläufig an Culloden vorbei, wo am 16.4.1746 die Schlacht von Culloden stattfand. Hier standen sich das geschwächte Heer der Jakobiten unter der Führung von Bonnie Prince Charlie (Charles Edward Stewart) und die englische Armee gegenüber und hier nahm die Schlacht innerhalb von 30 Minuten ihr blutiges Ende.
Damals war Culloden noch ein Moor. Heute erinnert eine große Wiese an die tragischen Ereignisse und die toten Clans. Wege und Fahnen in verschiedenen Farben zeigen den Verlauf der Fronten der beiden Streitmächte. Auf Tafeln wird erklärt, wo welcher Clan stand. Überall findet man Gedenksteine, die die Gräber der Clans und ihrer Helden anzeigen. Trotz dieser ganzen Tragik blühte der Ginster wunderschön auf der Wiese, die Sonne schien und Wolken türmten sich auf. Natürlich schauten wir nach dem Gedenkstein der Frasers – wie viele andere auch - und natürlich fanden wir ihn nahe des Gedenkturms. Aber auch die anderen Clans sollten nicht vergessen sein und hier und da sah man ein paar Blumen liegen.

In Inverness, der Hauptstadt des schottischen Verwaltungsbezirks der Highlands, fanden wir auf einen tollen Parkplatz für Bert direkt am Kaledonischen Kanal. Wir spazierten über die Brücke durch die Stadt und landeten beim Inverness Castle. Die über der Stadt thronende Burg wurde 1835 auf dem Gelände des mittelalterlichen Vorgängerbaus errichtet. Heute ist dort ein Gericht untergebracht. Witziger Weise probte dort gerade eine „Band“ von Dudelsackspielern einen Marsch - zwar leider nicht im Kilt, aber dafür sehr eindrucksvoll für unsere Ohren. Immer wieder liefen sie den kleinen Berg hoch und runter und spielten wunderschön.

Doch da wir unbedingt noch zum Urquhart Castle wollten, rissen wir uns irgendwann los und fuhren entlang des tiefblau schimmernden und sagenumwogenen Loch Ness zum Castle, das auf einer Landzunge etwas erhöht in das Loch Ness ragt. Hier stand vermutlich schon im fünften Jahrhundert eine Festung der Pikten, worauf einige Ausgrabungen von 1983 deuten. Die Burg wurde erstmals im Jahr 1296 erwähnt, da es zu diesem Zeitpunkt der englische König Edward I. eroberte. Doch Robert the Bruce befreite Schottland von der Fremdherrschaft und damit auch die Burg am Loch Ness. Danach war die Burg über lange Zeit hinweg Spielball verschiedener Mächte. Die Schotten, Engländer, die Lords of the Isles und deren Erben, die MacDonalds, gaben sich hier fleißig die Klinke in die Hand, wodurch die Burg weiter ausgebaut und verstärkt wurde. Dann im 16. Jahrhundert wurde die Burg dem Clan Grant zugesprochen. Die Grants unterstützten England und somit gelangte die Burg in das Kreuzfeuer des Jakobitenaufstandes. Da die strategisch wertvolle Anlage nicht in die Hände der Jakobiten fallen sollte, wurde sie gesprengt und nie wieder aufgebaut.
Hier kamen wir um ca. 17.00 Uhr an und fotografierten erst einmal die Schlossruine von oben durch den Ginster hindurch. Um zur Ruine zu gelangen, musste man durch ein großes Besucherzentrum. Nach einem Blick auf die Öffnungszeiten waren wir etwas enttäuscht, denn es hatte schon geschlossen. Komischerweise gingen aber immer noch Menschen hinein. Einige Zeit später schauten wir noch einmal auf die Zeiten und merkten, dass die Ruine doch bis 18 Uhr geöffnet hatte. Natürlich wollten wir sie uns aus der Nähe anschauen, doch wie immer saß uns die Zeit im Nacken. Also liefen wir schnellen Schrittes auf die Ruine zu. Schon von oben hatten wir den gut erhaltenen Turm gesehen, den wir jetzt besichtigten. Auch das Eisentor war eindrucksvoll und die Mauer schaute noch immer uneinnehmbar aus. Jetzt kamen auch wir wieder etwas zur Ruhe, denn wir hatten alles gesehen und konnten nun auch die wunderschöne Landschaft genießen. Es war warm und die Sonne schien.

Zurück fuhren wir wieder am Loch Ness entlang und später auf kleineren Straßen bis zum Chanonry Point, gegenüber von Fort George, wo es zwei Campingplätze gibt.
Der erste Campingplatz war leider absolut überfüllt, doch auf dem zweiten kleineren Platz bekamen wir noch problemlos eine Site, direkt am Meer, das vor uns in der Sonne glitzerte. War das schön hier! Die Besitzerin empfahl uns noch den örtlichen Fish and Chips Laden und so machten wir uns zu Fuß auf in den kleinen Ort, denn nach der vielen Fahrerei, war es richtig schön, mal etwas mehr zu laufen. Chris hatte Hunger und das merkte man deutlich an seiner Bestellung. Er nahm die größte Fischportion, doch zum Glück konnte ich ihn gerade noch davon abhalten, zwei Mal Chips zu bestellen, denn auch eine Portion langte eigentlich für drei Leute. Dazu gab es noch eine Portion frittierte Shrimps. Kurz nach der Bestellung entdeckte er noch geröstete Zwiebeln, die auch noch mit mussten. Mit einer riesigen Tüte gingen wir zurück zu Bert, der brav auf uns gewartet hatte. Leider war der Wind ziemlich kühl, aber trotzdem ließen wir die Tür offen und genossen unser riesiges Mahl, das natürlich nicht zu schaffen war, bei schönstem Sonnenschein.
Dann war es soweit und ein weiterer Spaziergang führte uns durch einen Golfplatz bis zum Chanonry Leuchtturm, von dem man bei einsetzender Flut sehr gut Delphine beobachten kann. Mit Sonnenuntergang kam auch die Flut und wir warteten. Weit draußen entdeckten wir ein paar Delphine, aber nur mit dem Fernglas waren sie gut zu erkennen. Trotzdem war es schön und wir beschlossen, unser Glück noch einmal am nächsten Morgen zu versuchen. Zufrieden wanderten zurück zu unserem Bert.

Übernachtung: Fortrose Bay Campsite, 20 Pfund

Montag, 15.5.2017
5. Tag

Da wir uns nach den Gezeiten richten mussten, schliefen wir an diesem Morgen bis 8.00 Uhr. Wir duschten und füllten unser Wasser auf. Danach fuhren wir diesmal mit unserem Camper zum Leuchtturm. Dort frühstückten wir erst einmal.
Diesmal hatten wir zwar wieder starke Bewölkung, aber dafür kamen die Delphine deutlich näher ans Ufer. Sie schauten sogar ab und zu aus dem Wasser und spielten ein wenig. Wir konnten sie prima sehen und auch ein paar Bilder machen. Leider war auch dieser Besuch nicht sehr lang und zum Springen hatten die Delphine an diesem trüben Tag auch keine Lust. So brachen wir um 10.15 Uhr auf und fuhren weiter an der Ostküste in Richtung Norden.

Ich wollte unbedingt das Dunrobin Castle besichtigen, denn schon auf Bildern hatte mich dieses tolle Schloss absolut beeindruckt. Leider regnete es leicht, als wir dort um 12.00 Uhr ankamen.
Das Schloss ist  Stammsitz des Clan Sutherland. Es ist mit 189 Zimmern das größte Wohngebäude in den nördlichen Highlands. Der Kern geht auf einen Wohnturm des 13. Jahrhunderts zurück, dessen Überreste noch heute im Innenhof des Schlosses zu sehen sind. Erwähnt wurde das Dunrobin Castle aber erst 1401 als Festung des sechsten Grafen von Sutherland, Robert de Moravia.
Im 17. Jahrhundert wurden der alten Burg zwei neue Flügel angebaut, die durch einen Turm mit Wendeltreppe mit dem alten Gebäude verbunden waren.  George Sutherland-Leveson-Gower, 2. Duke of Sutherland ließ das Schloss von 1845 bis 1851 umbauen, womit es sein jetziges Aussehen erhielt. Der Architekt Charles Barry, der auch Westminster in London erbaut hatte, empfand es einem französischen Schloss nach. Er entwarf auch den Garten, der an die Anlagen von Versailles, erinnert. Leider zerstörte ein Großbrand 1915 einen Großteil der alten Inneneinrichtung, die jedoch nach den Entwürfen Robert Lorimers neu gestaltet wurde. 1960-1970 wurde das Schloss als Jungeninternat genutzt. Heute gehört es Elizabeth Sutherland, 24. Countess of Sutherland, die es 1963 von ihrem Onkel George Sutherland-Leveson-Gower, 5. Duke of Sutherland erbte und es von April bis Oktober der Öffentlichkeit zugänglich machte.
Begeistert wanderten wir durch die Räume und schauten uns alles an. Leider machte der wunderschöne Garten bei diesem Wetter nicht ganz so viel Spaß, aber ein kleiner Rundgang musste trotzdem sein.

Bei dem schlechten Wetter beschlossen wir, uns eine weitere Destillerie anzuschauen. Da Glenmorangie in Tain in den Northern Highlands direkt auf unserem Weg lag, hielten wir dort an und gingen guter Dinge in das Besucherzentrum. Doch diesmal hatten wir Pech, denn die nächste Führung würde erst in 50 Minuten beginnen und so lange wollten wir nicht warten. So setzten wir unseren Weg fort, bis wir bei Brora ein Schild zu einer weiteren Brennerei sahen und dorthin fuhren. Der Wegweiser brachte uns zur Clynelish Distillery, die mir meine Kollegin Astrid empfohlen hatte.
Zwar wurde die Produktion gerade umgestellt und somit war eine Führung nicht möglich, aber die junge Dame im Besucherzentrum bot uns eine historische Führung durch die alte Brennerei an.
1819 gründete der Erbauer vom Dunrobin Castle, George Granville Levison-Gower, der zweiten Marquis of Stafford und spätere Duke of Sutherland den Vorgänger der heutigen Destillerie. Clynelish wurde 1967 direkt neben der alten Brennerei errichtet. Die alte Brennerei wurde im Mai 1968 geschlossen, um kurz darauf im April 1969 wieder in Produktion zu gehen. Sie wurde daraufhin in Brora umbenannt, während die neue Brennerei weiter Clynelish hieß.  Beide Brennereien produzierten bis 1983 parallel, bis die Brora-Brennerei endgültig geschlossen wurde.
Seit 1987 gehört die Clynelish-Brennerei zu United Distillers (UD) und so seit 1998 zu Diageo.
Wir wanderten durch die Brora Brennerei und sahen die alten Gebäude und Kessel. Wir konnten sogar in die alten Bücher schauen. Es sah zum Teil fast so aus, als ob nur schnell jemand weggegangen wäre und die Produktion gleich weiter laufen würde. Da wir mit unserer Begleiterin ganz alleine waren, machte es unheimlich Spaß. Besonders eindrucksvoll waren wieder die alten Lagerhäuser, die noch heute genutzt werden. Hier durften wir sogar richtig hinein gehen. Der Alkohol lag süßlich in der Luft und viele alte Schätze waren zu bestaunen. Eigentlich darf man hier nicht fotografieren, aber da wir uns so gut verstanden und so viel Spaß miteinander gehabt hatten, durfte Chris von der Tür aus ein paar Bilder machen.
Im Besucherraum gab es dann einen guten Tropfen Whisky zum Probieren. Wir schauten uns das Whiskydiagramm an und Chris fragte nach einem sehr rauchigen Whisky, den wir auch noch testen durften. Während es mich schüttelte, nickte Chris anerkennend. Hier hatte es uns super gut gefallen.

Weiter ging es in Richtung Norden bis wir um ca. 17.00 Uhr am Duncansby Head Leuchtturm ankamen. So langsam wurde hier auch das Wetter besser. Wir schauten uns erst den Leuchtturm an und wanderten dann weiter bis zu den Duncansby Stacks, unserem Tagesziel. Den Weg hatten wir nur etwas unterschätzt, denn er war viel weiter als gedacht und wir hatten nur eine Kamera dabei und auch unser Stativ lag im Auto. Trotzdem gingen wir immer weiter, denn die Landschaft war wunderschön. Hügelige Wiesen voller Schafe und unter uns eine wilde Küste mit ihren wunderschönen Felsnadeln voller Meeresvögel. Die Brandung rauschte und Blümchen beugten sich im Wind, der so nach und nach die Wolken vertrieb, bis auf einmal die Sonne schien.
Natürlich gingen wir noch einmal zurück und holten unsere Ausrüstung. Also gingen wir den Weg ein zweites Mal, doch leider waren jetzt schon viel Schatten auf den Felsnadeln. Dafür zeigten uns zwei Engländer die ersten Puffins, die zwischen den ganzen Möwen fast nicht zu erkennen waren. Leider waren sie viel zu weit weg, um ein brauchbares Bild machen zu können, aber dank Fernglas konnten wir sie gut erkennen.
Zurück an unserem Camper, beschlossen wir hier zu übernachten, denn der Platz war einfach nur genial. Wo kann man schon Sonnenauf- und Sonnenuntergang von einem Platz aus beobachten?!
Als die Tagebesucher, die mit ihren kleinen Autos die großen Camperparkplätze belagert hatten, weg waren, stellten wir Bert so hin, dass wir in die Sonne schauen konnten und Chris holte ein weiteres Mal den Grill raus. Vor uns glitzerte das tiefblaue Wasser im Gegenlicht und auf der anderen Seite stand fotogen der Leuchtturm. Das Grillen wurde trotzdem zu einer kleinen Herausforderung, denn der Wind war heftig und Chris musste ihn geschützt hinstellen, damit er nicht umgeweht wurde.
Bei wunderschöner Abendsonne gab es dann frisch gerillte Lachssteaks mit Salat – besser hätte es uns nicht gehen können. Am späten Abend fotografierten wir dann noch den Leuchtturm, der fotogen über dem Meer thronte, ehe wir schlafen gingen.

Übernachtung: Parkplatz Duncansby Head, John O'Groats, kostenlos

 

Der nächste Teil kommt bestimmt!