Kanada - Alaska 2013

"Magische Momente"

Gerade schrieb ich noch das Ende unseres Alaska und Kanada Reiseberichts „Grizzly zum Grillen“ und nun sitze ich schon wieder hier am PC und versuche unser neuestes Abenteuer in Worte zu fassen.
Wie schon angekündigt zog es uns noch einmal in die raue Wildnis Kanadas und Alaskas. Wir folgten dem Ruf der Bären, denn diese pelzigen Gesellen hatten es uns extrem angetan. Logisch, dass uns die Reise zu einigen ausgewählten Bärenspots führen sollte. Außerdem wollten wir eine der schönsten Städte der Welt, Vancouver, erkunden und endlich einmal die vielgepriesene Schönheit der Rocky Mountains mit eigenen Augen sehen.
So gab es im Vorfeld viel zu tun. Zig Flüge, genaugenommen 12, mussten gebucht, etliche Hotels ausgesucht und ein paar feste Eckpunkte gesetzt werden. So ergatterten wir ein Busticket und zwei Übernachtungen für den Lake O’Hara, was aber am Anfang der Saison nicht wirklich schwierig war. Trotzdem waren wir mächtig stolz darauf. Auch den Campingplatz für die berühmt-berüchtigten Brooks Falls konnten wir für Ende Juni reservieren. Zwei ganz besondere Spots, den Khutzeymateen /K’tzim-a-deen Grizzly Bear Sanctuary und unsere geliebte Homestead Lodge im Lake Clark Nationalpark bauten wir auch in unsere Planung ein. Des Weiteren buchten wir verschiedene Autos, einen SUV für Kanada, einen für Alaska und zum Abschluss der Reise noch einen Kleinwagen für Vancouver. Da wir die meiste Zeit entweder im Auto oder im Zelt übernachten würden, mussten natürlich auch wieder unser Zelt, die Schlafsäcke und sämtliche Campingutensilien mit. Dementsprechend hatten wir vor Beginn der Reise drei Taschen gepackt und unser Gepäcklimit von 23 kg pro Tasche voll genutzt. Diesen Spaß lässt sich die Lufthansa gut bezahlen, aber so waren wir unabhängig und hatten unser eigenes Zeug dabei.
Der Knackpunkt beim Erfolg einer Foto-Reise ist nach wie vor das Wetter und für den Juni waren wieder einmal ca. 14 Regentage als normal angegeben. Dementsprechende Bedenken hatte ich schon vor unserer Reise. Ich hatte zwar immer wieder etwas „Luft“ eingeplant, aber zu viele Möglichkeiten den Tourenverlauf kurzfristig zu ändern oder etwas auf später zu verschieben hatten wir nicht. Doch diesmal war uns das Wetter gewogen und wir hatten deutlich weniger als die angedrohten 14 Regentage. Wenn man es ganz genau nimmt, hatten wir einen wahnsinnig schönen Frühling in Kanada, von dem selbst die Kanadier schwärmten. Natürlich hat es auch ab und an geregnet, aber es hat irgendwie immer gepasst. Etwas mehr Regen hatten wir in Banff und wurden dort sogar vom Hochwasser eingeschlossen. Zum Glück strandeten wir nur einen Tag und konnten am nächsten Morgen nach Vancouver aufbrechen. Dies war sicher kein magischer Moment, aber während unserer Reise hat es einige davon gegeben und so entstand mal wieder der Titel des Reiseberichtes. Manchmal war es eine unerwartete Tierbegegnung, manchmal der Genuss des Augenblicks und manchmal die einzigartige Schönheit vollendeter Landschaft.  Um nur ein Beispiel vorweg zu nehmen, ich werde nie Chris' Gesicht vergessen, als er den Peyto Lake erblickte, der uns in einem wunderschönen intensiven Hellblau entgegenschimmerte. So eine Farbe hatten wir bisher noch an keinem See gesehen. Das war einfach ein magischer Moment, in dem die Zeit kurz stehen blieb und wir die Natur als vollendeten Künstler genossen.
Doch wie immer will ich nicht allzu viel vorweg nehmen. Also auf in das Abenteuer Kanada und Alaska.

Donnerstag, 30.05.2013
1. Tag

Nach ca. 8 Monaten war dies genau der Morgen auf den wir schon sehnsüchtig gewartet hatten. Unsere Batterien waren leer und bedurften dringender Aufladung. Nachdem schon ein paar Tage lang alles gepackt war, genossen wir das letzte Frühstück mit unseren Katzen, knuddelten sie noch einmal und ich verdrückte wie immer ein paar Tränen. Eigentlich sollte das Verabschieden doch mal einfacher werden, aber das tut es nicht. Es wird eher immer schwerer und trotzdem zog ich die Tür um 12.30 Uhr ins Schloss und wir fuhren zum Flughafen. Chris Mutti brachte uns wie gewohnt dorthin. Unsere Tickets hatten wir schon daheim ausgedruckt und wollten am Automaten das Gepäck aufgeben, aber das ging leider nicht, da wir drei Gepäckstücke hatten. So mussten wir an den Schalter, denn das zusätzliche Gepäckstück war zwar angemeldet, aber es musste noch bezahlt werden. Es ging jedoch alles sehr schnell und die Damen vom Bodenpersonal waren absolut nett und hilfsbereit, so dass mein aufgeregter Chris schon bald ruhiger wurde.
Nachdem wir Chris' Mutti verabschiedet hatten, gab es erst einmal einen Kaffee bei Starbucks, der stimmte mich schon mal auf den Urlaub ein, denn in Kanada und Alaska gibt es sehr viele dieser überlebenswichtigen Einrichtungen.
Nach der üblichen Prozedur an der Sicherheitsschleuse, an der wir komischerweise immer die meisten Plastikschalen brauchen und das meiste Aufsehen erregen, begaben wir uns zu unserem Abfluggate H38. Nach kurzer Zeit fing schon das Boarding an. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer, denn kaum saßen wir alle im Flieger, und fuhren schon ein paar Meter Richtung Startbahn, kam die Durchsage vom Piloten, dass ein Instrument ausgefallen sei und ein Techniker an Bord kommen müsse und dies reseten muss. Also schnell wieder zurück ans Gate. Auftanken durften wir auch gleich noch, da wir ja schon ein paar Meter gerollt sind. Da wird also ziemlich knapp gerechnet. Als der Techniker uns nach getaner Arbeit wieder verließ, meinte unser Pilot lapidar: „Hat alles funktioniert. Hoffentlich hält es jetzt auch.“ Ein wahrer Witzbold, aber zum Glück hat alles gehalten und nachdem wir noch den benötigten Slot um ca. 17 Uhr erhalten hatten, konnte es endlich losgehen.
Eine kurze Stunde später, um 18.00 Uhr Ortszeit, landeten wir auch schon wieder am Vancouver Airport. Zwischenzeitig gab es zwei Mahlzeiten, eine tolle Sicht auf Grönland, ein paar Filme und etwas Schlaf. Wer hätte das gedacht, dass man so viel in eine Stunde packen kann. Manchmal ist so eine Zeitverschiebung echt praktisch!

Unser Gepäck kam extrem schnell und ca. 40 Minuten nach der Landung standen wir auch schon bei Hertz und nahmen unseren Begleiter für die nächsten 3,5 Wochen in Empfang. Es war ein nagelneuer silberner Dodge Journey 3.6l und Chris war sofort verliebt. Innen Lederausstattung und ein Bordcomputer vom Feinsten, aber ohne Navi. Nachdem unser Navi an der Scheibe angebracht war und es alle Satelliten gefunden hatte, führte es uns durch den Straßendschungel Vancouvers. Natürlich verfuhren wir uns prompt, aber fanden dennoch dank des Navis zum Hotel, dem Holiday Inn Express & Suites Riverport in Richmond etwas außerhalb von Vancouver. Das Hotel hatten wir gewählt, weil wir am nächsten Tag mit der Fähre nach Vancouver Island übersetzen wollten. Wir bekamen Nr. 308, ein geräumiges Zimmer mit Kingsizebett und Dusche, machten uns kurz frisch und stürzten uns sogleich unternehmungslustig ins Innere der Stadt. Naja, so hört es sich zumindest gut an… Chris war unternehmungslustig und ich hundemüde. Leicht maulend ließ ich mich jedoch zu einer Nachmittagsabendrunde überreden. Wir entschieden uns False Creek (ein schmaler, rund zwei Kilometer langer Meeresarm mitten in der Stadt) anzuschauen.
Unser Navi lotste uns sicher bis zu einem Parkplatz am False Creek, wo wir unser Auto abstellten und den wirklich toll angelegten Riverwalk entlang liefen. Wow, war das schön dort. Sogar die Sonne lugte noch zwischen den Wolken hindurch und tauchte die Hochhäuser in ein warmes Licht.
Der „Golfball“, eine 17 Stockwerke hohe Glaskuppel des Science World (TELUS World of Science Vancouver) beherbergt ein Museum und lag gleich auf unserem Weg am östlichen Ende des False Creek. Im Vordergrund lagen zahlreiche Boote der Kanuten und etliche kamen im Laufe der Dämmerung noch in den Hafen.  Die Zeit verging wie im Fluge und schon bald folgte der Dämmerung die blaue Stunde. Die Hochhäuser waren toll beleuchtet und wir so fasziniert, dass wir die Zeit vergaßen. So schlenderten wir im Rausch der blauen Stunde begeistert dem Meeresarm entlang. Erst um 22 Uhr rissen wir uns von dieser herrlichen Szenerie los und fuhren zurück ins Hotel. Dann endlich um 23 Uhr lagen wir in unseren Betten und schliefen sofort ein.

Übernachtung: Holiday Inn Express Hotel & Suites Riverport Richmond, Vancouver - 104.- € inkl. Frühstück

Freitag, 31.05.2013
2. Tag

Um 6.30 Uhr erwartete uns ein sehr gutes Frühstück, womit wir gar nicht gerechnet hatten. Es gab frisches Omelett und Würstchen, O-Saft, Müsli, Joghurts und frisch gebackene Zimtschnecken, die verführerisch dufteten. Einziges Manko war eine Busladung Jungs verschiedener Altersgruppen, die den Rahmen des relativ kleinen Frühstücksraums definitiv sprengten. Wir ergatterten jedoch einen Sitzplatz und ließen es uns schmecken.
Die nötigsten Campingutensilien erstanden wir im Walmart, den wir ins Navi eingegeben und zu dem es uns eigentlich hinleiten sollte. Nun ja, ein paar Brücken und Abfahrten später hatten wir ihn irgendwann gefunden. Bei unserer kleinen unfreiwilligen Stadttour sahen wir unser erstes Reh (Deer) in einem Vorgarten friedlich grasen. Cool, wir waren wirklich in Kanada angekommen, wo sogar in der Großstadt die Rehe in den Vorgärten standen.
Jedenfalls bekamen wir alles, was wir für unsere Campingtour benötigten, vom Mückenschutz bis zum Wasserkanister, einer Kühlbox, Stühlen usw. Eine super gute Axt erstand Chris noch in einem Baumarkt und im Liquor Store wanderten das erste kanadische Bier und kanadischer Cider in unser Auto. Gut versorgt machten wir uns auf den Weg zur Fähre, denn wir wollten das schöne Wetter nutzen und nach Vancouver Island übersetzen. Dank der guten Beschilderung fanden wir sofort den richtigen Weg und entschieden uns gleich von Tsawwassen nach Swartz Bay (Victoria) überzusetzen. Schon unterwegs wurden wir durch ein Schildersystem darauf hingewiesen, dass noch genug Plätze für die Überfahrt zur Verfügung stehen. Wir bekamen die Fähre um 11 Uhr. Die Sonne schien vom Himmel und wir genossen die ca. 45 Minuten Überfahrt. Möwen umkreisten kreischend das Schiff und ich bekam sogar einen guten Starbucks Kaffee, den wir in der Sonne schlürften, dazu noch ein paar Zimtteilchen vom Frühstück und meine Welt war in Ordnung.
Wir verbrachten die gesamte Überfahrt draußen an Deck. Um 12.45 Uhr legten wir in Swartz Bay an und verließen mit etlichen anderen Autos den Rumpf der Fähre. Wir wählten jedoch nicht den direkten Weg nach Victoria, sondern wollten die Straße am Meer entlang fahren. Nun ja, vom Meer sahen wir nicht viel, denn es war ziemlich alles zugebaut, dafür bewunderten wir einige tolle Villen und auch hier sahen wir wieder ein Reh in einem Vorgarten grasen. Überall blühte der Ginster im schönsten Gelb und das Grün der Wälder war einfach nur herrlich. Wir erfreuten uns am Sonnenschein und kamen gut gelaunt in Victoria, der Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia an.

Victoria ist eine Stadt mit englischem Charme, schönen Gebäuden aus der Kolonialzeit und allem was der zeitgenössische Tourist braucht.
Wir stellten unser Auto am Hafen ab und bekamen von einem netten Kanadier gleich mal eine Parkmarke geschenkt, so dass wir umsonst auf dem kostenpflichtigen Parkplatz stehen konnten. Schnell noch alles Wichtige mitgenommen und schon ging es los, die Stadt zu besichtigen. Zuerst schlenderten wir am Hafen entlang. Die Sonne lachte weiterhin vom Himmel und es war richtig warm. Am liebsten hätten wir unsere Füße ins Wasser baumeln lassen. Kleine gelbe Wassertaxis fuhren durch den Hafen und auch ein großes Passagierschiff fuhr gerade ein.
Schon vom Hafen aus konnten wir einen ersten Blick auf die efeubewachsene Fassade des Fairmont Empress Hotels werfen. Unser Weg führte uns zum alten Parlamentsgebäude vor dem eine schöne Rasenfläche mit Springbrunnen angelegt war. Immer wieder standen bunt bemalte Totempfähle am Straßenrand. Wir schlenderten weiter und bewunderten das stattliche Empress Hotel, das nun in seiner ganzen Schönheit vor uns lag.  Danach spazierten wir noch durch die Stadt. An diesem warmen Tag gab es natürlich noch ein Eis. Etwas später beendeten wir die Runde wieder im Hafen. Wir schauten den Wassertaxis zu, als Chris mich auf einmal fragte, wo denn meine Bauchtasche sei. Mein Herz blieb für eine Sekunde stehen, als ich zu meinem Bauch fasste und wirklich, sie war nicht da. Ich hatte sie seit der Fährfahrt nicht mehr gesehen. Siedend heiß ging mir durch den Kopf, dass ich sie auf der Toilette der Fähre abgeschnallt hatte und ab diesem Zeitpunkt konnte ich mich beim besten Willen nicht mehr an die Tasche erinnern.  Wir gingen zurück zum Auto. Ich mit hängenden Schultern und Chris voller Zuversicht, dass ich die Tasche im Auto gelassen hatte. Ich ließ ihn schauen, denn ich war immer noch in einer Art Schockstarre, denn in der Tasche war relativ viel Bargeld und eine Kreditkarte. Chris wühlte im Auto herum und holte mit triumphierendem Blick meine Tasche aus dem Auto. Sie war hinter den Sitz gerutscht aber unversehrt. Ich war vielleicht froh, aber da ich nicht so gerne mit der Bauchtasche herumlaufen wollte, musste Chris nun auch noch meinen Geldbeutel einstecken und schon war die Welt wieder in Ordnung.

Victoria hatte uns gut gefallen, aber nun reichte es uns erst einmal mit dem Stadtleben und es zog uns hinaus in die Natur. Wir fuhren in Richtung Port Renfrew. Unser erster längerer Stopp war am French Beach Provincial Park. Hier liefen wir einen kurzen Weg, der uns durch Douglasien und Sitkafichten führte bis zu einem schönen Picknickplatz. Ein kleiner Zugang führte uns zum steinigen Strand. Überall lag Treibholz herum, aber nichts Kleines sondern ganze Bäume, die zum Teil übereinander geschichtet waren. Die Wellen krachten ungehindert an den Strand. Es war so schön die Brandung zu hören. Gischt lag in der Luft und wir fühlten uns hier sofort wohl. Auch der Campingplatz gefiel uns sehr gut. Er lag etwas erhöht und schön schattig im Wald. Die Sites waren geräumig und hatten einen angenehmen Abstand zum Nachbarn. Doch es war noch zu früh zum Rasten. So fuhren wir weiter und besichtigten noch den China Beach im Juan de Fuca Provincial Park.
Hier war der Weg zum Strand noch etwas weiter und wir entdeckten mitten auf dem Trail einen frischen Bärenhaufen. Sofort waren wir hellwach und redeten etwas lauter. Der Weg führte hinab zum Meer. Überall blühten weiße und rosa Blümchen. Auch dieser steinige Strand mit dem vielen Treibholz gefiel uns sehr gut.
Da uns der Campingplatz am French Beach so gut gefallen hatte, beschlossen wir dorthin zurückzufahren und stellten uns auf eine tolle freie Campsite. Riesige Sitkafichten spendeten Schatten, Farne wuchsen und das Moos war von einem besonders schönen Grün. Tief unter uns rauschten die Wellen. Dies war wirklich ein toller Platz zum Verweilen. Wir packten unser Auto um für die Nacht. Dazu legten wir die Rücksitze um und verstauten alle Taschen und Utensilien nach vorne auf Fahrer- und Beifahrersitz und den Fußraum. Nach getaner Arbeit grillten wir frischen Lachs. Dazu gab es Salat und kühlen Weißwein. Nach dem Essen gingen wir noch einmal an den Strand und schauten den Wellen zu, ehe wir uns um ca. 23 Uhr schlafen legten. Es war immer noch hell, aber zum Glück war es im Wald relativ dunkel, so dass wir schon bald schliefen.

Tageskilometer: 213km
Autofähre: 31,25 CAD für einen SUV, 31,00 CAD für 2 Personen
Übernachtung: French Beach Provincial Park, Campsite 13; 21 CAD + 7 CAD Holz

Samstag, 01.06.2013
3. Tag

Mit einem heißen Kaffee in den Händen gingen wir den schönen Waldweg zum Strand hinab. Um 5 Uhr morgens waren wir hier noch ganz alleine. Es war Flut und die Wellen krachten nur so an den Strand. Die ganze Luft stand vor Gischt, es war bewölkt und die Wolken schimmerten in einem rosa Ton. Was für eine Idylle. Wildes Meer, kühle Luft und ein wärmender Kaffee in den Händen. Es begann sogar noch leicht zu nieseln, aber uns war trotzdem nicht kalt.

Im leichten Regen machten wir uns auf den Weg nach Port Renfrew. Kurz schaute die Sonne durch eine Wolkenlücke hindurch als wollte sie uns zeigen, dass sie noch da ist. Die Straßen waren regenfeucht und schimmerten im Sonnenlicht. Ein Greifvogel saß auf einem Baum an der Straße und betrachtete uns interessiert. Die Straße schlängelte sich durch dichten Wald, tief hingen die Wolken und überall blühte der Ginster.
Unser Ziel war der Botanical Beach, mit seinen schönen Tidepools in den Sandsteinklippen im gleichnamigen Provincial Park.
Am Straßenrand fraßen zwei Wapiti Hirsche das frische Gras. Sie hatten überhaupt keine Angst und beäugten uns nur kurz als wir stehen blieben und ein paar Bilder machten.
Wir stellten unser Auto am Parkplatz ab und begaben uns auf den perfekt angelegten Rundweg zum Botanical Beach. Durch dichten Wald mit vielen großen Farnen gelangten wie schließlich zu unserem ersten Stopp, der Botany Bay, einer schönen kleinen Bucht mit einer fotogenen Felseninsel, auf der Fichten wachsen. Hier wäre ein idealer Punkt für den Sonnenuntergang, aber nicht an so einem zugezogenen Tag wie heute. Leider war der Himmel relativ grau, auch wenn ab und zu etwas Blau hervorlugte.
Der Weg führte uns weiter durch üppigen Küstenregenwald. Farne und Moose wuchsen am Boden und auf den Bäumen und überall blühten hübsche Blumen. 
Durch einen kleinen Zugang kamen wir schließlich an den Strand. Doch zuerst mussten wir über Treibholz kraxeln, das bis zum Wald geschwemmt worden war. Da mittags Ebbe sein sollte, hatte sich die Flut am späten Vormittag schon weit zurückgezogen und wir kletterten über die Sandsteinklippen. Überall waren zum Teil recht tiefe mit Wasser gefüllte Pools zu sehen, in denen Muscheln und Steine lagen.  Wieder waren wir ganz alleine unterwegs. Es gefiel uns absolut gut, auch wenn ich vergeblich nach Seesternen oder farbigen Seeanemonen Ausschau hielt.
Zum Glück fing es erst auf dem Rückweg an etwas zu regnen. Zurück auf dem Parkplatz baute ein Ranger gerade einen kleinen Stand mit Wasserflaschen auf. Wir unterhielten uns etwas mit ihm und er gab uns den Tipp nicht den gesamten Weg bis Victoria zurückzufahren, sondern auf einer neuen Straße direkt nach Tofino zu reisen. Damit würden wir uns viel Zeit und noch mehr Verkehr sparen. Die Straße war noch nicht in unserer Navikarte eingezeichnet, darum hatten wir mit dieser Abkürzung überhaupt nicht gerechnet. Er gab uns sogar noch eine Straßenkarte mit, damit wir uns auch ja nicht verfuhren und schon ging es weiter. Die Hirsche grasten immer noch am Straßenrand.
Mit ein wenig Suchen fanden wir die richtige Brücke über den Fluss nach Tofino. Am anderen Ufer campten Leute. Hier war es richtig idyllisch.

Die Straße führte uns wieder durch dichten Wald, doch immer wieder sahen wir gerodete Flächen. Hier ging die Holzindustrie voll zu Werke. Erst üppiges Grün und dann immer wieder erdfarbene Hänge, auf denen noch ein paar Wurzeln und vereinzelte Stämme herumlagen.
Wir fuhren gerade so gemütlich vor uns hin, als am Straßenrand ein Auto parkte und den Warnblinker angeworfen hatte. Das sollte doch wohl nicht etwa unser erster Bär sein? Ein junger Schwarzbär lief am Straßenrand entlang, aber die Autos waren ihm wohl zu viel, denn er trollte sich und lief den Hang hinauf. Wir warteten zwar noch eine Weile, aber der Kleine kam nicht zurück, so setzten wir unsere Fahrt fort. An einer anderen, sehr einsamen Stelle mitten im Wald, entdeckten wir einen kleinen Wasserfall und ein verlassenes Haus. Hier sahen wir einen kleinen Schatten, der sich bei genauerem Hinsehen als Katze entpuppte. Sie war jedoch sehr scheu und versteckte sich im Unterholz.
Immer wieder regnete es, aber es war zum Glück nicht so kalt. In Nanaimo kauften wir im Walmart ein paar Lebensmittel und eine Schüssel für den Abwasch ein. Die hatte uns bisher nämlich noch gefehlt. Selbstverständlich mussten noch zwei einsame Starbucks Kaffee mit, die konnten wir einfach nicht zurücklassen und schon ging es weiter den Highway 4 in Richtung Pacific Rim Nationalpark.
Doch auf der Strecke lagen noch ein paar absolut sehenswerte Ziele. So war unser erster Stopp im Englishman River Falls Provincial Park. Hier stürzt der gleichnamige Fluss über zwei Wasserfälle in einen tiefen Canyon. Eine Brücke führte uns über den Canyon. Auf den angelegten Wegen wanderten wir durch den üppigen Urwald mit vielen Farnen und Flechten an der Schlucht und dem Fluss entlang. Baumstämme lagen wie vergessene Mikado Stäbchen am Rande des einen Wasserfalls. Das Tosen des wilden Wassers war laut und man konnte förmlich die Kraft der Naturgewalt spüren.
Eine weitere Brücke brachte uns wieder auf die richtige Flussseite und über einen weiteren Wanderweg gelangten wir zurück zu unserem Auto.

Nächster Stopp war der Little Qualicum Falls Provincial Park. Der Wasserfall stürzt hier 17 Meter in die Tiefe um weiter stromabwärts am Lower Little Qualicum Falls noch einmal 5 Meter in die Schlucht zu rauschen. Wieder waren wir von der Schönheit des Regenwaldes schwer beeindruckt, das regnerische Wetter passte auch perfekt zu unserer Wasserfallrunde. Auch hier querten wir über zwei Brücken die Schlucht und wanderten am Rande des Canyons entlang, immer mit Blick auf den Fluss und das milchig grüne Wasser.

Am MacMillan Provincial Park auch bekannt als Cathedral Grove gingen wir zwei kurze Trails. Es war unglaublich - erst stand man noch auf dem Parkplatz und schon war man mitten in einem Märchenwald aus riesigen 800 Jahre alten Douglasien mit bis zu 9 Metern Durchmesser. Umgefallene Baumstämme lagen kreuz und quer. Farne wuchsen hüfthoch und Flechten zierten die Bäume. Für kurze Zeit war man in einer vollkommen anderen Welt. Fast schon andächtig und voller Staunen wanderten wir auf den für uns viel zu kurzen Wegen.
Nach diesem letzten Park kamen wir unserem Tagesziel, dem Green Point Campingplatz am Long Beach immer näher. Die Landschaft war einfach nur toll. Besonders gefiel uns der Wally Creek River, aber leider regnete es mal wieder, so dass wir uns auf einen kurzen Aufenthalt beschränkten, in der Hoffnung dass an unserem Rückreisetag das Wetter hier etwas besser wäre.
Um ca. 20 Uhr kamen wir endlich am Green Point Campingplatz an. Wir staunten nicht schlecht, denn fast alle Plätze waren schon belegt, aber wir fanden noch einen schönen Platz. Ein langer intensiver Fahrtag mit allerlei Höhepunkten ging langsam zu Ende. Wir krönten ihn noch mit guten frisch gegrillten Steaks. Chris ging noch den etwas längeren Weg zum Strand hinab, aber ich war einfach zu müde und kaputt. Unten angekommen bekam er noch das Nachglühen der Sonne mit.

Tageskilometer: 404 km
Übernachtung: Green Point Campingplatz, Pacific Rim National Park Reserve of Canada, Site 51, Long Beach, 23,50 CAD

Sonntag, 02.06.2013
4. Tag

An diesem Morgen standen wir wieder sehr früh auf und gingen diesmal gemeinsam an den Strand hinab. Der Weg dorthin ging ganz schön bergab und so allein am frühen Morgen war es einem schon etwas mulmig, denn auch hier war natürlich Bärengebiet. Doch wir kamen unbehelligt am Strand an. Küstennebel lag auf dem Meer und der Erdschatten leuchtete in Lila- und Rosatönen. Wow, war das ein fantastischer Anblick. Der Long Beach machte seinem Namen alle Ehre, denn er zog sich kilometerweit dahin. Bei kühlen 6°C schlenderten wir am Strand entlang und machten immer wieder Aufnahmen. Der Nebel zog langsam an Land und hüllte die Bucht ein. Als sich die Sonne durch die Bäume schob, sah man zig Strahlen durch den Nebel. Es versprach ein sonniger Tag zu werden. Nur ab und an kam uns ein einsamer Jogger entgegen, ansonsten waren wir weit und breit alleine.
Wir erkundeten auch noch die Nachbarbucht (Combers Beach), zu der man durch einen kleinen Durchgang gelangte. Hier am Durchgang lag alles voll mit aufgeschichtetem Treibholz. Bei hoher Flut und mächtigem Sturm musste hier ganz schön was los sein. Zum Glück war es an diesem Morgen einfach nur schön und wir spazierten auch hier am Strand entlang. Einige muschelbesetzte Felsen hatte das Meer schon freigegeben und so setzten wir uns auf einen, sahen den Joggern zu und genossen das Rauschen des Meeres. Natürlich hatte ich wieder meinen Kaffeebecher dabei und ich muss sagen, so in den ersten wärmenden Sonnenstrahlen auf "meinem" Felsen mit Blick auf das Meer schmeckte der Kaffee gleich noch viel besser. Hier konnte man es aushalten. Wir wussten noch nicht so recht, was wir an diesem Tag machen wollten - weiterfahren, oder hier die Umgebung erkunden. Diese Entscheidung wurde uns durch die Aussage einer Rangerin abgenommen, denn sie empfahl uns an diesem schönen Tag, den Wild Pacific Trail zu laufen. Sie sagte uns auch noch wo wir eine öffentliche Dusche finden, denn auf dem Campingplatz gab es nur Plumpsklos. So beschlossen wir den sonnig warmen Tag zu nutzen und ausgiebig den Pacific Rim Nationalpark zu erwandern.

Zuerst fuhren wir nach Tofino und kauften im Supermarkt unsere Marschverpflegung ein. Dann ging es wieder zurück. Wir hielten auf dem Parkplatz am Schooner Cove Trail und stellten dort unser Auto ab. Schilder warnten vor Einbrüchen und da wir wieder einmal die ersten an diesem Morgen waren, die hier ihr Auto abstellten, war uns schon wieder etwas mulmig zu Mute. Wir nahmen die wichtigsten Sachen mit uns, schnürten die Wanderschuhe und begaben uns auf den Trail. Es ist immer wieder ein Wahnsinnsgefühl so in den Regenwald einzutauchen. In Sekundenschnelle ist man in einer anderen Welt. Das Wegesystem war hier echt der Hammer. Es ging bergauf und bergab mit unzähligen Holztreppen und Stegen. Das war liebevolle Kleinarbeit bis ins Detail. Leider schien die Sonne, so war es zwar toll zum Laufen aber katastrophal zum Fotografieren. Die Botanik war hier wieder einmalig schön. Als wir nach einem Kilometer aus dem Regenwald traten, erwartete uns das Nordende des Long Beaches. Schön war es hier. Unser Blick blieb gleich an einer weiteren wundervollen baumbewachsenen Insel hängen. Etwas Treibholz lag herum. Gleich um die Ecke waren ein paar Häuser, keine Ahnung ob wir dort hätten parken können, aber der Weg war so schön, dass wir ihn nicht missen wollten.

Später hielten wir noch an anderen Zugängen zum Long Beach. Die Sonne brannte mittlerweile mächtig vom Himmel, so dass Chris kurzerhand ins Meer sprang. Ein schon fast seltsamer Anblick, da sich sonst nur neoprenbekleidete Menschen mit Surfbrettern in die Wellen warfen. Ich begnügte mich damit meine Füße ins Wasser zu halten und barfuß am Strand entlang zu laufen.
Später schauten wir uns noch den Wickaninnish Beach an. Hier lag auch sehr viel Treibholz am Strand und unzählige Surfer tanzten auf den Wellen.
Besonders gut gefiel uns die Florencia Bay, zu der uns ein kurzer steiniger Weg durch den Wald führte. Doch um an den Strand zu gelangen, mussten wir noch eine lange Holztreppe hinab gehen. Auch hier lag wieder jede Menge Treibholz und eine vorgelagerte Insel sah besonders fotogen aus. Witzig war auch, dass Chris den Weg unterschätzt hatte und ohne Schuhe wie ein Storch über die Steine lief. Der Pfad war zwar nicht sehr lang, aber durch die spitzen Steine nicht sonderlich barfußgeeignet.

Nach unserer Strandtour fuhren wir nach Ucluelet, um den Wild Pacific Trail zu laufen. Ein sehr schöner 2,6 km langer Rundweg führte uns um einen Leuchtturm (Amphitrite Lighthouse) herum. Unter uns die wild romantische Küste mit unzähligen Inseln und Felsen. An einer besonders schönen Aussicht verspeisten wir unser Mittagessen. Es gab frisch geräucherten Lachs mit knusprigen Semmeln. Das Meer rauschte unter uns und Wellen krachten an die vorgelagerten Felsen. Was für ein Wahnsinnswetter. Das hätten wir nicht einmal zu hoffen gewagt. Uns war richtig warm und der Weg einfach nur wundervoll.
Wir gingen auch noch den zweiten Teil des Pacific Rim Trails, den Artist Loop, der einfach 4 km lang war. Leider war er nur zum Teil begehbar und als er dann von der Küste weg führte, wendeten wir und wanderten wieder zurück. Auch hier gab es immer wieder spektakuläre Ausblicke auf Buchten und die wild romantische Küste. An einer sehr schönen Plattform mit Blick auf das Meer entdeckte Chris plötzlich eine Bewegung im Wasser. „Das müssen Wale sein“, meinte er. Zuerst glaubte ich ihm nicht so recht, aber als wir beide längere Zeit auf das Meer starrten, konnten wir schließlich zwei Wale ausmachen. Das Fernglas wanderte zwischen uns hin und her. Das konnte es doch fast nicht geben, das wir hier unsere ersten Wale sahen, freuten wir uns. Lange Zeit blieben wir fasziniert stehen und schauten den beiden Walen beim Schwimmen zu. Immer wieder gingen Fontänen in die Luft und es erschien eine Flosse oder sogar etwas Rücken nebst Flosse vom Wal.

Zurück in der Stadt fuhren wir zum West Coast Motel wo wir gegen Bezahlung eine herrlich erfrischende Dusche genossen.
Am Abend fuhren wir noch einmal zum Long Beach. Dort wanderten wir fast bis zur Schooner Cove am Strand entlang und wieder zurück zu unserem Auto.
An diesem Abend war Strandpicknick angesagt. Wir holten alles was wir brauchten aus dem Auto und nutzten einen schönen großen Baumstamm als Bank und unsere Kühlbox als Tisch. Es gab Trauben, Camembert, frisches Baguette, verschiedene Lachsspezialitäten, Salat und dazu ein kühles Glas Weißwein. Die Sonne stand immer noch relativ hoch am Himmel und wir genossen das leckere Picknick.
Nach diesem köstlichen sündhaft teuren Abendessen fuhren wir zu unserem Campingplatz. An diesem Sonntagabend war deutlich weniger los als am Samstag und wir bekamen noch einen Stellplatz relativ nah am Strandzugang. Natürlich gingen wir noch mit einem Sundowner bewaffnet zum Strand hinab und spazierten auch hier noch einmal am Meer entlang. Mittlerweile war die Sonne schon sehr nah am Horizont und beschien den Strand im warmen Licht. Es war einfach herrlich. Ein perfekter Strandtag neigte sich seinem Ende entgegen.

Tageskilometer:117 km
Übernachtung: Green Point Campingplatz, Site 62, Long Beach, 23,50 CAD

Montag, 03.06.2013
5. Tag

An diesem Morgen, wie auch an den meisten der kommenden Morgen, standen wir um 5 Uhr auf und frühstückten. Hochnebel lag über dem Strand und alles war grau in grau. Doch ein wenig konnte man schon die Sonne erahnen, die sich sicherlich im Laufe des Tages durchsetzen würde.
Doch für uns hieß es Abschied nehmen von diesem wunderbaren Platz, denn wir wollten ja noch etwas mehr von Vancouver Island sehen und am 5.6. war unsere Fähre von Port Hardy aus gebucht. Also trennten wir uns schweren Herzens von unserem Traumstrand und Campingplatz Long Beach und machten uns auf den Weg. Leider verpassten wir irgendwie den Zugang zum Regenwald, denn an diesem Morgen war durch den Hochnebel genau das richtige Licht für einen Spaziergang durch den Regenwald. Aber wir merkten unseren Fehler erst, als wir schon kilometerweit an der Einfahrt zum Wald  vorbei waren. Jetzt wollten wir auch nicht mehr umkehren und so fuhren wir weiter bis zum Wally Creek. Dieser Fluss mit seinen geschliffenen Steinen und dem wild dahin fließenden Wasser ist einfach zu schön. Im Hintergrund leuchteten die schneebedeckten Berge, doch leider lag der gesamte Fluss noch im Schatten. Wir beschlossen zu warten und machten ein paar Bilder vom Wasser und den Steinen. Momentan war der Fluss ja nur ein kleines Rinnsal und wir konnten bequem auf den Felsen das Flussbett erkunden, aber bei Hochwasser schoss hier sicher ein mächtiger Fluss entlang. Etwas später kam das erste Licht so langsam über den Berg und beleuchtete zumindest die Bäume und etwas später den Fluss. Länger konnten wir jedoch nicht warten, denn wahrscheinlich würde das gesamte Flussbett erst mittags ausgeleuchtet sein und wir hatten ja noch einen weiten Weg vor uns.

Am Sproat Lake machten wir Mittagspause. Der See war sehr schön mit den Bergen ringsherum. Mitten auf dem See war ein knallrotes Löschflugzeug. Doch das Mittagessen schmeckte hier nicht ganz so gut, denn unzählige Mücken umschwirrten uns. Zum Glück hatten sie keine rechte Lust zum Stechen und so waren sie nur lästig.
In Port Alberni kauften wir im hiesigen Fischladen frisch geräucherten Lachs ein. Am Hafen, dem Alberni Harbor Quay gab es eine kleine Einkaufsmeile mit einem sehr guten Donuts Laden und einem kleinen Turm, auf den man steigen konnte. Ein wirklich netter Ort. Wir kauften auch noch ein paar Lebensmittel im Quality Food Store ein – ein toller Laden mit einem urigen Starbucks im Obergeschoss, wo wir selbstverständlich meiner Kaffeesucht nachgehen mussten.

Im Elk Falls Provincial Park nahe Campbell River am Highway 28 besuchten wir die Hauptattraktion des Parks, die 25 m hohen Elk Falls. Hier stürzt der Campbell River spektakulär über die Felsen in eine tiefe Schlucht. Ein Wegesystem führte uns zu einer Aussichtsplattform mit Blick auf den Wasserfall. Durch die Sonne hatte sich in der Schlucht ein schöner Regenbogen gebildet, der in allen Farben schillerte.
Ein weiterer Weg führte uns direkt an den Zulauf zum Wasserfall. Hier konnte man ohne Geländer am Fluss bis zur Abbruchkante wandern. Das Wasser schoss mit hoher Geschwindigkeit auf die Felsklippe zu. Chris war besonders von einem kleinen Farn fasziniert, der der Kraft des Wasser trotzte und direkt an einem Felsen im Fluss wuchs.
Es war wieder richtig warm an diesem Tag, die Sonne lachte nur so vom Himmel und unser Thermometer zeigte 20°C an.

Wir fuhren weiter bis zum Strathcona Provincial Park, dem ältesten Provincial Park, der 1911 gegründet wurde. Hier gibt es zwei Campingplätze und auf dem Ralph River Campingplatz wollten wir die Nacht verbringen. Doch vorerst machten wir uns mit dem Buttle Lake und dem Park vertraut. Es gibt hier einige kleine Trails zu Wasserfällen oder Flüssen.
So wanderten wir zu den Lupin Falls. Ein sehr schöner etwas höherer schmaler Wasserfall mitten im ursprünglichen Regenwald. Besonders der Ablauf des Wasserfalls bot einige sehr schöne Motive. Hier waren auch zwei weitere Fotografen am Werk. Wir kamen ins Gespräch und sie erzählten uns, dass wir unbedingt zu den Myra Falls müssten, einem der schönsten Wasserfälle im Park. Da hier im Wald eh viel zu viel Sonnenlicht war, verabschiedeten wir uns von den Beiden und fuhren zu den Myra Falls. Schon der Weg zu den Fällen war sehr schön. Es ging leicht bergab und man hörte schon von weitem das Wasser rauschen. Auch hier gab es wieder mehrere Wege zu den Fällen. So kam man zur Abbruchkante und konnte von oben auf den Fall schauen, der aber leider jetzt am Nachmittag im Gegenlicht lag. An anderer Stelle konnten wir super schön direkt vor den Wasserfall gehen. Auch hier hätten wir gerne eine Wolke vor der Sonne gehabt, aber auch so mit sonnigem Gegenlicht sahen die Fälle wunderschön aus. Wir beschlossen noch einmal am nächsten Morgen hierher zurückzukommen – falls das Wetter es erlaubte.
Für den heutigen Tag hatten wir genug unternommen und beschlossen, den Abend ruhig auf der Campsite ausklingen zu lassen. Es waren kaum Leute dort und so hatten wir sogar noch einige Sites mit Seezugang zur Auswahl. Wir stellten unser Zelt auf und verspeisten die ersten geräucherten Lachsteilchen aus Port Alberni. Waren die gut! Als Hauptgericht gab es Heilbutt vom Grill mit Salat. Wir erlebten einen lauen Sommerabend der den schönen Tag perfekt abrundete.

Übernachtung: Ralph River Campground, Site 32 mit Seezugang, Strathcona Provincial Park, 16 CAD

Dienstag, 04.06.2013
6. Tag

Heute schliefen wir bis fast 5.30 Uhr aus. Bei einem frühen Kaffee zogen Wapitis am See entlang und ein Kolibri brummte an uns vorbei auf der Suche nach Nektar.
Wir fuhren noch einmal zu den Myra Falls, denn nach einer sternenklaren Nacht schaute das Wetter sehr gut aus. Natürlich lag der Wasserfall noch im Schatten, doch wir beschlossen etwas zu warten. Es ist unglaublich welche Kälte so ein Wasserfall abstrahlen kann. Das Wasser war eiskalt und ich kuschelte mich gleich fester in meine Jacke. Dummerweise rutsche ich auch noch aus und kam mit einem Fuß in das eisige Wasser, doch zum Glück war der Fall so interessant, dass ich mit Fotografieren genug abgelenkt war.
Wir hielten noch am Augerpoint wo man am Morgen einen tollen Blick über den Buttle Lake hatte und fuhren noch einmal zu den Lupin Falls. Dank Schleierwolken, die sich so nach und nach über den Himmel verteilt hatten, war das Licht perfekt.

Die Lupin Falls liegen wunderschön in einem moosbewachsenen Wald. Eine kleine Brücke führte über das Bachbett, das vom Wasserfall gespeist wird. Wow, es war märchenhaft schön hier. An diesem Morgen waren wir auch etwas übermütig und machten ein paar spaßige Filmaufnahmen für unsere Diashow. Ich konnte nämlich dank des Wasserfalls Chris Regieanweisungen nicht hören und so machte ich nie das was ich sollte. Dafür hatten wir umso mehr Spaß.
Chris kletterte später noch auf einen bemoosten Baum und genau in diesem Augenblick kam die Sonne zwischen den Wolken hervor und er machte ein super schönes Sonnensternbild mit Wasserfall und dem Bach. Überall lagen umgefallene Bäume herum – ein richtiger ursprünglicher Wald.
Im Strathcona Provincial Park hatte es uns super gefallen, so dass wir hier gerne noch einen Tag geblieben wären, denn es gab noch ein paar Trails, die wir gerne gewandert wären, aber wir mussten weiter, denn am nächsten Morgen ging unsere Fähre nach Prince Rupert und so setzten wir unseren Weg in Richtung Port Hardy fort.

In Campbell River wollten wir eigentlich bei Dick’s Fish and Chips essen gehen, aber wir waren wieder einmal zu früh dran und das Restaurant hatte noch geschlossen. So setzten wir uns am Wasser auf eine Bank und aßen unseren geräucherten Lachs.
Durch endlose Wälder näherten wir uns um ca. 13 Uhr bei leichtem Nieselregen dem Örtchen Telegraph Cove. Wir schauten uns den Ort etwas genauer an. Er besteht aus einigen wenigen historischen Häusern, die rund um den Hafen gebaut wurden. Im Schnitt leben hier so ca. 20 Leute, dafür kommt die Zahl der Besucher auf über 100.000 pro Jahr. Wir konnten auch verstehen warum, denn der Ort ist total knuffig und es soll eine der besten Walbeobachtungsmöglichkeiten auf Vancouver Island sein. Wir kamen etwas zu spät, denn das Boot war gerade weg, aber das Mädel hinter dem Tresen sagte uns, dass es sich noch nicht wirklich lohnen würde. Einen Tag sahen sie Wale und dann wieder nicht. Die Boote fuhren bisher auch nur 2x die Woche. So setzten wir uns in das schöne Café mit Blick auf das Meer und genossen die Aussicht bei einem guten Kaffee mit einem leckeren Keks dazu.
Vor dem Ort war ein großes Zentrum der Holzindustrie und unzählige Baumstämme schwammen auf den Wasser, ehe sie weiterbearbeitet wurden.

Am Nachmittag kamen wir in Port Hardy an und schauten uns ein paar Campingplätze an. Wir entschieden uns für den empfohlenen Quatse River Campground, wo wir die Site 40 zugewiesen bekamen. Ein schöner Platz im Grünen. Bis zu unserem Stellplatz ging sogar das WiFi und so konnten wir mal wieder ein paar Mails nach Hause schicken.
Im Ort schauten wir uns noch etwas um und sahen uns schon mal den Weg zur Fähre an. Im Supermarkt kauften wir ein paar Steaks ein, die wir später auf den Grill werfen wollten. Das Wetter war recht grau und die Wolken hingen tief, aber bis fast zum Essen regnete es nicht. Klar, als die leckeren Steaks auf dem Grillrost lagen, fing es natürlich zu regnen an, so dass wir mit aufgestellter Kofferraumklappe im Hinteren des Autos aßen. Unzählige Mücken umschwärmten uns, so dass ich mich erst einmal einsprühte. Chris verzichtete auf das Mückenmittel, denn die stechen ja nicht – meinte er. Am nächsten Tag bekam er die Rechnung, denn unzählige juckende Stiche bedeckten seine Arme und Beine. An diesem Abend war jedoch noch alles fein. Wir hatten auf dem Campingplatz geduscht und ließen uns vom Regen nicht ärgern. Ganz im Gegenteil, wir hatten viel Spaß an diesem Abend und das Fleisch war trotz Regen perfekt gegrillt. Leider mussten wir uns schon früh ins Auto zurückziehen, denn der Regen wollte nicht mehr nachlassen. So schauten wir uns noch ein Stündchen den Film „Mr. Brooks“ an. Ein sehr spannender Krimi mit Kevin Costner als Mörder. Doch um 21 Uhr fielen uns langsam die Augen zu und wir unterbrachen unser Abendprogramm für eine ordentliche Runde Schlaf.

Übernachtung: Quatse River Campground, Port Hardy, 24 CAD

Mittwoch, 05.06.2013
7. Tag
Über Nacht hatte es aufgehört zu regnen. Alles war feucht und die Wolken hingen tief an den Bergen. Nach einem schnellen Frühstück packten wir zusammen und fuhren zur Fähre, wo wir uns in die Lane 4 einreihen durften. Die Tickets hatten wir schon vorab über das Internet erstanden und bezahlt (BC Ferries). An diesem Tag würden wir mit der Autofähre 15 Stunden von Port Hardy an der Nordspitze von Vancouver Island nach Prince Rupert in Zentral British Columbia fahren. Grundvoraussetzung für eine erlebnisreiche und unvergessliche Fährfahrt ist natürlich das Wetter, denn die Passage ist mit einigen Hundert Euro nicht gerade billig. Doch es sah nicht so schlecht aus in der Dämmerung des Morgens. Zumindest hatten sich die Regenwolken bis an die Berge zurückgezogen.
Während wir aufs Verladen warteten, packten wir unsere Tagesrucksäcke, bestückt mit Büchern und Semmeln, Müsliriegeln, Obst und Wasser zusammen, da man während der Fährfahrt nicht mehr zum Auto zurück durfte.
Dann endlich ging es los und wir verschwanden im riesigen Bauch des Schiffes.
Chris erkundete sogleich die Fähre und kannte sich schon nach kurzer Zeit blendend aus. Vorerst belegten wir Plätze mit Seitenblick aus dem Schiff, nahe der Aurora Lounge. Sie bot als einzige Möglichkeit den Passagieren den ungehinderten Blick nach vorne, kostete aber einen Aufpreis von 35$, den uns die Aussicht nicht wert war. Wir wollten lieber flexibel sein und uns frei auf dem Schiff bewegen.
Das Schiff legte ab und auch die Sonne kämpfte sich so langsam über die Berge und durch die Wolken. Anfangs hatten wir noch einen Mix aus Sonne und Wolken, doch schon bald setzte sich die Sonne durch und verzauberte die Umgebung. Nach einem kurzen Frühstück erkundete auch ich das Schiff. Wir beschlossen uns draußen hinzusetzten, denn im Laufe des Vormittags wurde es richtig warm. Am Heck war es am schönsten, denn es war windgeschützt, man hatte viel Platz und konnte die Landschaft auf der Back- und Steuerbord- Seite schnell erkunden. Die Passage war einfach klasse. Das Schiff zog an bewaldeten Inseln vorbei. Immer wieder gab es Einblicke in schöne Fjorde. Leuchttürme standen am Ufer und leuchteten regelrecht in der Sonne.
Mittags wurde an Deck gegrillt und verführerische Düfte zogen an uns vorbei. Natürlich konnten wir zu der leckeren Bratwurst nicht nein sagen. Wir schliefen in der Sonne und genossen die herrliche Aussicht. Am Nachmittag holte Chris uns Kaffee und Kuchen. Später fuhren wir durch eine engere Passage und bestaunten das nahe Ufer zu beiden Seiten des Schiffes. Kleine Buchten mit Kiesstränden und viele felsige Inseln zogen an unseren Augen vorbei. Ein Delphin sprang durchs Wasser doch leider hatten wir unser Fernglas im Auto vergessen. Erkennen konnten wir ihn trotzdem und die Lebensfreude war auch so nicht zu übersehen.
Als es am frühen Abend zu kalt wurde, zogen wir uns wieder ins Innere der Fähre zurück. Wir gönnten uns noch einen Burger zum Abendessen und bestaunten die Landschaft nun wieder hinter Glas. Zum Sonnenuntergang lief Chris noch einmal nach draußen und machte ein paar letzte Bilder, ehe die Sonne in den Wolken verschwand.
Um ca. 22.15 Uhr kamen wir in Prince Rupert an. Pünktlich wurden wir aus dem dicken Bauch der Fähre gespuckt und fuhren sogleich zu unserer Unterkunft, dem Pioneer Hostel. Die Besitzerin war zwar nicht da, aber an der Rezeption hing ein Umschlag mit unseren Namen drauf, worin sich unser Zimmerschlüssel befand. So konnten wir gleich unser Gepäck aufs Zimmer bringen und mussten nicht warten. Das Zimmer Nr. 1 war total nett und liebevoll eingerichtet.
Sogleich begannen wir unser Zeug für den folgenden Tag zu packen, denn wir würden die nächsten drei Tage auf einem kleinen Segelschiff verbringen und hatten nur begrenzt Gepäck frei, zumal wir mit einem Wasserflugzeug dorthin fliegen würden. Zwei kleine Reisetaschen waren schnell gepackt, die große Tasche würde im Auto bleiben. Natürlich war uns wieder etwas mulmig, denn wir wussten nicht, wie sicher unser Auto stehen würde.
Nach einer erfrischenden Dusche ging auch dieser lange schöne Urlaubstag zu Ende und wir fielen todmüde und leicht sonnenverbrannt in unsere Betten.

Übernachtung: Pioneer Hostel, Zimmer 1, Prince Rupert
Donnerstag, 06.06.2013
8. Tag

Etwas aufgeregt waren wir schon an diesem Morgen, denn unser erstes Abenteuer stand nun unmittelbar bevor.
Wir fuhren zum Eagle Bluff Hotel, wo wir zusammen mit den anderen Gästen von Ocean Light II Adventures frühstückten. Eigentlich hätten wir hier gerne ein Zimmer genommen, aber das Hotel war schon ausgebucht. Doch unsere Alternative war ebenfalls super und hatte unseren Ansprüchen absolut genügt.
Nach dem guten Frühstück, das aus Müsli, Obst, Joghurt, Eiern mit Speck und Waffeln bestand, ging es los zum Wasserflughafen. Uns stand eine kleine Premiere bevor, denn wir würden zum ersten Mal in unserem Leben mit einem Wasserflugzeug fliegen und dementsprechend hibbelig waren wir. Am Wasserflugzeughafen konnten wir unser Auto direkt bei der Airline abstellen und hatten so wegen unserer zurückbleibenden Sachen ein besseres Gefühl. Dann wurden unsere Rucksäcke und Taschen gewogen. Eigentlich wollte Chris das 500er mitnehmen, aber alle anderen lächelten und sagten, dass wir weder ein Stativ noch das 500er brauchen würden, da wir sehr nah an die Bären heran kämen. Schweren Herzens entschied sich Chris dafür, das gute Stück im Auto zu lassen. Hoffentlich war das eine kluge Entscheidung – den Zwiespalt konnte man ihm so richtig ansehen. Doch für viele Gedanken war keine Zeit, denn schon wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt und zu zwei Wasserflugzeugen gebracht. Leider regnete es an diesem Morgen.
Wir stiegen in den kleinen Flieger, der wie ein Schlitten mit seinen Kufen auf uns wirkte. Dann ging es los. Unser Flieger gab Gas und wir schossen über das Wasser, bis er genug Anlauf genommen hatte und wir uns mühelos in den Himmel erhoben. Ein wirklich cooles Gefühl so ein Flug mit dem Wasserflugzeug.
Das Wetter hatte leider kein Erbarmen mit uns und es schüttete weiter, so dass wir fast nichts von der tollen Landschaft erkennen konnten. Schade, denn so ein Flug mit dem Wasserflugzeug ist echt cool und dazu hätte wirklich ein besseres Wetter gepasst. Die Wolken hingen jedoch sehr tief und es war sehr dunkel, dicke Tropfen liefen an den Scheiben hinab, trotzdem bestaunten wir die wunderbare Weite der Wälder und die verzweigten Wasserarme.
Nach knapp 20 Minuten begannen wir mit dem Landeanflug. Schon von Weitem hatten wir unser Zuhause für die nächsten drei Nächte entdeckt. Das Segelschiff Ocean Light II lag zu unseren Füßen im Wasser verankert und schaute so klein aus. Hier sollen 8 Passagiere und die Crew hineinpassen? Aber irgendwie wird es schon gehen. Unser Flieger landete sicher im Wasser und Tom holte uns mit dem Zodiac ab. Über die Taschen warf er eine Plane als Regenschutz und schon waren wir im Zodiac und fuhren zum Schiff. Die Passagiere der letzten Tour standen an Bord und warteten auf die Abreise. Irgendwie kam mir der eine so bekannt vor. Ich stupste Chris an. „Das ist doch Mike Bedell, der als Fotograf auf unserer Antarktistour dabei war!“ Und wirklich - auch Mike erkannte uns. Er war mit einer Fotogruppe hier auf Tour. Manchmal ist die Welt doch sehr klein!

Jedenfalls gingen wir an Bord und Jenn leitete uns gleich ins Innere des Bootes, damit die anderen in Ruhe abreisen konnten. Hier lernten wir auch Sarah, ihre Tochter kennen, die ihre Eltern auf dem Boot unterstützt.
Nach einer kleinen Einweisung und leckeren selbstgebackenen Keksen, bekam erst einmal jeder eine Tasse mit einer Farbmarkierung zugeteilt, die sozusagen für die Zeit an Bord, einem gehörte. Danach wurden die Betten verteilt und wir bekamen die Honeymoonsuite direkt im Bug des Schiffes, da wir das einzige Paar waren. Klein aber fein und wir hatten kein Doppelstockbett, wie die anderen, sondern ein Doppelbett, das zwar nach vorne hin sehr schmal wurde, aber für unsere Köpfe reichte es allemal. An den Seiten hatten wir ein paar Regale, auf denen wir unser Zeug verstauen konnten. Vor dem Bett war noch etwas Platz zum Reinhopsen und schon kam die Tür. Das Beste war jedoch, das genau über dem Bett ein riesiges Fenster war, durch das wir zur Not auch ein- und aussteigen konnten.
Das Boot war echt gut durchdacht und jeder Platz wurde perfekt genutzt. Es gab zwei Toiletten, eine konnte man sogar zur Dusche umwandeln. Hinten im Boot waren die Privatkabinen von Jenn, Tom und Sarah und in der Mitte der Aufenthaltsraum nebst Küche. Wir waren begeistert und freuten uns riesig, hier drei Nächte verbringen zu dürfen.
Aber wir hatten keine Zeit zum Schauen oder Rasten, denn schon bald ging es zurück aufs Zodiac. Über unsere Hosen zogen wir die Regenhosen, oben herum über das Fleece noch die Regenjacke und auch die Kameras packten wir in ihre Regencapes, denn es goss immer noch wie aus Kübeln. Wer schon mal auf einem Zodiac längere Zeit verbracht hat, der weiß, dass man auf diesem Gummiboot sehr schnell auskühlt und draußen war es nass und es ging ein kalter Wind. Zum Glück waren wir gut eingepackt und trotzdem wurden wir bald klamm und es wirkte so als ob die Nässe durch alle Poren drang. Wir fuhren lange herum, aber kein Bär ließ sich sehen. Dann entdeckte Tom eine Bärin mit zwei dreijährigen Jungen. Doch leider liefen sie davon, als wir uns ihnen näherten. Auch ein anderer Bär hatte keine Lust auf ein Shooting und verschwand sehr schnell, kaum dass wir ihn entdeckt hatten. So gab es erst einmal Lunch. Jeder bekam ein Schinken-Käse Sandwich und Tom reichte Gemüse mit einem schmackhaften Dip herum.
Etwas enttäuscht waren wir ja schon, aber zum Glück steigerte sich der Tag noch. Als erstes ließ der Regen merklich nach und dann kam die Bärin mit den Jungen den Berghang hinab. Sie kletterten auf einen Baumstamm und schauten uns an, dann ging es weiter am Ufer entlang bis zu einer saftigen Wiese, wo alle drei das frische Gras fraßen. Man hörte richtig das Schmatzen und wenn man nicht hinschaute konnte man fast denken, dass man auf einer Almwiese ist und den Kühen beim Grasen zuhört. Es war eine so friedliche Idylle bei den Bären, die nur etwas vom Dauerfeuer der Kameras gestört wurde. Tom bremste die Übereifrigen (unter anderem Chris) immer wieder und sagte, dass man auch genießen muss, denn das vergisst man allzu schnell, wenn man die Kamera vor dem Auge hat. Dann ist man nur noch auf die Bären fixiert und nimmt nichts mehr von der Umgebung wahr.

Nach einigen Stunden fuhren wir wieder zum Schiff zurück und tranken erst einmal einen heißen Kakao. Draußen war es fast windstill und die Landschaft spiegelte sich wunderschön im Wasser. Da machte Tom das Zodiac noch einmal klar und wir fuhren noch eine kleine Landschaftsrunde durch das Khutzeymateen Valley. Hohe Berge und eine ursprüngliche absolut unveränderte Landschaft lagen vor uns. Dichter Regenwald mit Farnen und Flechten wuchs üppig an den Berghängen. Hier gab es nur zwei Segelschiffe, eine kleine Rangerstation, Tiere und eine einzigartige naturbelassene Landschaft.
Als es wieder anfing zu regnen, brachte Tom uns zum Schiff zurück. Wir hängten unsere nassen Sachen in den Maschinenraum, wechselten die Schuhe und gingen in den kuschelig warmen Bootsraum. Drinnen brutzelte schon das Essen im Ofen und verführerische Düfte ließen unsere Mägen knurren.
Jenn ist wirklich eine hervorragende Köchin, denn es duftete nicht nur gut, sondern der Heilbutt-Kartoffel-Auflauf war eine Gaumenfreude. Nicht ein Fitzel blieb übrig und der gute Schokokuchen als Dessert hatte kaum noch Platz im Bauch.
Da wir nach diesem langen Tag ziemlich geschafft waren, zogen wir uns schon bald in unser Zimmer zurück. Dort schauten wir noch ein paar Bilder an und lauschten dem Regen, der unaufhörlich auf unser Dachfenster tropfte.

Übernachtung: Segelschiff Ocean Light II

Freitag, 07.06.2013
9. Tag
Ausschlafen war angesagt, denn wir mussten uns ja nach den Gezeiten richten und so klingelte der Wecker erst um kurz nach 7 Uhr. Das Frühstück genossen wir um 8 Uhr. Guter Kaffee und alles was das Herz begehrt stand auf dem Tisch. Danach gingen wir an Deck und quatschten etwas mit Mehmet, einem sehr liebenswerten professionellen Fotografen, der schon ein paar Mal an Bord war und von der Landschaft und den Bären hier schwärmte. Ein wenig hatten wir ja auch schon gesehen und so konnten wir nur zustimmen. Dies ist ein Ort, an dem die Welt noch richtig funktioniert. Wer hierher kommt, lebt im Einklang mit der Natur. Stille genießen fernab der Hektik des Alltags, hier bestimmen die Gezeiten das Leben. Hier ist das Reich der Natur und der Tiere und nicht der Menschen, die so viel zerstören ohne mit der Wimper zu zucken, die nur an sich und ihre Interessen denken. All das ist hier nebensächlich.
Bis 11 Uhr hatten wir Freizeit, dann machte Tom das Boot klar und wir gingen an Bord, denn erst jetzt war die Flut hoch genug, um ein paar besonders seichte Stellen passieren zu können. An diesem späten Vormittag suchten wir vergeblich nach den Bären. Dafür betrachteten wir intensiver die Landschaft. Lupinen wuchsen überall und auch andere schöne Blumen reckten ihre Köpfchen dem Himmel entgegen. Wasservögel schauten uns interessiert an und wir sie selbstverständlich auch. Hey, das waren ja Gänsesäger, stellten wir erstaunt fest. Sie hatte zwar keine Jungen, aber dafür waren es ca. 6 Paare, die hier zusammen im Wasser schwammen. Auch ein paar Möwen und andere Enten ließen sich bewundern. Doch sie waren natürlich ziemlich scheu und flogen davon, als wir zu nah kamen.
Wir ankerten an einer schönen Stelle und es gab erst einmal Lunch, für jeden ein Käse- Schinken-Sandwich mit viel Salat und Gemüseteile mit Dip, dazu heißen Kakao oder Tee. Da Tom die Gewohnheiten der Bären kannte, warteten wir genau an der richtigen Stelle und kurz nach dem Essen schaute Mama Bär aus dem Gebüsch und kam mit ihren zwei Jungen den Hang hinunter ans Wasser. Sie fraßen erst am Ufer das üppige Gras und schwammen dann auch noch vor uns durch das Wasser, um auf eine vorgelagerte Wiese im Meeresarm zu kommen. Es war so still an Bord, dass man das Schnaufen der Bären beim Schwimmen hören konnte. Als sie an Land gingen schüttelten sie sich und tausende Tropfen flogen in alle Richtungen. Sofort begannen sie zu fressen. Hier konnte man das Abrupfen des Grases hören und sogar die Kaugeräusche der mahlenden Kiefer.
Die Grizzlys sind viel kleiner als ihre Kameraden, die Küstenbraunbären. So kam uns die Bärenmutter schon klein vor und auch ihre dreijährigen Jungen wirkten irgendwie noch wie kleine Bärchen auf uns.
Leider regnete es fast ununterbrochen, doch dank guter Regenbekleidung und Schutzhüllen für die Objektive und Kameras, waren wir zumindest innen warm und trocken. Nur die Hände und das Gesicht waren dauerklamm und kühl. Trotzdem umschwirrten uns Tausende Mücken auf der Suche nach einer Möglichkeit uns anzuzapfen, aber seit Port Hardy war auch Chris gut eingeschmiert und so umkreisten uns die Biester nur dauerhaft. Seine unzähligen Stiche juckten nämlich immer noch und er sah an den Armen und Beinen aus wie ein Streuselkuchen. Doch wer es besser weiß muss halt kratzen und schmiert sich danach wenigstens ein.
An einer tollen Stelle im Wald ankerten wir und gingen an Land. Hier zeigte Tom uns eine Grizzlyspur und erklärte uns, dass die Bären immer den gleichen Weg gehen und dabei ihre eigenen Spuren benutzen. Dementsprechend tief waren die Abdrücke und in den Fußabdrücken wuchs kein Gras mehr. An einem Baum sahen wir frische Kratzstellen und eine Bissspur.

Da wir sehr lange auf dem Zodiac verweilten, trank ich nicht genug, denn das Boot hatte ja keine Toilette, dementsprechend bekam ich rasende Kopfschmerzen und hatte natürlich keine Tablette dabei. Da half nur Trinken! Zum Glück bekam ich die Schmerzen damit in den Griff, denn leider hatte niemand eine Tablette mitgenommen. Suzanna und Nicci schauten mich sehr mitleidig an, denn sie kannten das schon. Da waren wir Frauen mal wieder klar im Nachteil!
Am Nachmittag trafen wir noch einmal auf die Bärin mit den zwei Jungen. Wieder schwammen sie vor uns durch das Wasser. Die Kleinen fingen im Gras an zu raufen und überhörten das Rufen der Bärin. Die kam dann aufgeregt angelaufen und rief nach den Jungen.
Hey, Bärenkinder unterscheiden sich gar nicht so viel von den Menschenkindern, wenn es ums Spielen und Hören geht. Jedenfalls schwammen sie wieder gemeinsam ans Ufer zurück und spielten ausgiebig im Gras. Das war ein Erlebnis und wir hätten uns so was nicht einmal zu hoffen gewagt. Nur ein paar Meter von uns entfernt spielten die Bären und ließen sich von uns überhaupt nicht stören. das war ein ganz besonderer Moment, ein magischer Moment, den ich nie vergessen werde. Überglücklich kehrten wir an Bord zurück. Zum Essen gab es Nudeln mit Lachs und einen fantastischen Salat aus Babyspinat und Joghurt Curry Dressing, der Chris' Augen mal wieder zum Leuchten brachte. Diesmal ließen wir noch etwas mehr Platz für den Nachtisch. Bald darauf suchten wir unser Zimmer auf und fielen erschöpft und sehr zufrieden in unsere Betten.

Übernachtung: Segelschiff Ocean Light II

Samstag, 08.06.2013
10. Tag

Auch an diesem Morgen war Ausschlafen angesagt. Was für ein Luxus, das fühlte sich richtig wie Urlaub an.
Nach dem Frühstück fuhren wir mit dem Segelboot los und kontrollierten ein paar Krabbenkörbe, denn am Abend sollte es eine Krabbenmahlzeit geben. Doch der erste Korb war leer und wir sahen uns enttäuscht an. Jenn sah es und meinte grinsend: „Wir haben ja noch zwei weitere Körbe“ Im zweiten waren ziemlich viele Krabben, doch es stellte sich heraus, dass es nur Weibchen waren, die wurden wieder ins Meer entlassen. So blieb uns noch der letzte Korb. Erwartungsvoll standen wir an Bord und sahen zu, wie er aus dem Meer gezogen wurde. In ihm befanden sich zwei ausgewachsene Männchen. Einerseits freute ich mich und andererseits taten sie mir leid, aber ihr Schicksal war besiegelt.
Mittlerweile waren wir nahe der Rangerstation und Tom wollte Wasser auf dem Schiff nachfüllen. So machten wir hier kurz Rast und schauten uns einen kleinen Ausstellungsraum an.

Mittags ging es dann wieder aufs Zodiac und ziemlich schnell fanden wir die Mum mit den zwei Kids. Sie befanden sich schon auf ihrer Lunchwiese und stopften sich die Bäuche mit frischem Gras voll. Im Hintergrund lagen die Berge, Schneereste gingen an einigen Stellen bis auf die Wiesen hinab. Nachdem die Bären satt waren, schwammen sie ans Ufer zurück, vorbei an dem Zodiac von Jerry vom zweiten Segelschiff mit Passagieren, das sich sehr gut als Farbtupfer machte. Am Ufer warfen uns die Bären noch ein paar Blicke zu und verschwanden dann wieder wie gewohnt im dichten felsigen Wald.
Wir fuhren weiter zu einer wunderschönen Lupinenwiese und gingen dort an Land, um ein paar Blümchenbilder zu machen. Natürlich regnete es wieder, aber die Farben waren einfach unglaublich intensiv.

Nach dem Lunch an Bord des Zodiacs kamen die Bärin und ihre Jungen zurück ans Ufer. Sie kletterten auf einen abgestorbenen Baumstamm, schwammen wieder zur Wiese rüber und das große Fressen ging weiter. Diesmal war Mama Bär jedoch etwas aufgeregt, aber nicht wegen uns, denn sie stand immer wieder auf und scannte die Umgebung ab. Als sie satt waren, sammelten sich die Bären geschlossen am Ufer und schwammen gemeinsam zurück ans Ufer. Kurz geschüttelt und noch etwas am Ufer entlanggelaufen und schon waren sie wieder im Wald verschwunden.
Auf dem Rückweg zum Schiff sahen wir noch einen anderen Bären am Ufer. Er beäugte uns sehr misstrauisch, fraß aber weiter als wir uns ihm näherten. Wir durften ihn eine ganze Zeit beobachten und gerade als wir wieder losfahren wollten, sah einer unserer Mitstreiter einen Wolf kurz zwischen den Bäumen laufen. Alle waren sofort aufmerksam und jeder suchte das Ufer ab. Einzig Chris konnte noch etwas graues Fell erkennen, wir anderen gingen leer aus. Wow, was für ein Glück vorne ein Bär und dahinter sekundenlang ein Wolf, der am Ufer entlanglief. Auch wenn ihn nur die zwei Männer gesehen hatten, so griff doch ihre Aufregung auf uns über. Dies war ein besonderer Tag und wir kehrten sehr zufrieden auf unser Schiff zurück.
Am Nachmittag hatte Mehmet Tom gefragt, ob er hier schon mal Wale gesehen hatte. Tom verneinte, er hätte in 25 Jahren hier noch nie einen Wal gesehen, aber gehört hat er schon, dass Wale bis hierher kommen würden.
Diesmal gab es als Vorspeise Krabbensalat, denn für ein Hauptgericht hätten die zwei Krabben nicht gereicht. Dieser Salat war mit das Beste, was wir bisher an Krabbengerichten gegessen hatten.
Zwischen Vorspeise und Hauptgericht rief Tom auf einmal: „Hier sind Wale!“ Zuerst dachten wir, er macht sich einen Spaß mit uns, aber wir liefen natürlich sofort brav an Deck und wirklich eine Walmutter war bei Flut mit ihrem Baby bis zu unserem Boot geschwommen. Wir sahen die Atemfontainen der beiden und ihre Rückenflossen. Sie schwammen um das Boot herum und tauchten sogar drunter durch, um dann genau vor uns aufzutauchen. Etwas näher an der Reling hätten wir sogar Wasser abbekommen. Ganz genau konnten wir die Atemlöcher erkennen. Es war unglaublich, ein Moment voller Magie und fast schon selbstverständlich, als würden die zwei jeden Tag hier vorbeikommen und nicht das erste Mal seit 25 Jahren. Wir strahlten uns an, wenn das kein magischer Moment war, was dann?! Wir schauten ihnen noch eine Weile zu, bis sie sich immer weiter von uns und dem Boot entfernten und Jenn uns zum Essen rief.
Als Hauptspeise gab es Reis mit Shrimp Curry, das ebenfalls sehr gut schmeckte. Immer wieder schüttelten wir den Kopf und sahen auf den Gesichtern der anderen das gleiche glückliche Grinsen wie auf unseren eigenen. Was für ein phänomenaler Abschluss für diesen einmalig schönen Tag. Wir saßen noch lange in der Küche und quatschten mit Mehmet, Suzanna und Nicci über diesen tollen Tag und vieles mehr. Unser letzter Tag hier im Khutzeymateen war wie ein Geschenk, das wir fest an unser Herz drückten und für immer bewahren werden.
Zu aufgeregt zum Schlafen lagen wir noch lange wach und freuten uns an diesem besonderen Ort gewesen zu sein.

Übernachtung: Segelschiff Ocean Light II
Sonntag, 09.06.2013
11. Tag

Als wir an diesem Morgen erwachten hatten wir keine Zeit für traurige Gedanken oder Abschiedsschmerz, denn draußen zeigte sich die Landschaft noch einmal von einer besonderen Seite. Rings um uns herum war dichter Nebel. Anfangs konnten wir nichts erkennen, nur die Silhouetten der Baumspitzen und die Umrisse unseres Bootes. Etwas später lichtete sich der Nebel etwas und offenbarte uns die ganze Schönheit der Landschaft. Sogar die Sonne kam etwas heraus und beleuchtete ein paar Bäume. Allerspätestens jetzt verstanden wir,  warum die Leute immer wieder hierher kommen und sich immer wieder aufs Neue von der Natur verzaubern ließen. Ich wollte auf keinen Fall hier weg!
Unser Segelschiff fuhr langsam dem Ausgang des Parks entgegen, denn nur dort durften die Wasserflugzeuge landen. Insgeheim hofften wir, dass der Nebel zu dicht für die Flugzeuge wäre und wir noch einen Tag länger bleiben konnten, aber leider wurde nichts daraus. So schossen wir noch ein paar letzte Bilder als die Wasserflugzeuge landeten und warfen den Neuankömmlingen leicht neidische Blicke zu. Doch unser Besuch endete heute hier und so stiegen wir schweren Herzens aber auch mit Vorfreude auf unser nächstes Ziel in den Flieger, der uns zurück nach Prince Rupert brachte. Auch von oben war die Landschaft einfach zauberhaft mit dem Nebel unter uns. Viel zu kurz war der Flug und schon landeten wir wieder im Wasserflughafen. Wir verabschiedeten uns von Mehmet und Susanna. Nicci war einfach an Bord des Schiffes geblieben und würde dort noch drei weitere Nächte verbringen.

Unser Auto stand abfahrbereit im Hafen und wartete unbeschädigt auf uns. Schnell war alles verstaut und schon machten wir uns auf den Weg zum nächsten Safeway, wo wir unsere Vorräte aufstockten und dank des freien Internets unsere Mails checken konnten.
Dann ging es auf den Yellowhead Highway, dem wir bis zum Abzweig nach Stewart/Hyder folgen würden. Die Landschaft war sehr schön unterwegs, aber wir waren schon viel zu verwöhnt, um sie wirklich würdigen zu können. So sehr hatte uns gerade der letzte Morgen im Khutzeymateen beeindruckt. Bei einem jungen Schreiseeadler, der majestätisch auf einer Wurzel saß, hielten wir an und Chris wollte gerade los laufen und ein paar Bilder machen, als ein riesiger Laster vorbeigeschossen kam und der Adler davon flog und sich etwas weiter weg hinsetzte. Dort gelangen Chris zwar noch ein paar Bilder, aber es war nicht das Gleiche wie zuvor. Beim Losfahren schaue ich aus dem Fenster und rufe: „Stopp, da ist ein Bär.“ Der Arme sah aber gar nicht gut aus. Das Fell war räudig und er humpelte. So machte er einen etwas traurigen Eindruck nach den gesunden Bären zuvor.
Unsere Mittagspause machten wir im Klenza Creek Provincial Park, der 15 km östlich von dem Ort Terrace liegt. Hier gibt es auch einen Campingplatz und einen schönen Picknickplatz mit Bänken und Tischen direkt am Fluss.

Als wir später an dem Abzweig nach Stewart ankamen, sahen wir ein großes Schild auf dem vor einer Streckensperrung gewarnt wurde. Wir hatten keine Ahnung ob es uns betraf oder nicht. So ging Chris in der Tankstelle an der Kreuzung nachfragen. Zum Glück wurde die Brücke erst hinter Stewart gewartet und so würden wir kein Problem bekommen, denn am folgenden Tag wäre die Brücke nur für eine Stunde mittags offen. Erleichtert fuhren wir weiter.
Es war bewölkt, aber die Sonne kämpfte sich immer wieder durch die Wolken und je näher wir Stewart kamen, desto schöner wurde es.
Am Bear Glacier hatten wir zwar Gegenlicht, aber wir hielten trotzdem an und machten ein paar Bilder.
Von Stewart in Kanada wechselten wir nach Hyder in Alaska, aber hier gab es nicht wirklich eine Grenze. Nur ein Häuschen in dem wir niemanden sahen. Das wussten wir aber vorher schon und so fuhren wir weiter. Die hohen schneebedeckten Berge schlossen das Tal ein. Wieder eine Traumlandschaft.
In Hyder wurde gerade die Straße geteert und so standen wir mal wieder an einer Baustelle. Wir nutzten die Zeit und fragten gleich nach dem Weg zum Salmon Gletscher, dem vierthöchsten Gletscher Nordamerikas. Die Frau lachte und wies uns geradeaus. Immer dem Weg folgen und wir sollten das schöne Wetter nutzen. Genau das hatten wir vor!
Auf brandneuer Teerstraße fuhren wir entlang des Salmon River unserem Tagesziel entgegen. Hohe schneebedeckte Berge bildeten die natürliche Flussumrandung. Wir kamen an dem Stegsystem des Fish Creek vorbei, wo sich im Herbst die Lachse, Bären und Menschen tummeln, aber momentan lag hier alles im Dornröschenschlaf. Die Landschaft war wieder einmal zum Niederknien, aber wir hatten keine Zeit zum Verweilen, denn die Wolken wurden dichter und wir wollten unbedingt noch bei Sonnenschein den Gletscher erreichen.
Bald verließ die Straße den Fluss und stieg stetig an. Mit der Höhe kam auch der Schnee. Es war irre, wie sich auf einmal entlang der Straße der Schnee auftürmte. Immer wieder ging es um eine Kurve und plötzlich lag die Gletscherzunge vor uns. Was für ein Anblick! Kilometerweit zog sich das Eis dahin, bedeckt von einem fadenscheinigen Tischtuch aus Schnee, aus dem ab und zu etwas blaues Eis hindurchblitzte und etwas von der ganzen Schönheit des Gletschers offenbarte. Zum Glück gab es auf der engen Piste Haltebuchten, denn immer wieder mussten wir staunend anhalten, um einen Blick auf den Gletscher zu werfen. Doch noch ging es stetig bergauf und wir folgten der Straße weiter, bis wir zu einem großen Parkplatz kamen. Hier gab es Tische und Bänke sowie Toilettenhäuschen. Chris war begeistert von unserer heutigen Campsite. Wir stellten unser Auto ab und warfen erst einmal einen Blick auf den Hauptgletscher. Gigantisch! Hier lag noch mehr Schnee auf dem Eis und trotzdem waren wir wie gebannt von seiner Schönheit. Auch die Berge ringsherum lagen noch im schönsten Winterkleid. Die Sonne glitzerte uns entgegen und das Weiß blendete unsere Augen und trotzdem schauten wir immer wieder begeistert hin und strahlten wie die kleinen Kinder beim Anblick ihrer Lieblingssüßigkeit. Nachdem wir uns erst einmal sattgesehen hatten, meldeten sich unsere Mägen und ich begann zu kochen. An diesem Abend gab es frische Knoblauchshrimps mit Salat. Unsere Getränke kühlten wir im Schnee. Später machten wir sogar noch eine kleine Schneeballschlacht, so ausgelassen waren wir. Es war mit 18°C relativ warm an diesem Abend und die Sonne blieb bis ca. 21 Uhr, ehe sie hinter den Bergen verschwand. Zum Sonnenuntergang saßen wir an einer besonders schönen Stelle oberhalb des Gletschers und genossen die Aussicht. Wieder einmal wurde einem bewusst wie klein und unbedeutend der Mensch ist und wie groß und gigantisch die Natur. Dieser Ort war für uns etwas Besonderes und wir genossen jede Minute hier.
Mit Aussicht auf den Gletscher und das Eis schliefen wir an diesem Abend bei immerwährender Dämmerung auf unserer Traumcampsite ein.

Tageskilometer: 505 km
Übernachtung: Salmon Gletscher, Alaska, wild

Montag, 10.06.2013
12. Tag
Chris wurde mal wieder zuerst wach und schnellte kurz vor Sonnenaufgang in die Höhe, denn der Himmel war leicht rosa verfärbt. Schnell sprang er aus dem Bett und fing sofort an, ein paar Bilder zu machen. Ich war da nicht ganz so fix, aber als das erste rote Licht auf den Bergen lag, hatte auch ich es geschafft, aus dem Schlafsack zu klettern. Leider war es hinter den Bergen bewölkt, denn plötzlich war die Sonne weg und kam ewig nicht mehr wieder. Wir machten trotzdem viele Bilder und gönnten uns anschließend ein ausgiebiges Frühstück mit Gletscherblick. Langsam kam die Sonne wieder zwischen den Wolken hervor und kletterte über die Berge. Es war einfach toll, doch da wir den Gletschertag noch in unsere Planung hineingeschoben hatten, mussten wir aufbrechen, denn an diesem Morgen lag ein langer Fahrtag vor uns. So fuhren wir um 7.45 Uhr langsam zurück nach Hyder. Doch so richtig kamen wir nicht vorwärts, denn wir mussten immer wieder anhalten und Bilder machen. Als der Gletscher schließlich außer Sicht war, folgten ein paar Wasserfälle und so brauchten wir ziemlich lange, um in den Ort zu kommen. Dort hielten wir noch am „Bus“, einem urigen Imbiss und kauften frischen Lachs. Von Diana der Besitzerin bekamen wir noch den Tipp, auf der Dumpstation nach einem kleinen Schwarzbären zu schauen, der dort schlafen würde. Den Tipp mit den Schwarzbären an der Dumpstation hatten wir schon von den Fotografen an Bord der Ocean Light II bekommen und so fuhren wir dort hin. Den jungen Bären fanden wir zwar nicht, dafür sahen wir zwei riesige fette Schwarzbären, die sich auf der Wiese tummelten. Leider hatten sie keine Lust auf ein Fotoshooting und verzogen sich schnell, als Chris die Kamera einsatzbereit hatte. Aber wir konnten ihnen noch eine Zeitlang mit den Augen folgen, bis sie im Unterholz verschwanden. Schade, gerade in der Blumenwiese hätten sie echt gut ausgeschaut, aber gesehen hatten wir sie ja.
Als wir den Ort verließen standen wir dann an der Grenze von Alaska nach Kanada. Ein sehr netter Grenzer kam heraus und fragte uns ob wir Bärenspray hätten. Wir verneinten das und verwiesen auf unsere Trillerpfeifen, was ihm nur ein müdes Lächeln entlockte. Schon durften wir passieren und waren zurück in Kanada.
Wieder verweilten wir kurz am Bear Glacier, aber auch diesmal war das Licht nicht besser, denn es war mittlerweile später Vormittag und die Sonne stand schon im Gegenlicht.
Wieder ging es zurück in Richtung Yellowhead Highway im schönen weiten Tal, das links und rechts von hohen Bergen begrenzt wurde. Unterwegs machten wir an einem See Mittagspause. Doch so richtig schmeckte es uns nicht, da wir von Tausenden Mücken belagert wurden. Kurz darauf sahen wir einen jungen Schwarzbären tot auf der Straße liegen. Auch hier fordert der Verkehr täglich das Leben vieler Tiere.
Unterwegs wurden die Wolken dichter und sie begannen sich aufzutürmen, doch immer noch schien die Sonne.
In Smithers stockten wir unsere Vorräte im Safeway auf. Die kurze Pause tat uns richtig gut bei der vielen Fahrerei. Kurz nach der Stadt mussten wir dann anhalten, da die Straße einspurig wurde. Hier wurden kontrolliert Wurzeln und Holz am Straßenrand verbrannt. Die Hitze spürte man sogar noch im Auto und dabei waren das nur große „Lagerfeuer“. Da konnte man sich so richtig die Gewalt eines unkontrollierten Feuers vorstellen.
Das Wetter verschlechterte sich weiter und so regnete es immer wieder, aber zwischenzeitig schien auch immer wieder die Sonne. Kurz vor Fraser sahen wir wieder einen Schwarzbären, diesmal erfreute er sich zum Glück bester Gesundheit und fraß das frische Gras am Straßenrand. Auch das Wetter besserte sich stetig und so schien kurz vor Prince George schon wieder die Sonne. Auf einem Parkplatz aßen wir unser Abendbrot, denn wir wollten noch ein wenig weiterfahren, bevor wir uns eine Übernachtungsmöglichkeit suchten. Hier herrschte relativ viel Verkehr, aber nach Prince George wurde der Highway wieder einsamer. Immer wieder sahen wir Elchwarnschilder, doch nirgends war auch nur ein Elch zu sehen. Einen toten Elch sahen wir dann doch noch am Straßenrand. Er war über und über mit einer weißen Schicht bedeckt. Doch das wirklich Interessante war, daß neben ihm ein Kojote saß, vermutete ich jedenfalls. Doch leider fuhren wir viel zu schnell an ihm vorbei und als wir wendeten, war das hundeähnliche Tier natürlich verschwunden.
Es war schon faszinierend wie lange es hell war, auch unsere innere Uhr hatte sich den Lichtverhältnissen angepasst, so waren wir den ganzen Tag über relativ munter. Doch so ein Fahrtag kostet auch unheimlich viel Energie und so waren wir nach ca. 900 km so langsam bettfertig und schauten uns nach einer Campmöglichkeit um. Doch zuerst sahen wir noch einen Schwarzbären am Straßenrand beim Grasen. Er hatte nicht einmal Angst vor uns und wir beobachteten ihn ein wenig, aber es war schon zu dämmrig, so dass wir bald weiter fuhren.
Um ca. 21.30 Uhr kamen wir am Schild zum Lasalle Lake Campground vorbei und nutzten gleich die Möglichkeit, dort zu übernachten. Die Campsite lag zwar relativ nah an der Straße, aber dafür sehr idyllisch direkt am See. Nur ein Platz war belegt. Wir tranken noch einen Sundowner und kuschelten uns bald darauf in unsere Schlafsäcke.

Tageskilometer: 907 km
Übernachtung: Lasalle Lake Campground, British Columbia, Kanada
Dienstag, 11.06.2013
13. Tag
Nach einer sternenklaren Nacht standen wir bei  1°C um 4 Uhr morgens auf, denn wir wollten unbedingt so früh wie möglich den Wells Gray Provincial Park erreichen.
Einen Kaffee später starteten wir auch schon auf den Highway. Leider sahen wir auch an diesem Morgen nur einen überfahrenen Elchbullen inklusive einiger Lasterteile. Schade, zu gerne hätten wir auch mal einen lebendigen Elch gesehen. Danach kamen wir an zwei Schwarzbären vorbei, die zum Glück lebendig waren und am Straßenrand frühstückten.
Unsere Fahrt führte uns durch endlose Wälder vorbei an schneebedeckten Bergen. Nebel zog sanft über die Wiesen dahin. Wieder waren wir inmitten einer Bilderbuchlandschaft. Dazu hörten wir sehr passende Indianermusik.

Als wir in Clearwater ankamen war es immer noch relativ früh am Morgen. So hatte das Visitor Center noch nicht offen. Dafür fanden wir die Flour Meadow Bakery & Cafe. Eine urige Bäckerei in einem schönen Blockhaus, die seit 2007 von Kristian und Monika aus Leipzig geführt wird.
Hier versorgten wir uns mit frischem Brot und Kuchenteilchen und natürlich einem guten Milchkaffee. Dann ging es auch schon weiter in Richtung Wells Gray Provincial Park. Zuerst erreichten wir die Spahats Falls. Ein großer Parkplatz ließ erahnen, was hier so in den Sommermonaten an Publikumsverkehr zu erwarten war. Doch an diesem Morgen waren nur wenige Autos außer uns da. Am Rand stand ein Stand an dem eine Frau frische Waffeln anbot. Wir waren jedoch satt von den leckeren Teilchen aus der Bäckerei. Wir folgten dem Wanderweg zu den Fällen der parallel zur Flussrichtung verläuft, so dass wir nach 250 Metern den Wasserfall erreichten. Die Spahats Falls lagen am Morgen im Gegenlicht. Hier hat sich der Spahats Creek seinen Weg durch das Vulkangestein gesucht, mittlerweile 120 Meter unterhalb der Canyon Abbruchkante und stürzt 60 Meter hinab in den Creek Canyon, wo er kurz darauf in den Clearwater River mündet. Zu unserem nächsten Ziel fuhren wir eine 3,6 km lange steile und sehr kurvige Schotterstraße, die uns zum Green Mountain Tower - einem Aussichtsturm brachte. Hier hat man einen sehr schönen Überblick über den südlichen Teil des Wells Gray Parks und die umliegenden Berge. Danach ging es weiter auf der Valley Road bis wir den Parkplatz zu den Dawson Falls erreichten. Nach einer kleinen ca. 10 Minuten Wanderung durch schönen Wald, erreichten wir den ersten Aussichtspunkt auf den Wasserfall. Hier fließt der Murtle River mit einer Breite von ca. 90 Metern und einer Fallhöhe von 18 Metern über die Kante. An diesem Wasserfall begeistert weniger die Höhe als die Unmenge an Wasser, die sich hier ihren Weg über die Felsen bahnt. Das Licht war diesmal deutlich besser und wir wanderten weiter zum zweiten Aussichtspunkt, von dem man direkt auf die Abbruchkante schaut. Wahnsinn, erst hier bekommt man so richtig ein Gefühl für die Menge und Geschwindigkeit des Wassers. Je länger man hinsah desto mehr wurde man in den Sog des Wassers gezogen, ja fast schon hypnotisiert. Dank einer Absperrung konnte aber nichts passieren. Die Gischt schäumte von der Kraft des Wassers und das Tosen war unglaublich laut. Als nächstes besuchten wir die Helmcken Falls, die auch wieder ein paar Kilometer weiter nördlich durch eine Stichstraße zu erreichen waren. Nach einer kurzen Wanderung erreichten wir auch hier den Wasserfall. Hier hatte sich der Murtle River tief in das Vulkangestein gegraben, sammelt sich in einer kleinen Höhle, aus der er dann 137 Meter tief in den Canyon stürzt. Für uns war dies der schönste Wasserfall im Park. Auch hier wäre jedoch das Licht am Nachmittag deutlich besser und so setzten wir unsere Fahrt durch den Park fort. Wir hielten noch an einigen Parkbuchten mit Ausblick auf den Fluss bis wir den nördlichsten Punkt des Parks, den großen Clearwater Lake erreichten. Dort gibt es einen riesigen Campingplatz mit Versorgungsmöglichkeiten, sowie ein Mini-Restaurant mit Terrasse und herrlichem Blick auf den See und einen Bootsverleih. Das Beste für uns waren jedoch die Münzduschen, wo man für 2$ 3 Minuten duschen konnte, was wir sofort ausgiebig nutzten. Frisch gewaschen und gekleidet stürzten wir uns wieder in den Park, denn mittlerweile war es mittags und Chris wollte unbedingt die vielgepriesenen Buffalo Burger kosten. Leider war der Ausflug zu der Ranch umsonst, denn aus Personalmangelgründen war das Restaurant geschlossen. Der Abstecher aus dem Park hinaus war zwar umsonst, aber dafür sahen wir auf dem Rückweg unseren ersten Schwarzbären im Park. Er fraß sich durch das saftige Gras einer Pusteblumenwiese und war überall mit kleinen Fallschirmen übersät. Wir stellten uns zu dem Aussichtspunkt auf das Spahat Valley und machten dort Mittagspause. Zu unserem frischen knusprigen Brot gab es geräucherten Heilbutt und Gemüse mit Dipp. Wer braucht da schon Büffel-Burger?! Zurück im Park lief uns dann noch ein kleiner Fuchs über den Weg, schaute sich kurz um und verschwand im Gebüsch. In der Nähe der Dawson Falls sahen wir wieder unseren Schwarzbären und beobachteten ihn eine Zeitlang. Wir wanderten noch einmal zu den Dawson Falls, da das Licht sich total verändert hatte. Doch diesmal hing eine Regenfront über den Fällen. Mit skeptischen Blicken beäugten wir die Wolken. Mist, der Regen würde uns treffen. Doch vorerst hielt das Wetter noch. Wieder toste das Wasser nur so an uns vorbei, so dass man kaum sein eigenes Wort verstand. Auf dem Rückweg machten wir noch ein paar Bilder von einer Wurzel mit ein paar Blümchen. Mir gefiel das Motiv so gut, dass ich mich gar nicht losreißen konnte. Da wir an der Nähe der Bushaltestelle fast direkt an der Straße waren, wollte Chris schon mal das Auto holen, denn wir hatten bis zum Parkplatz noch knapp einen Kilometer vor uns. Mittlerweile hatten die Wolken schon die Sonne verdeckt und es ging ein leichter Wind. Doch weil wir ja hier in der Nähe den Bären gesehen hatten, verzichtete ich auf das Auto und wir gingen gemeinsam zum Parkplatz vor. Das war auch gut so, denn genau an der Bushaltestelle stand unser Bär. Wir fuhren weiter zu den Helmcken Falls, denn auch hier wollten wir uns den Fall noch einmal vor der Regenwandkulisse anschauen. Doch das Vorhaben mussten wir auf später verschieben, denn unterwegs begann es wie aus Kübeln zu gießen. Mitten im Regen lief ein brauner Schwarzbär auch Cinnamon genannt über die Straße. Für ein Foto reichte es leider nicht, denn es war viel zu dunkel und der Regen floss nur so die Scheiben hinab. Wir schauten dem Bären etwas zu und fuhren dann zu dem Wasserfall, wo wir uns auf den Parkplatz stellten und auf eine Regenpause warteten. Unserem Thermometer konnten wir beim Temperaturfall zuschauen von einstmals 20°C stand es mittlerweile auf 10°C, das war wirklich nicht mehr gemütlich. Chris hatte die gute Idee, dass wir "Mr. Brooks" zu Ende schauen könnten. Gesagt getan und wirklich als der Film aus war, hörte auch der Regen auf. Die Chance nutzten wir und brachen sofort zu dem Wasserfall auf. Nach diesem aufregenden Thriller war uns schon etwas mulmig zumute, zumal wir ganz alleine den Weg zu den Fällen gingen. Bei jedem Knacken oder Rascheln schaute ich gleich auf, aber entweder war es nur ein Eichhörnchen oder es kamen doch noch ein paar Leute. Dafür war die Stimmung an den Helmcken Falls unbeschreiblich toll. Es passte irgendwie alles, das fast nicht vorhandene Licht, die Gischt im Wasserfall und die ganze Stimmung. Begeistert machten wir ein paar Bilder und fuhren dann auf den Pyramid Campground, ein schöner Platz mit großen Stellplätzen und wenig Bewuchs. Dies war leider an diesem Tag nicht ganz so optimal, denn mittlerweile goss es wieder. Doch unser Fleisch musste weg und so warf Chris den Grill an. Mit meinem Schirm schütze Chris das Feuer. Der Schirm stank noch Wochen später wie frisch geräuchert und wir konnten ihn anhand des Geruchs mühelos überall finden. Dafür schmeckte das Fleisch wieder besonders gut. Auch wenn wir an diesem Abend viel lachten und sicherlich die Einzigen auf dem ganzen Campingplatz waren, die mitten im Regen ein Feuer hatten, das wir mit einem Schirm beschützen mussten, brauchte ich solch einen Abend nicht so schnell wieder.

Übernachtung: Pyramid Campground, Wells Gray Provincial Park

Mittwoch, 12.06.2013
14. Tag
Nach einer regenreichen Nacht hatte es zwar aufgehört zu regnen, aber alles war klamm und nass. So kochten wir nur schnell einen Kaffee und tranken ihn im Auto. Noch immer lag eine dichte Bewölkung über dem Park und dementsprechend dunkel war es an den Wasserfällen. Wir schauten uns trotzdem noch einmal die Helmcken und Dawson Falls an. Unterwegs trafen wir noch einmal auf unseren Cinnamon Bären, der uns eine Audienz gewährte. Auch außerhalb des Parks sahen wir noch einmal einen Schwarzbären, aber der lief kaum dass wir bremsten auf und davon.
In Clearwater fuhren wir zum Waschsalon, der gerade in dem Augenblick öffnete. Während ich mich um die Wäsche kümmerte, versorgte Chris unser Auto mit Sprit und holte bei unserer leckeren Bäckerei Kaffee und Teilchen, die wir in der Morgensonne genüsslich verspeisten. Für eine Ladung Wäsche mit Trockner brauchten wir ca. eine Stunde. Danach machten wir uns auf den Weg zum Jasper Nationalpark.
footer