Amerika 2016

"Indian Summer mit Hindernissen"

In diesem Herbst wollten wir mal wieder nach Amerika, denn es gab so viele Orte, die wir unbedingt noch einmal besuchen wollten und so viele neue Orte, die wir unbedingt kennenlernen wollten. So wurde die Planung ein wenig zur Herausforderung. Der Südwesten sollte unbedingt dabei sein, aber es zog uns auch nach Texas, wo wir den Caddo Lake erkunden wollten. Dazwischen lagen so viele Nationalparks, dass wir gar nicht wussten, wohin wir zuerst reisen sollten. Ganz verrückt wurde es, als unsere Freunde Alois und Lisa, die zur gleichen Zeit in Amerika unterwegs sein würden, uns erzählten, dass sie in die Gand Tetons und Yellowstone Nationalpark fahren würden, um dort den Indian Summer zu erleben. Da wir diese zwei Gegenden neben Afrika wie unser zweites Zuhause lieben, kamen wir nicht umhin, auch diese Nationalparks in unsere Route mit einzuarbeiten, zumal wir uns einen farbenfrohen Herbst erhofften.
Untrennbar ist für uns in Amerika das Wandern mit dem Fotografieren gekoppelt, denn manche Orte muss man erst erwandern, um sie in voller Schönheit genießen zu können. So mussten wir dementsprechend viel Zeit an bestimmten Orten einplanen.
Mit diesen Eckpunkten machte ich mich an die Planung und es entstand eine coole Reise, die uns mit dem Mietwagen von Denver bis nach Houston bringen sollte und alle wichtigen Eckpunkte beinhaltete. Aber das war es nicht mit den Herausforderungen, denn Manches ergibt sich erst unterwegs, ob man möchte oder nicht und so lief diesmal nicht alles glatt und die Reise blieb eine Herausforderung - besonders für Chris. Doch was wäre Chris für ein Mensch, wenn er sich nicht jeder Situation stellen würde und diese mit Bravour meistern würde.
Aber zu viel möchte ich noch nicht verraten. Also lest selbst und folgt uns durch die wunderschöne Herbstlandschaft der Rocky Mountains, die einzigartige rote Steinwelt des Südwestens, die faszinierende Kultur der Indianer bis hin zu den Städten Texas und der märchenhaften Schönheit des Caddo Lakes, mit einem Hauch von Südstaaten Flair.

Freitag, der 23.9.2016
1. Tag

Um 6.45 Uhr klingelte uns der Wecker aus dem Schlaf. Da war er wieder, der lang ersehnte Abflugtag mit all seinen Vor- und Nachteilen. Haben wir an alles gedacht? Ist alles fertig gepackt? Doch diesmal waren wir gar nicht schlecht und hatten wirklich alles fix und fertig. Drei Taschen mit Campingausrüstung, Klamotten für Sommer und Winter, Stativen und anderem Fotozubehör usw. standen abflugbereit vor der Tür und warteten auf den Startschuss. Wir frühstückten und dann kam der unangenehme Teil – die Verabschiedung von unseren Katzen, die uns mit jedem Jahr schwerer fällt. Als die Tür dann endlich ins Schloss gefallen war und ich vor dem Auto stand, musste ich doch noch einmal zurück und die Süßen ein letztes Mal herzen nur für mich alleine – wie immer und vor jeder Reise.
Da ich am Vorabend kein Ticket erhalten hatte, konnten wir unser Gepäck nicht am Automaten der Lufthansa aufgeben, sondern mussten zum Schalter. Hier stapelten sich mal wieder die Massen, aber es ging erstaunlich schnell. Die nette Dame von der Lufthansa wusste angeblich auch nicht, warum ich kein Ticket bekommen hatte und stelle mir ein aus.
Wie immer gab es einen Muntermacherkaffee bei McDonald´s, dann checkten wir auch schon ein. Da ich so wenig vertrauensvoll bin, bekam ich am Gate noch einen extra Check und musste wie ein Verbrecher separat noch einmal mein Hab und Gut scannen und auf Sprengstoff testen lassen, während Chris auf direktem Wege zum Gate gehen durfte. Während mir etwas mulmig wurde, hatte er ein Lächeln auf den Lippen und riss Scherze….  War aber alles halb so wild. Angeblich sucht ein Zufallsgenerator Kandidaten heraus und diese müssen noch einmal extra kontrolliert werden, erklärte mir die Dame von der Sicherheit. Hm, war es das jetzt, oder ging das etwa in Amerika so weiter – schoss es mir so durch den Kopf. So blieb ein fader Beigeschmack, aber ich bin ja vor einem Flug immer megaentspannt und überhaupt nicht nervös – macht ja alles nichts… grrrr!

Zum Glück war die Bordunterhaltung sehr gut und so waren wir die nächsten Stunden abgelenkt und voll im Filmwahn, zwischendrin aßen wir schnell mal was und weiter ging es mit dem nächsten Kinohighlight. Die Zeit bis zur Landung in Denver verging wie im Fluge und schon standen wir in der Schlange an der Einreise. Chris entspannt und ich mit etwas Herzflattern. Doch das erwies sich zum Glück als nicht nötig. Zuerst mussten wir an einem Automaten einreisen, doch dann kam doch noch eine zweite Einreise bei einem Beamten. Ein wenig zuckte ich schon zusammen als der Beamte rechts außen eine Frau vor uns zurechtwies und wir natürlich ausgerechnet zu ihm mussten, aber er war total nett und sprach sogar ein paar Brocken Deutsch, wie rechter Daumen und linker Daumen. Als wir ihm dann noch erzählten, dass wir in den Yellostone Nationalpark fahren würden, strahlte er uns an und sagte, dass er gerade von dort zurück sein. Schon waren wir durch und standen vor dem Gepäckband und nahmen unsere Taschen in Empfang.
Ein Bus brachte uns zu Alamo, unserem Autovermieter. Auch dort hatten wir einen echt netten Mitarbeiter. Chris fragte nach einem Upgrade und er machte uns einen guten Preis für die nächst bessere Autoklasse, denn unser gebuchter Standard SUV sah ziemlich klein aus und darin wollten wir ja die nächsten Wochen campen. Chris hatte eh schon „Herzaugen“ und nur noch Blicke für den hübschen weißen Dodge Durango, während die anderen zwei Standardwagen unbeachtet auf dem Parkplatz standen. So entschieden wir uns für das einzige verfügbare Auto der besseren Kategorie, der gerade frisch gewaschen blitzblank vor uns stand und uns zuzublinzeln schien.
Um 16.00 Uhr waren wir schon unterwegs und rollten in Richtung Rocky Mountain Nationalpark, wo wir eine  Campsite reserviert hatten. Das Wetter war super schön, die Sonne lachte vom Himmel und es war richtig warm bei gut 30 °C.
Unterwegs machte Chris sich mit dem Wagen vertraut und spielte unter anderem an den Knöpfen am Spiegel herum. Auf einmal wählte es und auf dem Display erschien die 911… Etwas panisch versuchte er das Telefonat zu unterdrücken, aber das klappte nicht und so war auf einmal am anderen Ende der Leitung eine nette Dame vom Notruf. Wir erklärten ihr, dass wir aus Versehen den Knopf betätigt hatten und sich das Telefon nicht mehr abschalten ließ und entschuldigten uns bei ihr für die Umstände. War aber zum Glück nicht weiter schlimm, aber nun wussten wir auch, wo der Notruf saß und vor allem, dass er auch funktionierte. Das Auto war echt auf dem neusten Stand, so hatten wir Satellitenradio, über das wir auch das Wetter der Regionen abrufen konnten. In Longdale stürmten wir dann den hiesigen Walmart und kauften Vorräte und Campingzubehör wie eine große Kühlbox, Kisten, Kissen und vieles mehr ein. Leider war die Auswahl nicht so riesig, aber fürs erste langte es.
Um 19.00 Uhr kamen wir dann nach 74 Meilen im Rocky Mountain Nationalpark an. Die Landschaft war auch in der Dämmerung traumhaft. Auf riesigen Weideflächen fraßen Wapitis (Cervus canadensis), die im englischen etwas verwirrend Elks genannt werden. Dahinter standen die Silhouetten riesiger Bäume und hinter denen ragten die schneebedeckten Berge auf. Überall standen Autos und Menschen liefen herum unter den wachsamen Blicken der Ranger. Da es jedoch schon fast dunkel war und wir nach der langen Anreise nur noch schlafen wollten, blieben wir auf unserem Weg und fuhren zum Campingplatz. Direkt an der Einfahrt stand ein Schild mit der Aufschrift „Full“. Das hatten wir ja schon gewusst, denn wir hatten ein paar Tage zuvor Online die letzte verfügbare Campsite gebucht.
Am Eingang erklärte uns der Ranger, wo unsere Campsite lag und wie wir dorthin finden würden. Das war zum Glück kein Problem. Die Campsite wäre echt toll gewesen. Sie lag auf einem kleinen Hügel mit einer schönen Feuerstelle und die Nachbarn waren alle etwas weiter weg, aber wir hatten keine Lust für eine Nacht das Zelt aufzubauen und richteten uns im Auto ein. Hier im Park wären wir gerne länger geblieben, aber leider hatten wir wie immer viel zu wenig Zeit und mussten uns mit einer Nacht begnügen. Zum Abendbrot gab es belegte Brote und ein Bier bzw. Cidre, danach legten wir uns schlafen.
Im Nachhinein waren wir ganz froh, das Zelt nicht aufgebaut zu haben, denn nachts regnete es immer wieder und ein heftiger Wind blies mit voller Wucht. Es war eisig kalt draußen. Einzig der Mond ärgerte uns ein wenig, denn er strahlte immer wieder freundlich in unser Auto und weckte uns ständig.

Übernachtung: Moraine Park Campground, Rocky Mountain Nationalpark

Samstag, der 24.09.2016
2. Tag

Um 6.00 Uhr morgens standen wir fröstelnd bei knapp unter 0 °C auf. Auf der Campsite herrschte schon geschäftiges Treiben und wir waren bei weitem nicht die Ersten. Viele Autos fuhren schon los. Wir brauchten jedoch nicht lange und machten uns auf den Weg zum Bear Lake, wo wir den Sonnenaufgang verbringen wollten. Es wurde immer kälter und so schneite es bzw. hatte Frost, was wir dank dem heftigen Wind umso stärker zu spüren bekamen. Trotzdem war der Sonnenaufgang am See wunderschön. Die Berge lagen in dichten Wolken und der Wind peitschte über das Wasser. Schneeflocken tanzten um unsere Köpfe. Doch das Licht verzauberte uns, denn anfangs kam  die Sonne heraus und die Berge mit ihren Wolkenmützen fingen an, orange zu leuchten. Das war unbeschreiblich schön, trotz klammer Finger und schmerzenden Gesichtern. Auch hier war schon viel los. Wanderer machten sich auf den Weg und mit uns waren einige andere Fotografen da und genossen das Schauspiel. Wir blieben bis ca. 7.00 Uhr, dann zog es zu und wir fuhren langsam aus dem Park.

Bei einem Starbucks in Estes Park gab es dann Lebenselixier und warme Kuchenteilchen, die hervorragend schmeckten und uns wieder aufwärmten. Als wir uns etwas von den Rockies entfernt hatten, verzogen sich auch die Wolken und der Himmel wurde blau. Wir folgten der Straße, die hier draußen viel einsamer war, als um Denver herum und näherten uns langsam unserem Ziel, dem Grand Teton Nationalpark. Doch je näher wir kamen, desto schlechter wurde das Wetter. Bei 3 °C und Regen arbeiteten die Scheibenwischer auf Hochtouren, wieder fegten Windböen über die Straßen und die Bäume bogen sich. Das Gras war herbstlich gelb und auch die Bäume hatten zum Teil schon ihr Herbstkleid an. Immer wieder sahen wir Pronghorns-zu Deutsch Gabelböcke (Antilocapra americana) auf den Feldern grasen.

Unterwegs kauften wir noch im Walmart für den heutigen Tag ein. Laut unserer Satelliten Wettervorhersagen hätten wir schon längst unter der Schlechtwetterfront durch sein müssen, aber es regnete immer noch und die Ausläufer des Unwetters schienen uns zu begleiten. Na, das konnte ja heiter werden… Dafür wurde die Landschaft immer herbstlicher. Eigentlich hätte der Peak der Laubfärbung in diesem Gebiet erst Ende September sein sollen, aber dieses Jahr hatte die Laubverfärbung schon viel eher eingesetzt. So hatten wir schon Angst, dass wir zu spät dran wären. Aber dem war nicht so. Wunderschön standen die Laubbäume in voller Pracht vor uns. Je näher wir den Tetons kamen, desto schöner und gelber wurden sie. Zum Glück hängten wir auch das schlechte Wetter ganz gut ab und kamen gerade rechtzeitig zum späten Licht am Moulton Barn vor der Teton Range an. An den Bergen klebten noch die Reste der Schlechtwetterwolken und gaben ein dramatisches Bild ab, während im Vordergrund der Moulton Barn vor den schönsten Laubbäumen steht. Es war wunderschön!
Dank Alois wussten wir, dass unsere Lieblingscampsite „Jenny Lake“ geschlossen war, aber er hatte eine kostenlose Campsite gefunden und uns den Weg beschrieben.

Im Dunkeln fuhren wir also auf der Hauptstraße zur Triangle X Ranch und suchten uns den Weg, den Berg hinauf. Dort sollte die „wilde“ Campsite sein. Nachdem wir uns erst auf der Ranch verfahren hatten, fanden wir schließlich den richtigen Weg und fuhren langsam den Berg hinauf. Auf einem Plateau war eine große Fläche BML Land, wo sich schon etliche Camper eingefunden hatten. Anfangs wollten wir uns auch dort hinstellen, aber dann entschieden wir uns für eine nette Nische im Wald, wo wir uns häuslich einrichteten. Chris machte gleich ein Feuer in einer angelegten Feuerstelle und wir weihten unsere neuen Stühle ein, die wir nah ans Feuer stellten, um uns zu wärmen. Wir grillten Lachs und genossen in unseren neuen Gläsern kühlen Weißwein, dazu knisterte das Feuer. Wir waren angekommen und in diesem Moment gab es keinen anderen Ort auf der Welt, an dem wir lieber gewesen wären. Dazu hallte von unseren Nachbarn sehr passend ZZ Top durch den Wald. Wir saßen noch lange draußen und genossen den Abend, ehe wir in unsere Schlafsäcke krochen.

Übernachtung: Wilde Campsite,  Grand Teton Nationalpark

Sonntag, der 25.09.2016
3. Tag

Über Nacht war es noch einmal so richtig kalt geworden und so standen wir bei frischen - 4 °C auf. Zum Glück kochten wir uns einen Kaffee, der in unseren Thermobehältern erstaunlich lange warm blieb und stellten die Heizung auf Maximum. Leider hatten wir ein dummes Problem, denn wir konnten unsere Innenbeleuchtung nicht abstellen. Egal was wir probierten, das Licht blieb an. So fuhren wir hell leuchtend Schwabacher Landing entgegen, wo wir den Sonnenaufgang verbringen wollten. Wir waren wirklich sehr früh dran, aber der Parkplatz war schon voll. So bekamen wir den allerletzten Platz an der Seite und schüttelten ungläubig die Köpfe. Was war denn hier los?
Als wir uns der schönsten Stelle näherten, waren hier Menschen über Menschen. Das war ja gar nichts für mich. Während Chris sich einen super guten Platz ergatterte und sich zwischen zwei amerikanischen Fotografen quetschte, ging ich langsam weiter nach hinten, wo ich mir etwas mehr Luft zum Atmen erhoffte. Unterwegs machte ich ein paar Bilder vom Flusslauf und patschte natürlich prompt in eine tiefe Pfütze. Na super, jetzt war auch noch mein Fuß pitschnass und das bei Minusgraden… Egal, der Weg zum Auto zurück war einfach zu weit und so ging ich weiter. Aber auch an der hinteren Stelle war unglaublich viel los. Hier stapelte sich eine chinesische Fotogruppe, aber zum Glück genau an einer Stelle und so konnte ich mich zwischen zwei andere Fotografen stellen und den Sonnenaufgang abwarten. Dichter Nebel hing an den Bergen und hüllte sie ein. Mit Sonnenaufgang lichtete sich kurz der Nebel und gab einen Blick auf die rotleuchtenden Berggipfel frei. Doch dann zog sich der Schleier wieder zu und verhüllte die Gipfel. So blieb es, bis es hell war, dann lichtete sich der Nebel und ein atemberaubender Herbstmorgen begann. Das Licht ließ das Gelb der Espen noch mehr leuchten, hinzu kamen der Nebel, der an den Bergen hing und die wunderschöne Spiegelung der Teton Range mit der Cathedral Group und natürlich dem höchsten Gipfel den Grand Teton (4199 m). An meinem Platz schwammen Biber vorbei und bis auf das Geschnatter der Chinesen war es idyllisch und fast schon mystisch mit dem Nebel und der Stimmung.
Als ich mal kurz meine Kamera alleine ließ, um nach einer anderen Position zu schauen, hatten sich doch glatt drei Chinesen über, unter und neben mir platziert. Die waren echt dreist und hatten keinerlei Berührungsängste. Erst als ich einem auf die Schulter tippte und anzeigte, dass ich fotografieren möchte, rückten sie etwas, obwohl neben mir genug Platz frei war. Aber das hatten wir schon öfters festgestellt und ich musste an die Plitvicer Seen denken, wo Chris fotografierte und ich auf einer Bank saß und einen Chinesen beobachtete, der direkt unter Chris Stativ kletterte und von dort fotografierte, um exakt die gleiche Position zu haben.
Etwas später ging ich zurück zu Chris, der immer noch gebannt an seinem Platz stand und mit den netten Jungs redete, die hier schon seit Mitternacht Zeit verbracht hatten. Der Platz hier war wirklich ein Traum mit den Laubbäumen, der Teton Range im Hintergrund und der glatten Spiegelung des Wasser. Mittlerweile hatten sich auch die Massen etwas gelichtet und man konnte wieder bequem fotografieren. So machten wir noch ein paar Einstellungen und wanderten dann zum Auto vor.

Wir fuhren jedoch nicht weit, sondern hielten gleich am nächsten Parkplatz. Diesmal wollten wir uns auch den Flusslauf des Snake Rivers anschauen. Hier waren wir fast alleine und es war genauso schön wie am hinteren Platz. Die Teton Range spiegelte sich im Wasser, Biberdämme trugen zu einer perfekten Spiegelung bei und der Herbstwald war ebenso schön.
Danach fuhren wir zur Aussicht „Blacktail Ponds Overlook“. Von hier oben war die ganze Herbstpracht noch viel eindrucksvoller. Die Sonne schien mit voller Kraft und es wurde langsam warm. Ein paar Leute erzählten uns, dass etwas weiter hinten ein junger Elchbulle steht und so wanderten wir den Weg an der Abbruchkante entlang und wirklich, neben einem dichten Strauch entdeckten wir den Elch und konnten ihn sogar etwas beobachten.

Später fuhren wir noch zu den Mormonen Barns im Morgenlicht. Hier waren, wie schon erwartet, sehr viele Leute, aber das Licht war super schön und die Bäume in ihrem Herbstkleid fantastisch. Chris fotografierte noch einen riesigen Virginia Uhu, die es sich in einem Baum gemütlich gemacht hatte und auf die Nacht wartete.
Mittags holten wir uns im Dornan's Chuckwagon Kaffee und Sandwiches, die wir am Aussichtspunkt Blacktail Ponds Overlook essen wollten. Dazu stellten wir uns unsere Stühle an die Abbruchkante und genossen unser Mittagessen mit Aussicht. Die Wolken hingen anfangs noch an den Bergen, aber im Laufe der Zeit lösten sie sich immer mehr und stiegen in den Himmel auf, wo sie dann verpufften.
Als wir nach dem Mittag noch ein wenig fotografierten, entdeckten wir noch eine Elchkuh mit Jungtier, die unter uns durch die Büsche wanderte.

Wir fuhren noch ein wenig durch den Park und genossen die Wärme des perfekten Herbsttages.
Am Jackson Lake Damm hielten wir und Chris versuchte, die Sicherung für das Innenlicht zu finden, denn wir bekamen es einfach nicht aus. Ich setzte mich nach draußen und blätterte in der Betriebsanleitung und suchte nach einer Lösung. Da sprach mich eine nette Amerikanerin an und fragte, ob sie uns helfen könne. Ich schilderte ihr unser Problem und wir schauten gemeinsam. Chris, gesellte sich zu uns, aber irgendwie kamen wir dem Problem nicht auf die Spur. Da hatte die Frau eine Idee. Sie sagte, dass es in ihrem Auto – einem Ford - einen Schalter gäbe, mit dem sie das Innenlicht an und ausschalten könne. Der ist hier, zeigte sie uns und kippte den Schalter und Voila das Licht war aus. Der Schalter war kombiniert mit der Helligkeit des Displays und Chris war wohl aus Versehen mit dem Knie dagegen gekommen. Normal ist der Schalter oben an der Beleuchtung und nicht unten! Wir hätten sie am liebsten zu Boden geknutscht, denn es war echt nervig – besonders nachts und am frühen Morgen und wir hatten uns schon in eine Werkstatt fahren sehen, denn nirgends wurde dieser Schalter, der eigentlich für das Helligkeit des Displays war, in der Bedienungsanleitung beschrieben. Wir bedankten uns überschwänglich, ehe wir uns wieder vergnügt auf den Weg machten.
Wir spazierten noch über den Damm und beobachteten ein Reh genauer gesagt einen Maultierhirsch (Odocoileus hemionus – en: mule deer) mit Zwillingen. Die waren überhaupt nicht scheu und nur an den leckeren Blättern der Zweige interessiert. 
Den Abend verbrachten wir am Oxbow Bend, der bekannten Flusschleife des Snake Rivers mit einer wunderbaren Aussicht auf den Mount Moran (3842m) und die umliegenden Berge. Das Wetter war fast zu perfekt, denn der Himmel war tiefblau und nur ein paar Miniwolken waren zu sehen.  Der Indian Summer strahlte in voller Pracht, so dass wir zufrieden die Schönheit der Natur genossen, bis die Sonne hinter den Bergen verschwunden war.
Mit der Dämmerung kam auch die Kälte zurück und wir suchten unsere Campsite auf dem Hügel auf. Zum Glück war unsere kleine Nische noch frei. Mittlerweile hatten wir auch den offiziellen Weg gefunden und mussten nicht mehr umständlich über die Ranch fahren. Wieder machten wir ein schönes Lagerfeuer, grillten gemütlich und wärmten uns am knisternden Feuer. Ein wundervoller Tag ging zu Ende.

Übernachtung: Wilde Campsite,  Grand Teton Nationalpark

Montag, 26.09.2016
4. Tag

Bei ca. -1°C kletterten wir aus unseren Schlafsäcken. Der Kaffee kochte während wir zusammenpackten.
An diesem Morgen fuhren wir zum Oxbow Bend, einer Flussschleife des Snake Rivers  und wollten hier den Sonnenaufgang verbringen. Da wir etwas zeitiger als am Vortag dran waren, konnten wir uns unsere Plätze aussuchen. Wieder war es sehr kühl und ein heißer Schluck Kaffee tat gut.
Nebel lag über dem Fluss, nur vereinzelt hörte man ein paar Kanadagänse schnattern. Das Wasser plätscherte und die Bäume spiegelten sich schimmernd im Mondlicht. Chris machte noch ein paar Nachtaufnahmen, dann begann es auch schon zu dämmern und der Erdschatten zog zartrosa hinter den Bergen auf.
Ab und zu sprang ein Fisch und weite Kreise durchzogen das glatte Wasser. Ein Gänsesäger schwamm auf der Suche nach einer Frühstücksportion den Fluss entlang. Es war so harmonisch und friedlich hier.
Das erste Sonnenlicht färbte die Bergspitzen rosa und zog dann langsam immer weiter die Bäumen hinab und dem Wasser entgegen. Mit der Sonne kam auch die Wärme. Das Licht war wunderschön an diesem fast wolkenlosen Morgen. Nachdem wir am Ufer allerlei Einstellungen gemacht hatten, kletterten wir noch auf den Seitenhang. Von oben sah es auch extrem toll aus und wieder glühten unsere Kameras.
Später fuhren wir durch den Park und fotografierten ein paar Herbstbäume vor den Bergspitzen. Auch zur Kapelle machen wir einen kurzen Abstecher.

Wir holten uns im Dornan's Chuckwagon wieder zwei super leckere Sandwiches, die wir an einem der Aussichtspunkte auf die Range verspeisten. Doch dann hieß es erst einmal von der wunderschönen Herbstlandschaft der Tetons Abschied nehmen, denn heute wollten wir noch weiter in den Yellowstone Nationalpark fahren, wo wir schon von Daheim aus eine Campsite auf dem Madison Campground reserviert hatten.
So lenkten wir unser Auto an der Moran Junction wieder in den Park hinein, am Oxbow Bend entlang bis zum Jackson Lake, ihn entlang, bis wir zur Grenze des Yellowstone Nationalpark kamen. Unterwegs sahen wir noch die schwelenden Reste eines heftigen Waldbrandes, der hier erst vor kurzem gewütet hatte und wegen dem sogar die Straße gesperrt war. Fragten wir uns anfangs noch, warum die Straße gesperrt war, denn die Brände hatten nur die Hänge betroffen, wurde uns etwas später klar warum, auf einer weiten Fläche war das Feuer direkt an der Straße gewesen, wie die verkohlten Überreste der Bäume zeigten.
Wir fuhren bis zum West Thumb, dem größten Geysir Becken am Ufer des Yellowstone Sees und gingen dort eine Runde auf dem gut ausgebauten Stegsystem spazieren. Auch hier war es ein wenig wie nach Hause kommen. Zwar hatten wir eine andere Jahreszeit, wodurch alles anders aussah, aber es war trotzdem alles so vertraut. Einige Geysire waren ruhiger als sonst, dafür sprudelte aus anderen viel mehr Wasser bzw. Rauch. Wir wanderten rechts den Weg entlang, vorbei an den Thumb Paint Pods. Hier hatten wir gleich einmal ein  Erlebnis der anderen Art, als drei Chinesinnen wie von Sinnen über den Steg polterten und dann direkt auf eine kleine Fumarole im Boden zuliefen. Das ganze Gebiet hier ist instabil und es ist leider schon vorgekommen, dass jemand eingebrochen ist und sich üble Verbrennungen oder Schlimmeres zugezogen hat. Warum sonst gab es überall Hinweisschilder auf den Wegen zu bleiben, aber die waren ja nicht auf Chinesisch. Jedenfalls schnappte Chris sich die drei und wies sie nett darauf hin. Sie bedankten sich und blieben dann zum Glück auf dem Steg.
Durch Alois und Lisa hatten wir schon von der ungewöhnlich hohen Anzahl an Chinesen gehört, die im Yellowstone Nationalpark unterwegs waren, aber wir hatten nicht damit gerechnet, dass es wirklich so viele waren. Fast jeder, der uns begegnete war ein Asiate und es wurde in den paar Tagen im Yellowstone nicht besser. Meistens traten sie in ganzen Gruppen auf und waren ungewohnt laut. Den Grund erfuhren wir auch von einer jungen Chinesin, denn in China fielen ein paar Feiertage sehr günstig, so dass es sich für eine Fernreise lohnte. Tja, und das war genau der Zeitpunkt.
Doch die Menschen störten uns zum Glück nicht beim Betrachten der Geysire und so setzten wir unseren Weg fort vorbei an der Fishing Cone, dem Black- und dem Abyss Pool und waren wieder einmal sehr beeindruckt von den wunderschönen Farben der Pools. Aus Mudpools stiegen Blasen auf, Dampf zog in einer schmalen Fontaine gen Himmel und aus kleinen Löchern zischte und blubberte es. Das Wetter war gut und in der Sonne war es richtig warm, wenn auch am See ein kühler Wind wehte.

Leider war die Straße von Norris nach Mammoth in Richtung Nordeingang gesperrt und somit konnten wir leider keine klassische Runde fahren. So begnügten wir uns damit, ein wenig am Yellowstone Lake entlang zu fahren. Weiter ging es über das Hayden Valley bis nach Canyon Village und zurück über die Norris Junction nach Madison, wo sich unser Campingplatz befand.
Als wir am Campground ankamen, stand draußen schon ein  Schild mit „Full“. Wieder waren wir sehr froh, dass wir eine Campsite reserviert hatten. Zum Glück konnten wir unsere Reservierung auf die nächste Nacht erweitern. Wir bekamen die Campsite E172 zugewiesen, die wir gleich mal suchten, damit wir am Abend nicht ziellos durch die Gegend fahren mussten.
Leider lag sie direkt am Toilettenhaus und so würden wir die ganze Nacht im Lichtschein schlafen müssen. Doch es war ja nichts mehr frei und andere wären froh, eine Campsite so nah an den Toiletten zu bekommen. Den restlichen Nachmittag verbrachten wir noch am Old Faithful Geysir, wo wir ein paar Ausbrüche abwarteten. Auch hier wimmelte es vor Menschen und man bekam überhaupt keinen Platz mehr. So teilten wir uns auf. Ich stand eher seitlich abseits der Massen am Auslauf des Geysirs und Chris, der weniger Berührungsängste hat als ich, stellte sich mitten hinein und ergatterte einen recht guten Steh-Platz. Doch an diesem Nachmittag waren die Ausbrüche ziemlich kurz und auch nicht sehr hoch. Mochte es an der Jahreszeit liegen oder hatte der Old Faithful einfach keine Lust zum Spucken, wir wussten es nicht. Die Ausbrüche im Frühjahr waren um etliches höher und länger. Es war trotzdem schön anzuschauen und auch das Raunen der Massen und die Entzückensschreie waren echt unterhaltsam. Mindestens die Hälfe der Leute waren auch hier Chinesen.
Wir wanderten noch an unserem Liebling dem Castle Geysir vorbei und landeten schließlich am Morning Glory. Die Sonne verschwand gerade hinter den Bergen. Sanft stieg der Dampf des warmen Wassers in die Höhe. Auch jetzt im Gegenlicht war der Morning Glory einfach schön anzuschauen und wir genossen die letzten Sonnenstrahlen hier, ehe es in der Dämmerung zurück zum Auto ging.

Als wir abends zurück auf die Campsite kamen, war sie von 6 Chinesen belegt. Uns blieb der Mund offen stehen, denn das war wirklich dreist. Zwei Zelte waren aufgebaut und die Autos standen wie selbstverständlich in der zugehörigen Parkbucht. Als wir ausstiegen kam sofort eine Chinesin auf uns zu. Wir zeigten ihr unsere Buchung und ließen uns ihre zeigen. Da löste sich das Rätsel, denn die Mädels hatten die Campsite E 173 direkt daneben. So tauschten wir kurzerhand die Stellplätze und hatten jetzt eine super gute ruhige und lichtgeschützte Fläche, wo wir unser Zelt aufbauten. Das Mädchen half mir sogar noch mit beim Zeltaufbau, während Chris das Feuer machte.

Übernachtung: Madison Campground, Yellowstone Nationalpark

Dienstag, 27.09.2016
5. Tag

Bei -2 °C standen wir morgens auf, aber es fühlte sich nicht so kalt an. Wir fuhren zum Firehole Drive, denn diesen kurzen Weg mit einigen tollen Geysiren, mögen wir besonders gerne. Doch an diesem Morgen ärgerte uns zäher Nebel. Er war so dicht, dass wir rein gar nichts sahen und auch der Sonnenaufgang änderte nichts daran, außer dass es heller wurde.
Wir spazierten am Gand Prismatic entlang, ebenfalls bei dichter Nebelsuppe und auch hier sahen wir fast gar nichts. Die schönen Farben wirkten gedämpft grau und der Dampf unterschied sich nicht vom Nebel. Dafür waren wir fast alleine unterwegs. Leicht frustriert fuhren wir weiter in Richtung Old Faithful. Als wir über einen Hügel kamen, lichtete sich direkt am Biscuit Basin der Nebel und die Sonne kam raus. Das war vielleicht schön. Wir bewundern die Black Opal Spring mit ihrem milchig blauen Wasser und kamen dann zum Sapphire Pool, der mit seinem himmelblauen, glasklaren Wasser einfach nur wunderschön ist. Der Nebel bildete einen tollen Kontrast zur Sonne und den wunderbaren Farben.
Hier befindet sich auch der Jewel Geysir, er bricht ca. alle 6 Minuten für 60-90 Sekunden aus. Nicht durchgehend, sondern in mehreren Sequenzen. Dieser Geysir ist immer wieder eine Show und es machte uns viel Spaß ihm zuzuschauen. Vorbei am Shell Geysir, der noch leicht müde vor sich hin blubberte, gingen wir weiter bis zum farbenfrohen West Geysir und zurück an den Mustard Spring vorbei, die auch gerade vor sich hinspuckte.

Als wir zum Black Sand Basin kamen, wurden wir sofort von einem Ausbruch des Cliff Geysirs begrüßt, der an diesem Morgen erstaunlich aktiv war.
Auch hier gibt es einen Boardwalk, von dem aus man alle wichtigen Punkte des Basins ansehen kann. Wir wanderten an dem kleinen Sprout Geysir, dem großen farbenfrohen Rainbow Pool und dem Sunset Lake vorbei. In der hintersten Ecke befand sich unser Ziel, der Emerald Pool. Er ist einfach ein Prachtstück mit seiner tiefblauen Mitte und dem gelb-orangen Rand, so dass er für uns immer einen Besuch wert ist. Doch am Cliff Geysir verharrten wir diesmal am längsten, denn er war an diesem Vormittag gar nicht zu bremsen und spuckte fast ohne Unterlass meterhoch. Während wir irgendwann langsam zum Auto zurückwanderten, setzte sich ein Mann mit Kaffee und Reiseführer auf den Zaun und begann zu lesen. Weit entfernt näherte sich ein Bisonbulle. Wir hofften natürlich auf ein schönes Bild von dem Bison vor dem farbigen Wasser der Pools und beobachteten ihn. Doch er ging schnurstracks auf den Zaun zu, wo der Mann saß. Ehe man noch etwas sagen konnte, knuffte der Bison nach dem dreisten Zaunbesetzer, der zum Glück gerade noch rechtzeitig den Bullen bemerkte und beherzt hinter den Zaun sprang. Der Bulle war zufrieden und kratzte sich an dem Zaun. Wir waren erleichtert und auch etwas schockiert, denn alles ging so schnell und niemand hatte den Mann gewarnt, aber mit so etwas konnte man ja nicht rechnen und wir alle hatten die Zielstrebigkeit des Bullen unterschätzt.

Danach versuchten wir unser Glück noch einmal am Midway Geysir Basin. Hier befindet sich neben dem Exelsior Geysir die bekannte Grand Prismatic Spring, eine der farbenfrohsten und größten Thermalquellen der USA. Ihr Becken ist ca. 75 × 91 m groß und ungefähr 49 m tief. In einer Minute fließen durchschnittlich 2000 Liter 71 °C heißen Wassers aus der Quelle. Die wundervollen Farben am Rand der Quelle stammen von einzelligen Mikroorganismen (Bakterien und Archaeen). Sie leuchten zwischen grün und rot was von dem Gehalt an Chlorophyll und Carotinoiden der Mikroorganismen abhängt. Im Zentrum der Quelle ist das Wasser wegen der hohen Temperaturen frei von Mikroorganismen. Die tiefblaue Färbung in der Mitte liegt an der Tiefe der Quelle und deren Wasserreinheit.
Hier war das Wetter jetzt perfekt, aber leider sahen das alle anderen Menschen auch so wie wir und stürmten das Midway Geysir Basin. Der Parkplatz quoll über und wir parkten gleich freiwillig draußen. Wieder waren es hauptsächlich Asiaten, die sich in allen möglichen Posen vor dem farbenfrohen Wasser fotografieren ließen.

Mittags fuhren wir bei schönstem Sonnenschein und 20 °C an den beeindruckenden Gibon Falls vorbei und über den schneefreien Dunraven Pass (2700m) ins Lamar Valley. Ein paar Bisons grasten am Hang. Kurz vor dem Lamar Valley beobachten wir zwei Dickhornschafe (Ovis canadensis) mit einem Jungtier, die gemütlich am Straßenrand grasten.
Als wir ins Lamar Valley kamen, fanden wir einen Massenauflauf vor. Ranger regelten den Verkehr und Autos über Autos standen am Straßenrand, während sich die Fahrer am Seitenrand tummelten und angestrengt einen Berghang hinauf schauten. Chris ergatterte eine Parklücke und wir gesellten uns zu den Schaulustigen und starrten ebenfalls in die gleiche Richtung. Dort hatte es sich eine Schwarzbärin mit zwei Jungen gemütlich gemacht, die nach einem Schläfchen die Umgebung erkundeten. Die Bären waren sehr weit entfernt und nur mit dem Fernglas konnten wir die drei einigermaßen erkennen. Als die Bärin kurz die Richtung änderte und auf uns zu kam, wurde unser Ranger unruhig und bat uns, zu den Autos zu gehen, aber zum Glück überlegte sie es sich anders und blieb auf dem Hang. Die Kleinen spielten unterdessen mit allem, was sie finden konnten. Sie kletterten unter Wurzeln hindurch und erklommen umgefallene Bäume, auf denen sie balancierten. Die Mutter hatte die Strolche immer im Auge und war sehr wachsam.
Als sie sich immer weiter den Hang hinauf zurückzogen, fuhren wir weiter. Im Gegensatz zum Frühjahr war es sehr kahl und braun. Es waren kaum Bisons auf den abgegrasten Weideflächen zu sehen. Ein einsamer Coyote lief weit entfernt durch das gelbe Gras, aber das war es auch schon. Wir fuhren bis zur Purple Creek Picnic Site und endlich um 15.00 Uhr gab es was zum Essen, denn das hatten wir an diesem langen Morgen irgendwie übersehen vor lauter Fotografieren. Dafür war es sehr idyllisch auf der Picnic Site, nur leider schien es so, als ob die Ziesel schon im Winterschlaf wären, denn keines der possierlichen Tierchen ließ sich trotz schönstem Sonnenschein blicken.
Auf dem Rückweg blockierten mal wieder Autos die Straße und Ranger regelten den Verkehr. Der Grund waren diesmal Dickhornschafe, die direkt neben der Straße im Gras lagen und das Geschehen um sich herum mit großen Augen sehr gelassen betrachteten.
Im Canyon Village füllten wir das Eis in unserer Kühlbox auf und auch unser Auto erhielt etwas zum Trinken.
Am Norris Geysir Basin legten wir einen kurzen Stopp ein und wanderten zu den Porzellanpools, die leider nur sehr wenig Wasser führten. Hier war es im Frühjahr eindeutig schöner, denn es stieg kaum Rauch auf und alles wirkte sehr trocken.

Wir fuhren weiter bis zum Firehole Drive, wo sich am Great Fountain Geysir etliche Leute eingefunden hatten. Nach einem Blick auf die Anzeige stellten wir fest, dass der Geysir ca. 19.00 Uhr losgehen könnte und das wäre dann genau zum Sonnenuntergang, also reihten wir uns in die Schlange der Wartenden ein und bekamen noch einen guten Platz an den schönen Terrassen. Der Geysir bricht ca. alle 9 bis 15 Stunden aus. Die Eruption ist  30 bis 50 Meter hoch  und dauert etwa eine Stunde. Gespannt warteten wir. Ein untrügliches Zeichen, dass der Geysir in ca. einer Stunde hochgeht, ist, wenn die Terrassen überlaufen. Fasziniert beobachteten wir dieses Phänomen. Je näher sich die Sonne dem Horizont zuneigte desto nervöser wurden alle. Jetzt, jetzt geht es los – hofften wir. Totenstille herrschte. Dann als die Sonne als letzter goldener Diamant am Horizont erstrahlte machte sich leichte Enttäuschung breit, denn noch immer dampfte er nur vor sich hin. Erst als die Sonne vollständig weg war, brach er aus. Es war trotzdem schön, zumal wir diesen Geysir noch nie in Aktion erlebt hatten. Die Eruption war nicht sehr lang und auch nicht sehr hoch. Sie dauerte nur ca. 15 Minuten. Wir verharrten noch eine ganze Weile doch es tat sich nichts mehr. Alle bauten ab und stiegen in ihre Autos. Wir warfen noch einen letzten Blick und wollten gerade losfahren, als er noch einmal mit aller Kraft losbrach und eine sehr hohe Fontaine zum Himmel schoss. Fassungslos schauten wir alle dem Geschehen zu und kein einziger hatte seine Kamera mehr im Anschlag. So genossen wir das Schauspiel und mussten angesichts der Situation ziemlich lachen.
Zum Abschluss dieses langen Tages grillten wir Burger auf unserer Campsite, die einfach nur klasse wurden. Dazu gab es Käse, Erdbeeren und Avocado.
Um ca. 22.00 Uhr waren wir dann so erschöpft, dass wir sehr müde in unser Zelt krochen und gleich schliefen.

Übernachtung: Madison Campground, Yellowstone Nationalpark

Mittwoch 28.09.2016
6. Tag

Bei -2 °C starteten wir wieder in den Morgen. Auch heute war viel Nebel, der die Landschaft in ein helles Tuch aus Gaze hüllte. Doch an diesem Morgen war der Nebel lichter und wir suchten nach einem schönen Platz, um ein paar Aufnahmen zu machen. Unterwegs sahen wir mächtige Wapitis (Elks) auf einer Wiese und ein kräftiger Hirsch lief stolz vor seinen Mädels her.
Wir entdeckten ein Wäldchen mit abgestorbenen Bäumen und einem kleinen dampfenden Flusslauf. Während Chris das Auto parkte, machte ich schon ein paar Aufnahmen. Aus dem Augenwinkel sah ich Chris zu dem Flusslauf gehen und fotografieren. Ich gesellte mich zu ihm und sagte spaßig: „Du suchst dir auch immer die schönsten Plätze zum Fotografieren aus.“ Er reagierte überhaupt nicht, da wurde ich stutzig und schaute genauer hin und bemerkte, dass es ein völlig fremder Mann war, den ich da angequatscht hatte und der sicherlich und glücklicherweise überhaupt kein Deutsch verstand. Der muss gedacht haben, dass ich vollkommen irre bin, denn anfangs rückte ich ihm ziemlich auf die Pelle, quatschte in einer fremden Sprache wild drauf los und dann konnte ich mich kaum noch halten vor Lachen. Ich kicherte immer noch, als Chris endlich auftauchte und ich ihm die Story berichten konnte. Unser stummer Fremder zog langsam von dannen, aber wir konnten ihm noch einen Coyoten zeigen, der gerade auf der anderen Straßenseite entlanglief.

An diesem Morgen suchten wir immer wieder den Firehole Drive auf, denn unser Freund, der Great Fontaine Geysir, sollte zwischen 7.00 Und 9.00 Uhr morgens ausbrechen. Doch außer zähem Nebel, der sich auf diesem Weg besonders hartnäckig zu halten schien, passierte gar nichts. Nachdem wir wieder einmal etwas durch die Gegend gefahren waren und ein paar Landschaftsaufnahmen gemacht hatten, war es dann soweit, um 8.15 Uhr liefen die Terrassen über. Wir parkten unser Auto und  suchten uns einen schönen Platz zum Fotografieren. Doch der Nebel war so dicht, dass man ihn kaum vom Dampf unterscheiden konnte. Dank der kühlen Morgentemperaturen dampfte der Geysir gleich noch mehr und wir sahen gar nichts. Doch wir waren guter Dinge und hofften, dass der Nebel sich wenigstens etwas lichtete. Die Sonne kam immer wieder etwas durch. Als er ausbrach, rauchte er noch mehr und wir hörten eigentlich mehr, als wir sahen oder fotografieren konnten, aber gerade das war sehr beeindruckend. Er zischte und blubberte und wir hörten das Wasser spritzen und auf dem Boden aufkommen. Das war trotz eingeschränkter Sicht ein wirklich tolles Erlebnis und der Rauch ging weit in den Himmel hinauf. Während Chris noch versuchte, ein paar Bilder zu machen, ging ich schon mal zum White Dome Geysir, der natürlich wunderschön ausbrach, während ich noch auf dem Weg zu ihm war. Doch auch aus der Entfernung war er toll anzuschauen, die Fontaine ging steil nach oben und auch er dampfte und rauchte nur so. An diesem Morgen war es überall sehr aktiv in diesem Gebiet, selbst aus namenlosen Geysiren schossen kleine Fontänen in die Höhe und es dampfte viel mehr als sonst.
Ich genoss den Ausblick auf den White Dome und rückblickend auf den Great Fontaine, denn aus der Entfernung sah man erst, wie hoch die Rauchfahne in den Himmel stieg – wirklich eindrucksvoll.

Am späten Vormittag fuhren wir einige Aussichtspunkte am Grand Canyon of the Yellowstone ab. Die V-förmige Schlucht ist zwischen 250 m - 400 m tief und 500 -1300 m breit. Sie durchfließt der Yellowstone River.
Leider waren noch zu viel Schatten in der Schlucht, aber sie war trotzdem wieder sehr beeindruckend. Besonders der Artist Point mit seinem Ausblick auf die Upper Falls zog uns wie immer in seinen Bann.
Da wir wieder einmal das Frühstück ausgelassen hatten, fuhren wir mittags nach Yellowstone West, wo wir ausgiebig einkauften und unsere Vorräte hungrig auffüllten. Als Belohnung besorgte Chris zwei Buffalo Burger, die wir auf einem schönen Felsen am Fluss genüsslich verspeisten. Die Sonne brannte mittlerweile vom Himmel und es war 23 °C warm. So konnte man es aushalten und wir genossen die Wärme des Tages.
Wir machten noch einen kurzen Abstecher zum Midway Geysir Basin, wo wir wie am Vortag eine Runde über das Stegsystem gingen und die herrlichen Farben des Excelsior Geysir und  der Grand Prismatic Spring genossen.

Den Nachmittag verbrachten wir am  am Old Faithful, wo wir gerade rechtzeitig zu seiner Vorstellung ankamen, die diesmal etwas beeindruckender war. Wir besuchten kurz das Visitor Center und informierten uns über die Ausbruchzeiten der Geysire. Daraufhin wanderten wir weiter zu unserem Lieblingsgeysir, dem Castle, der leider nicht mehr vorhersehbar war, denn an der Tafel stand nur „heute“. Er blubberte und zischte ein wenig, aber sonst tat sich nicht viel. So wanderten wir weiter zum Daisy Geysir und haben uns in die Sonne gelegt, bis er uns mit einem Ausbruch im schönsten Abendlicht erfreute.
Wir wanderten auf dem Boardwalk eine größere Runde, vorbei am Grotto Geysir. Seine Ausbrücke finden etwa alle 8 Stunden statt und können von 90 Minuten bis zu mehr als 10 Stunden andauern.
Schon von weitem, sahen wir, dass der Castle Geysir am Ausbrechen ist. Hastig liefen wir die letzten Meter. Er war wieder wunderschön anzuschauen und diesmal bildete sich sogar ein Regenbogen. Die Eruption kam uns sehr lange vor. Er blubberte, zischte und stieß neben Wasser auch viel Dampf aus. Der Castle Geysir hat einen der größten Kegel und gehört zu den ältesten Geysiren im Upper Geysir Basin. Er ist einer unserer Lieblingsgeysire und er überrascht uns immer wieder.
Nachdem er sich beruhigt hatte wanderten wir weiter über das Stegsystem zum Old Faithful zurück und damit zu unserem Auto.
Auf der Campsite grillten wir noch Buffalo Steaks. An diesem Abend blieb es erstaunlich mild bei ca. 10-12 °C, so dass wir noch etwas länger am Feuer sitzen blieben.

Übernachtung: Madison Campground, Yellowstone Nationalpark

Donnerstag, 29.09.2016
7. Tag

Bei  milden 2 °C standen wir an diesem Morgen auf. Während der Kaffee kochte, bauten wir unser Zelt ab, denn heute hieß es, Abschied nehmen vom Yellowstone Nationalpark, der uns trotz der vielen Menschen nicht enttäuscht hatte. Während Chris das Frühjahr vorzieht, fand auch ich den Hebst hier super schön, zumal das Wetter klasse war.
An diesem Morgen fuhren wir noch einmal zum Old Faithful, der diesmal 20 Minuten zu früh hochging, so dass wir gerade noch rechtzeitig ankamen für ein paar Bilder. Wir warteten einen weiteren Ausbruch ab, während langsam die Sonne aufging. Leider zog es immer weiter zu und schon bald war die Sonne hinter einer dunklen Wolkenwand verschwunden. Aber auch so war die Stimmung an den Geysiren toll. Wir wanderten weiter zum Castle und auch hier durften wir einen kurzen Ausbruch miterleben. Weiter ging es bis zum Morning Glory, der mit seinem gelben Rand und der tiefblauen Mitte einfach wunderschön aussah.
Über das Stegsystem spazierten wir zurück. Auch der Grotto Geysir gab noch einmal alles. Er spuckte und fauchte. Das Wasser spritzte nur so und viel Rauch zog zum Himmel empor.
An der Lions Geysir Gruppe hatten wir ebenfalls Glück, denn wir bekamen die dritte Sequenz seines Ausbruchs mit. Da uns an diesem Tag das Glück hold war, sahen wir auch noch den Ausbruch des Beeheve Geysir, aber dafür mussten wir ca. eine Stunde warten. Ca. 20 Minuten vor dem Ausbruch geht direkt am Geysir ein kleiner Minigeysir hoch, so weiß man, dass es bald soweit ist.
Durch die fehlende Sonne und den auffrischenden Wind kühlten wir auf unserer Runde ganz schön aus. Da tat eine heiße Dusche in der Old Faithful Lodge sehr gut. Als krönenden Abschluss holte Chris uns noch einen guten Cappuccino in der Loge. Wir versorgten noch unser Auto und machten uns leckere Pastrami-Brote mit Ei und Käse, dann verließen wir den Yellowstone Nationalpark in Richtung Grand Teton Nationalpark.

Einen kurzen Stopp legten wir noch auf dem Weg an den Moose Falls ein. Hier führte uns ein kurzer Weg zu einem sehr sehenswerten kleinen Wasserfall, den wir ausgiebig erkunden.
Unterwegs zu den Tetons wurde das Wetter immer schlechter und heftiger Regen peitscht auf die Scheibe. Eine Gewitterfront stand über den Bergen und der Jackson Lake war aufgewühlt. Kleine Schaumkronen tanzen auf den Wellen. Zum Glück hatte der Regen aufgehört, so dass wir ein paar Bilder machen konnten.  Das gelbe Laub strahlte bei dem Wetter richtig, aber wir sahen auch, dass in den letzten Tagen viel Laub von den Bäumen gefallen war. Der Herbst war ziemlich durch.
Wir besuchten noch die Moulton Barn, die sich auch bei schlechtem Wetter wunderschön vor der Teton Range machte.
Am späteren Nachtmittag hielten wir noch kurz am Oxbow Bend, wo es wieder stark regnete und das Wasser ebenfalls sehr aufgewühlt war. So fuhren wir noch ein wenig durch den Park und stellten uns zum Sonnenuntergang an den Oxbow Bend.
Ein Silberstreifen hinter den Bergen gab uns Hoffnung auf einen schönen Sonnenuntergang und so verharrten wir mit Ponchos im Regen und warteten. Leider leuchtete es nur ein wenig. Das Wetter war einfach zu schlecht, aber wenigstens hatte der Regen aufgehört und wir trockneten langsam.
Unsere Lieblingscampsite im Wald war zum Glück auch noch frei, denn hier standen wir geschützt zwischen den Bäumen und konnten trocken grillen. Wir ließen uns leckere Buffalo Burger schmecken und saßen noch lange am knisternden Lagerfeuer. Das schlechte Wetter hatte sich verzogen und Sterne funkelten am Himmel. Die Zeit hier war wie immer traumhaft. Wir erlebten einen wunderschönen Herbst bei bestem Wetter und waren glücklich und zufrieden, die zwei Nationalparks in unsere Planung einbezogen zu haben.

Übernachtung: Wilde Campsite, Grand Teton Nationalpark

Freitag, 30.09.2016
8. Tag

Die Nacht war sternenklar und ein kühler Morgen begrüßte uns. Wir packten zusammen und fuhren mit unserem Kaffee zur Schwabacher Landing. Je näher wir kamen, desto dichter wurde der Nebel. Klar nach dem Regen gestern und der Abkühlung in der Nacht, war fast nichts anderes zu erwarten gewesen. Fröstelnd wanderten wir zu unserem Lieblingsplatz und verharrten dort in der Dunkelheit. Wir tranken den heißen wärmenden Kaffee und aßen dazu leckere Zimtschnecken.
An diesem Morgen waren nur sehr wenig andere Fotografen hier. Während wir auf die Dämmerung warteten, merkten wir schon, dass hier in diesem Eck der Nebel besonders dicht war. Mit dem Sonnenaufgang gaben wir auf, denn es tat sich gar nichts. Anfangs wollten wir es am Oxbow Bend probieren, aber der Nebel wurde immer dichter, je näher wir der Flussschleife kamen. So wendeten wir das Auto und fuhren wieder zurück. Hier auf der höher gelegenen Straße sahen wir, dass der Nebel sich weit hinten an den Bergen etwas lichtete und das erste Licht knapp über dem Horizont durchkam. Da es in Richtung Molton Barns etwas besser aussah, fuhren wir dorthin und wirklich hier kam stellenweise sogar Sonne durch. Die Stimmung war grandios. Eine pechschwarze Regenwand lag hinter dem Nebel und darin hatte sich ein riesiger Regenbogen gebildet. Leider war er relativ blass, aber es sah wirklich toll aus. Schnell noch ein Bild gemacht, dann war er auch schon wieder verschwunden. Aber auch in die anderen Himmelsichtungen war die Landschaft an diesem Morgen toll anzuschauen. Der Nebel zog gen Himmel und im Gegenlicht leuchtete er wunderschön. Wir waren echt froh, Schwabacher Landing aufgegeben zu haben, denn noch immer hielt sich dort vehement der dichte Nebel.

In Jackson, das im dichten Nebel lag,  stürmten wir den hiesigen Starbucks, denn trotz Frühstück waren wir immer noch hungrig. Außerdem hatten wir an diesem Tag eine lange Strecke vor uns, denn wir wollten auf dem kürzesten Weg zum Bryce Canyon kommen. Da hilft etwas Koffein ungemein.
Um ca. 10.00 Uhr hatten wir den Nebel endgültig hinter uns gelassen. Wir fuhren den Salt River-Pass im schönsten Sonnenlicht. Ständig wechselten wir die Bundesstaaten, so ging es von Wyoming nach Idaho, zurück nach Wyoming weiter nach Utah usw. Unterwegs begegneten wir vielen berittenen Jägern, die hoch zu Ross mit ihren Hunden in die Wälder ritten. Nach dem Pass wurde die Landschaft hügeliger. Riesige Felder mit extrem großen Bewässerungssystemen wechselten sich mit Weiden ab, auf denen Pferde oder Rinder grasten.
Die Sonne lachte nur so vom Himmel, doch wo war meine Sonnenbrille? Wo ich auch suchte, nirgends war sie. Da wir eh in einem Walmart einkaufen wollten, wanderte eine neutrale 5 $ Brille in den Einkaufskorb und schon war die Sonne erträglicher. Gemeinerweise fasste Chris kurz darauf unter den Sitz und hielt meine Brille wieder in der Hand. Egal, jetzt hatten wir eine Ersatzbrille, wer weiß wofür der Kauf gut war…
Schon in Deutschland hatten wir uns eine amerikanische Telefonkarte mit Datenvolumen gekauft, die uns auch ermöglichte, kostenlos nach Hause zu telefonieren.
Mittags stoppten wir kurz an einem schönen Stausee und holten unsere Brotzeit heraus, die wir unterwegs essen wollten. Ich hätte gerne hier am See Rast gemacht, aber Chris hatte wieder keine Zeit, zumal wir die Campsite am Bryce Canyon nicht vorreservieren konnten. So startete er gleich wieder durch, noch bevor die Heckklappe richtig zu war. Auf einmal polterte es und wir schauten uns irritiert um. Auf dem geschotterten Parkplatz lag unser Hab und Gut verstreut wie eine Spur aus Brotkrumen bis zu unserem Auto. Unsere Heckklappe hatte sich wieder geöffnet und durch das Anfahren flogen unsere Boxen und natürlich die Kühltasche nacheinander aus dem Auto. War das eine Sauerei. Alles war voller schwarzer Kiesel. Ein paar Bier und Cidre waren natürlich zu Bruch gegangen und die Scherben lagen inmitten der Lebensmittel. Aus den Dosen sickerte Bier, Eis glitzerte in der Sonne. Schnell räumten wir alles soweit auf und unsere Mülltüte füllte sich zusehends.
Die Brotzeit war trotzdem lecker und zum Glück hatte die Kühlbox zwar ein paar Dellen, aber sie war nicht kaputt gegangen. Auch die Geschirr- und Vorratsboxen hatten zwar was abbekommen, aber sie waren zum Glück relativ heil geblieben und hier hatte auch der Deckel gehalten, sonst wäre das Chaos noch größer gewesen.

Dank der Sonne kletterten die Temperaturen auf angenehme 26 °C. Was für ein schöner Tag, den wir leider bis zum späten Nachmittag im Auto verbrachten. Im schönsten Nachmittagslicht erreichten wir den Red Canyon, wo wir durch ein paar tolle Felsentore fuhren. Die roten Felsen glühten  geradezu im späten Nachmittagslicht. Doch unser Ziel war der Bryce Canyon Nationalpark, den wir um 6.30 Uhr kurz vor Sonnenuntergang erreichten. Der Park befindet sich am östlichen Rand des Paunsauguntplateaus, einer Hochebene, die vor etwa 60 Millionen Jahren aus Meeresablagerungen entstanden ist. Hier findet man eine Szenerie aus unterschiedlich roten Felsgebilden und Steinskulpturen, die je nach Lichteinwirkung von zartrosa bis pink leuchten. 
Da das Licht unaufhaltsam schwand, ließ Chris mich am Sunset Point raus und organisierte uns eine der letzten verfügbaren Campsites auf dem Sunset Campground. Er kam dann gerade noch rechtzeitig zurück, um gemeinsam mit mir den schönen Sonnenuntergang zu bewundern. Wir standen oberhalb des Amphitheaters und schauten hinab auf die wunderbaren Felsnadeln, die im letzten Sonnenlicht tiefrot leuchteten. Die Schatten im Canyon wurden immer länger und schon bald war nur noch in der Ferne etwas Licht auf den höheren Bergen zu erkennen. Dann brach die Dämmerung herein, die Schatten verschwanden und das Licht wurde sanft. Der Erdschatten erhob sich über den Horizont und färbte den Himmel am Horizont zartrosa und darunter in einem tollen Blauton. Wir blieben noch ein wenig und erfreuten uns an der Einzigartigkeit der Landschaft, dann brachen wir auf und fuhren zu unserer Campsite. Sie lag zwar mitten an einer Kreuzung im Gewirr der kleinen Straßen des Campingplatzes, aber sie war groß und ruhig. Die Feuerstelle war zwar eine Zumutung, denn der Rost war so hoch, dass man eine 30 cm hohe Glut gebraucht hätte, aber Chris sammelte schnell ein paar größere Steine zusammen um unseren Rost tiefer zu setzen und dann konnten wir uns unsere T-Bones schmecken lassen. Auf dem Campingplatz gab es sogar einen kleinen Abspülraum mit heißem Wasser, was für ein Luxus! Nachdem wir gegessen hatten, saßen wir noch längere Zeit am Lagerfeuer und ließen den Tag ausklingen.

Übernachtung: Sunset Campground, Bryce Canyon Nationalpark

Samstag, 01.10.2017
09. Tag

Schon vor der Dämmerung brachen wir mit heißem Kaffee und Keksen zum Sunset Point auf. Während ich mich dort positionierte, ging Chris etwas weiter in Richtung Sunrise Point und stellte sich auf einen sehr exponierten Punkt, der von meiner Warte nicht ungefährlich aussah, denn er ging etwas weiter hinaus und bot freie Sicht auf die Hoodoos. Nach der Dämmerung kam die Sonne über den Horizont und beleuchtete die Steinformationen mit warmem Licht. Es war wie immer ein Schauspiel der besonderen Art. Neben mir sowie fast überall am Rim, stapelten sich die Menschen, um diesem Schauspiel beizuwohnen und es war fast schon eine Herausforderung, wenn man den Platz wechseln wollte.

Morgendämmerung am Bryce Canyon Nationalpark Sonnenaufgang am Bryce Canyon Nationalpark Die Hoodoos im ersten Licht, Bryce Canyon Nationalpark Ein Fotografentraum, der Bryce Canyon Nationalpark
Nachdem die Sonne etwas höher geklettert war, trafen wir uns wieder und beschlossen, den Navajo Loop Trail kombiniert mit dem Queens Garden Trail zu erkunden. Wir starteten am Sunset Point und gingen sanft bergab, vorbei an Thor‘s Hammer, einer eindrucksvollen Steinformation. Immer höher ragten die Felsnadeln auf und wir verschmolzen langsam mit der bizarren Landschaft. Unser Weg führte uns weiter zur sogenannten Wall Street, einem sehr engen Canyon mit steil aufragenden Wänden zu beiden Seiten. Ponderosa-Kiefern ragten weit in den Himmel hinauf und wir kamen uns unglaublich klein vor. Hier führt eigentlich ein Serpentinen-Weg zurück nach oben, aber wir wollten noch weiter laufen und gingen zurück, um weiter auf dem Queens Garden Trail zu wandern, der uns langsam aber sicher vorbei an den schönsten Felsformationen zum Sunrise Point führte. Die Wanderung war einfach nur toll und nach vielen Jahren wieder ein Hochgenuss. Die Sonne lachte vom Himmel, auch wenn ein kühler Wind wehte. Wir waren zum Glück zeitig unterwegs, so dass es erst zum Ende der Wanderung sehr voll wurde. Da waren wir schon fast wieder am Sunrise Point und von dort folgten wir dem Rim Trail zurück zu unserem Auto.
Hoodoos im Detail, Bryce Canyon Nationalpark Thor´s Hammer, Bryce Canyon Nationalpark Navajo Loop Trail, Bryce Canyon Nationalpark Mitten drin, Bryce Canyon Nationalpark noch sind wir fast alleine unterwegs, Bryce Canyon Nationalpark Navajo Loop, Bryce Canyon Nationalpark Kleiner Felsdurchbruch, Bryce Canyon Nationalpark Chris ist kaum zu bremsen Kleiner Felsdurchgang auf dem Weg des Queens Garden Trails, Bryce Canyon Nationalpark Tolle Felsformationen entlang des Trails, Bryce Canyon Nationalpark Weißer Hoodoo, Bryce Canyon Nationalpark Queens Garden Trail, Bryce Canyon Nationalpark Tolle Landschaften entlang des Queens Garden Trails, Bryce Canyon Nationalpark Die Steinpyramiden oder Hoodoos genannt prägen den Bryce Canyon Nationalpark Chris im Fotofieber, Bryce Canyon Nationalpark Ein Unwetter schiebt sich langsam über den Bryce Canyon Nationalpark

Die Mittagszeit verbrachten wir damit, eine heiße Dusche zu nehmen und unsere Wäsche zu waschen. Während die Waschmaschine lief, setzten wir uns in die Sonne und machten Mittag.
Am Nachmittag fuhren wir zum Inspiration Point, wo uns eine dunkle Wolkenwand erwartete und es auch noch zu regnen anfing. Daraufhin fuhren wir noch ein wenig umher und erkundeten den Bryce Point, der, entgegen der Angaben auf der Homepage, doch geöffnet war. Wir warteten hier die dicke Regenwolke ab und gingen dann zum Aussichtspunkt vor, wo sogar die Sonne wieder durch die Wolken kam und ein sehr schönes Licht die Hoodoos beleuchtete.

Zum Sonnenuntergang ließ Chris mich am Inspiration Point raus und ich wanderte ca. 20 Minuten den Rim Trail entlang bis zum Sunset Point. Immer wieder gab es hier fantastische Aussichten auf das Amphitheater mit seinen bizarren Felsnadeln und der Weg war einfach nur wunderschön. Kleine Kiefern standen mit ihren Wurzeln verkeilt in den Felsen und ragten in das Amphitheater hinab. Felsvorsprünge ließen einen noch schöneren Einblick in die Felsgebilde zu und das Licht war berauschend schön.
Chris verbrachte den Sonnenuntergang wieder am Sunset Point, wo ich später zu ihm stieß.
Der lange Tag und die vielen Kilometer forderten ihren Tribut, so dass wir unser Lagerfeuer diesmal schon vor dem Essen genossen und nach einem leckeren Steak gleich im Zelt verschwanden.

Übernachtung: Sunset Campground, Bryce Canyon Nationalpark

Sonntag, 02.10.2017
10. Tag
Auch an diesem Morgen starteten wir schon vor Sonnenaufgang. Chris brachte mich im Dunkeln wieder zum Inspiration Point, während er zurück zum Sunset Point fuhr. Anfangs stand ich alleine in der Dunkelheit und mir war etwas mulmig zumute, doch mit der Dämmerung kamen auch die ersten Leute und ich war nicht mehr alleine. Ich suchte mir eine schöne Sicht in das Amphitheater und wartete auf die Sonne. Kleine Wolken waren am Himmel, die anfangs rosa leuchteten. Als die Sonne hinter den Felsnadeln aufging, leuchteten sie gleich intensiv orange. Es war wunderschön. Auch der mittlerweile vertraute Weg zurück, war in der anderen Lichtstimmung klasse und ließ mich oft verweilen.

Später bauten wir unser Zelt ab, das noch immer nass vom Regen der Nacht war und trockneten es in der Sonne, während wir frühstückten.
Unsere Zeit im Bryce Canyon neigte sich ihrem Ende entgegen. Es war wieder wunderschön und das Wetter meinte es gut mit uns. Aber bevor wir uns auf den Weg Richtung Page machten, hielten wir noch am Fairyland Point. Dorthin führte eine etwa 1,5 km lange Stichstraße. Dieser Punkt liegt etwas abseits und ist nicht so beliebt, doch auch er ist wunderschön. Etwas weitläufiger blickt man wieder auf die Zinnen und Felsskulpturen des Bryce Canyons. Hier startet auch ein 10 km langer Weg durch die Felsnadeln des Bryce Canyons, aber dafür war leider an diesem Morgen keine Zeit. So wanderte ich nur etwas den Weg entlang, verzückt von der Schönheit dieses außergewöhnlichen Canyons.
Aber auch außerhalb des Bryce Canyon blieben uns die bizarren Felsformationen noch etwas erhalten. Wir stoppten an der Mossy Cave und wanderten den kurzen Weg bis zum Wasserfall. Leider hielten sich große dunkle Wolken am Himmel, aber ab und zu blitze mal die Sonne heraus und ließ die Landschaft in voller Schönheit erstrahlen.

Wir wollten unbedingt die Cottonwood Canyon Road fahren, die uns von Cannonville auf den Hwy 89 bringen sollte. Diese Straße ist ebenfalls ein landschaftlicher Leckerbissen, aber leider hatten die Regenfälle der letzten Zeit, die Straße unpassierbar gemacht. Selbst Alois und Lisa waren trotz Allrad umgekehrt und hatten uns vorgewarnt. Da es in den letzten Tagen hier nicht mehr geregnet hatte, fuhren wir voller Zuversicht nach Cannonville und fragten dort an der Rangerstation nach. An Chris Gesicht konnte ich schon erkennen, dass die Antwort nicht befriedigend war, denn er schaute etwas missmutig drein, als er aus dem Büro kam. Der Weg sei machbar, aber die Schlammlöcher in der Straße zum Teil metertief. Da wir keinen Allradwagen hatten, sahen wir kurzerhand von unserem Vorhaben ab und wendeten das Auto. Das war eine weise Entscheidung, denn später erfuhren wir, dass dort etliche Touristen ihre Allradfahrzeuge im Schlamm versenkt hatten und nur mit teurer Hilfe wieder heraus kamen.
Wir fuhren auf der Straße wieder zurück und konnten noch einmal einen letzten Blick auf den Bryce Canyon werfen, denn wir mussten an ihm vorbei zurück durch den Red Canyon fahren, um direkt auf den Highway 89 zu gelangen. Über Glendale fuhren wir nach Kanab und weiter auf dem Hwy 89 nach Big Water. Anfangs überlegten wir, uns das Cedar Breaks National Monument anschauen, aber die dichten Wolken hielten uns davon ab. Auch hätten wir dort zu dieser Jahreszeit nicht übernachten können und so ließen wir es sein und fuhren in Richtung Alstrom Point, wo wir die Nacht verbringen wollten.
Doch wieder kam es anders, als wir wollten. Die Straße war anfangs prima zu fahren. Hübsche Tafelberge mit großen Felsbrocken bestimmten das Landschaftsbild, auch eine kleine Flussdurchquerung hielt uns nicht auf. Festgefahrene Matschspuren zeugten vom heftigen Regen der letzten Zeit, aber sie waren mittlerweile getrocknet und machten keinen Ärger. So kamen wir dem Alstrom Plateau immer näher. Als ein Schild uns anzeigte, dass es nur noch 5 min seien, dachten wir, dass wir es schon fast geschafft hätten. Doch der Weg wurde härter und schwieriger. Die erste Herausforderung war eine extrem ausgefahrene steile, steinige und sehr enge Piste, die wir mit ein paar Anläufen und etwas Straßenarbeit meisterten, dann kamen wir ein kurzes Stück sehr gut voran, bis der Weg über sehr unebene Felsen führte. Da hätten wir mehr Bodenfreiheit gebraucht, die wir leider nicht hatten und unser Auto setzte fies auf den Felsen auf. Da wir auf keinen Fall festsitzen bzw. unser Auto schrotten wollten, denn weit und breit war keine Hilfe zu erwarten, wendeten wir schweren Herzens und fuhren zurück. An einer weniger heftigen Stelle hielt Chris an und schaute, ob wir einen Schaden am Auto hatten, da sahen wir ein weiteres Auto, das uns schon eine Weile folgte. Als der Fahrer uns am Auto stehen sah, wendete er sofort, ohne uns wenigstens Hilfe angeboten zu haben und verschwand in einer Staubwolke. Wir waren fassungslos über solche fehlende Hilfsbereitschaft.
Zum Glück war nur die Frontschürze aus der Verankerung gerissen, die Chris mit Kabelbindern reparierte und wir konnten unsere Fahrt fortsetzen. Bis zum schönen Aussichtspunkt wäre es überhaupt nicht mehr weit gewesen, aber Chris hatte keine Lust mehr zu Fuß zu gehen, außerdem mussten wir uns nun einen neuen Übernachtungsplatz suchen und so fuhren wir bei schönstem Sonnenschein zurück, aber wenigstens warfen wir vorher noch einen Blick auf die rot-weiße Felslandschaft und den tiefblauen Lake Powell.

Schade, aber es sollte einfach nicht sein. Im warmen Abendlicht verließen wir das Glen Canyon Gebiet und fuhren zur House Rock Valley Road. Auch diese Straße kann eine wahre Herausforderung sein und ist bei Regen unpassierbar. Aber zum Glück war auch sie trocken und nur tiefe Fahrspuren und einige wenige Matschpfützen zeugten von heftigen Unwettern. Auf dem Stateline Campground hatten wir Glück, denn es waren noch drei Sites frei und wir konnten uns einen schönen Platz aussuchen. Etwas entgeistert stellten wir außerdem fest, dass hier zwei kleine PKWs standen. Wie auch immer sie hierhergekommen waren….
Anfangs trockneten wir noch unser Zelt, denn es war immer noch feucht vom Regen im Bryce, es war etwas windig und sehr mild und so trocknete die Plane schnell. Bald schon brutzelten knusprige Steaks auf dem Feuer und wir ließen es uns schmecken.

Übernachtung: Stateline Campground, kostenlos
Montag, 03.10.2016
11. Tag
Mit Sonnenaufgang starteten wir am Wire Pass. Hier wird pro Person 6 US$ verlangt und auch ein Hund kostet 6 US$. Wir zahlten und begannen unsere Wanderung gegenüber dem Parkplatz im Wash. Warmes Licht beschien die Felsen, während wir durch das Flussbett liefen, dass wir kurz darauf wieder verließen. Über bizarre rote Felsen ging unser Weg, doch wo war die Sonne hin verschwunden? Versprach es anfangs, ein schöner milder Tag zu werden, sah es jetzt eher nach einem wolkenverhangenen Tag aus, denn die Wolkenfront, die sich vor die Sonne gesetzt hatte, schien nicht enden zu wollen. Hinzu kam ein frischer Wind, so dass ich sehr froh war, meine Kuscheljacke angezogen zu haben, während Chris im T-Shirt herumlief. Zum Glück wurde uns durch die Bewegung warm und nach einigen Klettereinlagen war unser Ziel, die North Teepees, für die man glücklicher Weise noch kein Permit braucht, in Sichtweite. Trotzdem zog sich der Weg noch ganz schön dahin und immer, wenn man dachte, jetzt ist man gleich da, kam wieder ein Hindernis in Form eines Canyons oder einer Felsformation, die man umgehen musste.

Die Felsen und auch der Weg waren irre schön, wenn nur das Wetter etwas besser gewesen wäre. Aber auch so hatten wir unseren Spaß und erreichten unser Ziel nach ca. 2 Stunden. Waren die Teepees schon aus weiter Entfernung eine Augenweide, so waren sie aus der Nähe einfach nur umwerfend schön. Die Gesteinsschichten leuchteten in den unterschiedlichsten Weiß- bis Rottönen und sie sahen wirklich wie versteinerte Indianerzelte aus. Außerdem waren sie viel größer, als man von weitem annahm und boten den perfekten Abenteuerspielplatz, denn das Gestein war griffig und nicht so filigran, so dass man sich fast überall ohne Probleme bewegen konnte, ohne etwas zu zerstören. Wir kletterten in den Felsen herum, hatten die schönsten Aussichten und ab und zu kam sogar die Sonne heraus und ließ die Farben noch schöner leuchten. Dafür wurde der Wind immer kälter und sobald wir uns irgendwo niederließen, pfiff er um die Ecke, egal wo wir es versuchten. Immer wieder fanden wir Wave ähnliche Steinstrukturen und neue faszinierende Farben.
Auch auf der anderen Seite fanden wir tolle Einschnitte. Ein Mini Slot Canyon brachte uns weiter in die Teepees hinein. Hier wollten wir uns eigentlich einen windgeschützten Platz zum Essen suchen, aber egal, wo wir es versuchten, der Wind pfiff von allen Seiten. So fiel unser Mittag etwas kürzer als geplant aus und danach machten wir uns leicht fröstelnd auf den Rückweg. Diesmal nahmen wir den direkten GPS-Weg und kamen sehr gut vorwärts. Auch kurz vor dem Wash waren die Felsen wundervoll und luden zum Erforschen ein. Als wir wieder im Flussbett waren, wurde es sogar richtig warm, denn hier war es endlich einmal windgeschützt. Dafür trafen wir hier wieder auf mehr Menschen.

Über die ausgefahrene House Rock Valley Road fuhren wir zurück auf den Hwy 89, der uns bis zur Paria Contact Station brachte. Die ließen wir aber rechts liegen und bogen auf die White House Trailhead Road ein. Doch gleich zu Beginn war ein Schild, auf dem stand, dass die Zufahrt zur Campsite auf Grund von Straßenschäden durch den Paria River gesperrt war und die Campsite nur zu Fuß erreichbar sei. Tja, eigentlich hätten wir dort die Nacht verbringen wollen, aber zum Glück hatten wir ja noch Plan B.
Jetzt wollten wir jedoch nur bis zur Nautilus, einem wunderschönen weißen Mini Slot Canyon, der sich inmitten eines Seitencanyons des Paria Canyons befindet, nahe der Vermilion Cliffs National Monument.
Wir fuhren mit unserem Auto bis zu dem breiten Wash vor und sahen bis dahin nichts von Straßenschäden. Doch nach dem Wash war ein Teil der Straße weggeschwemmt worden, was wohl zu der Sperrung geführt hatte. Wir sahen eigentlich keinen Grund, warum man nicht bis zur Campsite hätte fahren können, aber wir parkten brav direkt oberhalb des ausgetrockneten Flusslaufes rechts am Straßenrand und machten uns auf den Weg.
Ein Weg führt mitten im Wash entlang, der kann aber recht sandig sein. Da wir jedoch eh gerade die Felsen auf der linken Seite erkundet hatten, wanderten wir dort auch weiter entlang, dabei schauten wir, dass wir nicht zu hoch hinaus kamen, denn der Nautilus Felsen lag auf der anderen Canyon Seite. Es machte uns unheimlich Spaß, auf den Felsen herumzukraxseln und viel zu schnell kam der Nautilus Felsen in Sicht, der hellgrau aus den hauptsächlich roten Steinen der Umgebung herausragte. Wir kletterten wieder in den ausgetrockneten Flusslauf hinab und umrundeten dann den Felsen, um so zu dem Eingang oberhalb des Felsens zu kommen. Auch hier wehte ein stürmischer Wind, der sich besonders gut in dem kleinen Slot Canyon fing und uns den roten feinen Sand wie Schleifpapier um die Ohren fegte. Jetzt wussten wir auch, warum der Felsen hier so wunderbar glatt war. Nur ein paar gelbe und zart rosa Streifen durchbrachen das fast weiße Gestein. Ein toller Ort, man fühlte sich wirklich ein wenig wie in einer Nautilus. Als eine amerikanische Familie kam und den Slot Canyon erkundete, begaben wir uns wieder auf den Rückweg, diesmal direkt durch den Wash, der jedoch, dank der heftigen Regenfälle der letzten Zeit angenehm zu gehen war.

Unser Ziel für den Abend war der Horseshoe Bend, eine hufeisenförmige Flussschleife des Colorado River, die nahe der Stadt Page zu bewundern ist. Doch vorab machten wir noch einen Stopp am Glen Canyon Damm am Lake Powell. Wir parkten unser Auto direkt auf dem geräumigen Parkplatz des Carl T. Hayden Visitor Center und schlenderten zur Mauer. Doch hier waren wir nicht allein, denn hier wurden ganze Busladungen an Chinesen und andere Touristen ausgespuckt, die sich in allen möglichen Posen vor der Staumauer abbildeten. Wir machten ein paar Bilder und stellten fest, dass der Wasserstand sehr niedrig war. Danach gingen wir kurz in das Center, dass wir aber postwendend wieder verließen, denn hier war es so voll, dass man glauben konnte, es gäbe es etwas umsonst. Wir hatten genug gesehen und verließen schnell diese Massenveranstaltung. 
Den nächsten Schock bekamen wir, als wir uns dem Parkplatz des Horseshoe Bend näherten, denn er quoll nahezu über. Selbst auf der Straße standen Autos, die auf dem Parkplatz keinen Platz mehr gefunden hatten. Was war denn hier los?! Doch Chris ließ sich nicht schrecken und fuhr auf den Parkplatz, wo wir sogar in erster Reihe einen Stellplatz bekamen. Hunderte von Menschen wanderten zur Flussschleife, doch zum Glück kamen auch fast genauso viele wieder zurück.
Schilder wiesen darauf hin, dass man genug Wasser mitnehmen und sich gegen die Sonne schützen sollte. Nun ja, an diesem Tag war es kühl und bewölkt, so dass beides unsere geringste Sorge war. Den ca. 1 km langen Weg bis zur Flussschleife vor gingen wir Zickzack, denn immer wieder mussten wir an schlendernden und posenden Touristen vorbei.
Doch wie immer besänftigte uns der Anblick der faszinierenden Flussschleife und schnell waren die Menschenmassen vergessen. Das Wettert war einfach perfekt, denn wir hatten nicht mit den Schatten zu kämpfen, aber auch hier war der Wind heftig und sehr kalt.
Da bis zum Sonnenuntergang noch Zeit war, beschlossen wir, etwas die Umgebung zu erkunden, um noch einmal einen anderen Einblick in den Canyon zu bekommen. So erklommen wir rechts vom Bend die Felsen, wo wir fast alleine waren und die Landschaft für uns genießen konnten. Als Chris etwas weiter hinab stieg und dort weit unter mir alleine in die Tiefe schaute, wurde mir wieder einmal so richtig bewusst, wie klein und unbedeutend wir doch sind, denn er war gerade noch zu erkennen.
Je länger wie blieben, desto mehr Menschen wurden auf uns aufmerksam und als wir beschlossen, zur „perfekten“ Aussicht auf die Flussschleife zurückzugehen, wurde es allmählich voll auf „unserem“ Felsen. Aber auch an der Abbruchkante hatten sich neben unzähligen Touristen auch etliche Fotografen eingefunden und die besten Plätze belagert. Aber für Chris fand sich noch ein Platz und wir hofften, auf einen schönen Sonnenuntergang im Gegenlicht. Doch leider hatten wir mal wieder die Rechnung ohne den Wind gemacht. Nicht nur, dass er uns feinsten Sand um die Ohren fegte und unsere Optiken knirschen ließ, er vertrieb auch die Wolken. Kam anfangs nur diffuses Licht durch die Wolkenwand, so waren zum Sonnenuntergang nur noch links ein paar Wolken übrig. Während Chris begeistert Bilder machte, beobachtete ich die Massen und hatte meinen Spaß. Besonders als sich ganze Gruppen posend vor der Abbruchkante positionierten. Aber wir sahen auch ein paar haarsträubende Dinge. So kletterte eine junge Asiatin auf fast schon abgebrochene Felsen, die über die Abbruchkante hinausragten und  ließ sich von ihrem Liebsten ablichten. Aber auch andere Touristen kletterten viel zu weit auf die Felsen hinaus. Wir fragten uns immer wieder, ob die Bilder diesen Preis wert waren, denn gerade am Horseshoe Bend stürzten immer wieder Menschen in den Tod. Zum Glück passierte nichts und die meisten hielten sich weit genug von der Kante entfernt.
Pünktlich zum Sonnenuntergang hatte der Wind die Wolken soweit vertrieben, dass die Sonne hervorkam und als glänzender Diamant am Horizont verschwand. Ärgerlicherweise färbten sich die wenigen Wolken wunderschön rot – jedoch leider am linken Rand der Felsen und fast unerreichbar. Chris machte noch ein Pano, so dass wir sie auf ein Bild bannen konnten. Dann gingen wir völlig durchgefroren zum Auto zurück.

In einem Supermarkt in Page besorgten wir uns leckere heiße Sandwiches, die wir genüsslich bei voll aufgedrehter Heizung verspeisten, während wir den Highway 89 entlang brausten.
Die Nacht verbrachten wir auf dem Campingplatz der Paria Canyon Guest Ranch, die wir noch von 2009 kannten und die direkt am Highway liegt. Da wir am nächsten Morgen sehr früh starten wollten, verzichteten wir darauf, unser Zelt aufzubauen und schliefen im Auto, denn ein weiteres Highlight unserer Reise, die Wanderung zu den White Domes, lag vor uns.

Übernachtung: Paria Canyon Guest Ranch

Dienstag, 04.10.2017
12. Tag

Um ca. 5.00 Uhr brachen wir an diesem Morgen auf und kamen nach zweistündiger Fahrt im Dunkeln gerade rechtzeitig zum Sonnenaufgang in der kleinen Ortschaft Hildale an. Über die Water Canyon Road gelangten wir nach ca. 1 Meile zu unserem Parkplatz und dem Trailhead ‚Squirrel Creek‘.
Wir parkten unser Auto, das nun etwas einsam auf dem Parkplatz stand und machten uns auf den Weg. Gleich zu Anfang mussten wir einen sehr sandigen Abstieg hinunter durch einen großen Wash, der zum Glück nur minimal Wasser führte, aber mächtige entwurzelte Bäume und Treibgut zeugten von dem reißenden Fluss, der er sein konnte. Gleich auf der anderen Seite führte uns wieder ein sandiger Weg steil nach oben, wo wir einem Pfad folgten, der uns zum nächsten Wash, dem Short Creek, brachte. Auch diesen kleineren Flusslauf querten wir und gelangten auf einen Weg, dem wir ca. 3 km bis zur Mündung des Squirrel Creeks folgten. Fast den ganzen sandigen Weg sahen wir immer wieder eine Coyoten- oder Hundespur, die uns wie Brotkrumen bis zum Creek führte. Wir querten ihn wieder und folgten dem Pfad, der uns leicht bergauf  in den Canyon hinein führte.
Der Weg wurde immer anspruchsvoller und wir kletterten über Steine steil den Canyon hinauf. Hier war wohl in der letzten Regenzeit die Felswand etwas eingebrochen. Rechts die Felswand und links der Canyon, der langsam immer tiefer unter uns lag. Doch der Weg war breit genug und es machte uns unheimlich Spaß, den Hang zu erklimmen.
Stetig ging es weiter bergauf, aber jetzt bei weitem nicht mehr so steil. Die Landschaft wurde langsam aber sicher immer atemberaubender und wir kamen endlich aus dem Schatten des Canyons heraus. In vielfarbigen Felsen mit rot-weißen Streifen standen vereinzelt Kiefern. Kleine Hoodoos waren überall verstreut und ließen uns staunen, bis wir plötzlich eine Hochebene erreichten. Hier hatte man Aussicht bis in die nächsten Täler. Die Felsen waren rot-weiß gestreift und die Hoodoos wurden immer größer. Selbst diese Hochebene war so schön, dass wir gerne mehr Zeit gehabt hätten, sie zu erkunden, aber unser Ziel, die White Domes, hatten wir noch nicht erreicht, also setzten wir unseren Weg durch die einzigartige Landschaft dieser traumhaft schönen Gegend fort.

Zwischenzeitig kämpften wir uns durch tiefen, fast weißen Sand, stetig ging es weiter bergauf, bis wir nach einer letzten Kuppe und einer ca. 8 km langen Wanderung auf die White Domes blickten. War die Landschaft bisher schon toll, raubten uns diese fast weißen Sandsteinkegel inmitten der roten Felsen fast den Atem. Wir erkundeten die Felsformationen und kletterten auf einen hinauf. Dort oben thronte eine Miniarch und etwas tiefere Einschnitte boten Schutz vor dem kühlen Wind. Hier ließen wir unsere Rucksäcke und erkundeten dieses bizarre Gebiet. Feine Rinnen im Stein und immer wieder etwas gelb zwischen den weißen Felsen, die auf den roten Sandstein sitzen. Einige Domes hatten auch rote Streifen. Wellenstrukturen, wie in der Wave, ließen unsere Herzen höher schlagen. Hier wären wir gerne eine Nacht geblieben, aber dafür waren wir nicht ausgerüstet, so dass wir uns mit ein paar Stunden zufrieden geben mussten. Außerdem lag noch der Rückweg vor uns und der sollte uns über ebenfalls unbekanntes Gelände und den Water Canyon zurück zum Parkplatz führen. So genossen wir die Zeit hier oben, aber wir bemerkten auch beginnende Müdigkeit, denn die Wanderung war ziemlich anspruchsvoll, wenn auch jeden Tropfen Schweiß wert. Unsere Kräfte vitalisierten sich mit der Zeit, wozu auch eine gute Brotzeit beitrug. Wir blieben solange wir konnten, doch irgendwann mussten wir uns wieder auf den Weg machen. Diesmal wanderten wir in südliche Richtung über rote weite Felsen querfeldein in Richtung Water Canyon. Auch hier war die Landschaft wunderschön. Wieder begleiteten uns Hoodoos und andere Felsgebilde wie Beeheeves in rot-gelb.

Über die glatten Felsen gelangen wir in den Wash und folgten seinem Verlauf. Wassergefüllte Gumpen und tolle wassergeformte Felsen begleiten uns. Doch wir hatten Schwierigkeiten, den richtigen Weg auf den glatten Felsen zu finden und verliefen uns immer wieder. Dadurch wurde der Rückweg noch länger. Ab und zu lagen wir richtig, aber manchmal mussten wir auch zurück und es wurde sehr anstrengend. Doch zum Glück fanden wir irgendwann den Trail, der uns in die rechte Wand des Water Canyons leitete. In Serpentinen führte uns ein schmaler Pfad stetig nach unten. Er war nicht so schlimm, wie ich ihn mir vorgestellt hatte und wir kamen gut voran. Einzig ein Stück glatter Felsen musste mit etwas Hilfe und Geschick überwunden werden, dann waren wir unten – dachten wir. Wir freuten uns wie wild, denn der Boden des Canyons lag vor uns. Wir hörten und sahen ebenfalls ein paar Kletterer, die in der glatten Canyonwand hingen. All das bestärkte uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren und es bald geschafft hatten. Jedenfalls führte uns der Weg bis in den Canyon hinein, wo wir fasziniert eine subwayähnliche Röhre mit kleinen Kaskaden darin bewunderten. Ihr folgten wir den Canyon weiter bergab, denn nirgends schien unser Weg weiter zu gehen. Wir schlussfolgerten, dass es jetzt mitten durch die Schlucht gehen muss. Doch zu unserem Entsetzen merkten wir, dass es weiter bergab ging und die Felsen wurden immer größer und heftiger. Fanden wir anfangs noch Möglichkeiten über die Felsen zu klettern oder unter ihnen durch zu schlüpfen, hatte auch das irgendwann ein Ende. Trotzdem trafen wir immer wieder auf Fußspuren, die uns suggerierten auf dem richtigen Weg zu sein. Doch irgendwann war kein Vorwärtskommen mehr möglich, auch wenn Chris steif und fest behauptete, dass wir laut GPS genau richtig wären. Tiefe wassergefüllte Gumpen und meterhohe unpassierbare Felsen ließen uns innehalten.

Chris suchte nach einem Weg und ich überlegte derweil und stellte fest, dass wir die Böschung hoch müssen, denn dort sei sicherlich ein Weg. Nachdem auch Chris einsehen musste, dass kein Weiterkommen mehr möglich war, gab er nach und wir kletterten die sandig steinige und wild verwachsene Böschung hinauf. Dabei mussten wir aufpassen nicht in die kleinen Kakteen zu fassen, die hier überall wuchsen. Aber alles ging gut und nach etwas Suchen und Klettern sahen wir den Weg vor uns. Gigantische Steine fielen uns vom Herzen und hinab in den Canyon, wo sie den Weg versperrten, denn jetzt konnte eigentlich nichts mehr schief gehen und dieser Weg würde uns aus dem Canyon führen. Leicht beschwingt vom Adrenalin setzten wir unseren Weg fort. Chris drehte sich zu mir um und sagte etwas, und wollte dann wieder weitergehen, als er über einen großen Felsen stolperte und mit einem lauten Krachen und Schrei zu Boden ging. Entgegen seiner Art stand er nicht auf, sondern saß völlig verdreht auf dem Boden und stöhnte. Sofort wurde mir klar, dass da etwas Schlimmeres passiert war. Ich eilte leicht panisch zu ihm und fragte was los sei. Mit beiden Händen hielt er sein Knie. Bei dem Aufprall auf den steinigen Boden hatte es so gekracht, dass er dachte, sein Knie sei gebrochen und der Knochen schaute heraus. Zum Glück war dem nicht so und nur eine kleine Schürfwunde war zu sehen. Das motivierte ihn und mit meiner Hilfe richtete er sich auf und machte einen zaghaften Schritt, um gleich darauf wie ein gefällter Baum wieder umzufallen – mitten in einen Kaktus hinein. Wieder saß er am Boden, fassungslos was da mit ihm los war. Vorsichtig entfernte ich ein paar lose Kaktusstacheln und schaute ihn genauer an und entdeckte überall Kaktusstacheln. Jetzt stellten wir erst einmal den schweren Fotorucksack zur Seite, dann sah ich mir die Kamera genauer an und stellte fest, dass die Sonnenblende gebrochen war. Auch das GPS war völlig verkratzt, aber zum Glück noch heile. Später stellten wir noch fest, dass seine Sonnenbrille völlig demoliert war und ein Glas fehlte. Doch das war unser geringstes Problem. Mitten im Nichts saß Chris auf dem sandigen Boden eines schmalen Pfades, von dem wir nicht wussten, wie er weiter ging und wie weit es noch bis zum Auto war. Weit und breit war kein Mensch und der Tag neigte sich langsam seinen Ende zu. Natürlich versuchte Chris, sich wieder aufzurichten, während ich ihn einigermaßen festhielt und diesmal ging es besser. Sein Knie war zwar instabil, aber er fand Halt. So setzte ich mir die Fototasche auf den Bauch und versuchte nebenbei noch Chris zu stützen, was nicht allzu gut klappte. Doch irgendwie ging es und wir kamen langsam voran. Zur Herausforderung wurden jetzt schon kleine Unebenheiten im Boden und er sackte immer wieder zusammen, aber er kam auch immer wieder auf die Füße. Kurz vor dem Canyonausgang begegnete uns sogar noch ein Mann, der aber ohne ein Wort an uns vorbei in den Canyon hinein rannte.  Aber wer hinein lief, der musste auch wieder hinaus und so hatten wir zumindest die Chance auf Hilfe, falls wir sie brauchen würden. Nach einer letzten kleinen Bachpassage hatten wir es geschafft und waren aus dem Canyon heraus.
Zurück auf der Zufahrtsstraße bereuten wir, dass unser Auto am Squirrel Creek Parkplatz stand und nicht hier am hinteren Water Canyon Parkplatz. Aber wer hätte diesen Ausgang der Wanderung schon ahnen können. Also setzten wir unseren Weg Schritt für Schritt zum Auto fort, das zum Glück weniger weit weg war, als wir gedacht hatten. Am Auto verschnauften wir kurz und ich klopfte Chris den Sand etwas ab.
Wir waren uns einig, dass er ins Krankenhaus musste, denn sein Knie war einfach zu instabil. Dank unseres Telefons und des Datenvolumens konnten wir surfen und fanden in St George das Dixie Regional Medical Center. Unterwegs rief Chris noch den ADAC an, denn wir hatten vor dem Urlaub eine Krankenversicherung fürs Ausland und gegebenenfalls einen Heimtransport abgeschlossen. Er schilderte der Dame sein Problem und sollte sich nur im Falle einer OP oder größeren Eingriffen erneut melden. Alles andere könne er von Daheim aus regeln.
Ca. 25 min später kamen wir in St George am Dixie Krankenhaus an. Chris schleppte sich unter Schmerzen ins Gebäude und erklärte sein Anliegen. Wieder hatten wir Pech, denn es war leider das falsche Dixie Center. Warum musste es ausgerechnet zwei gleichnamige Center in dieser Stadt geben? Aber klar, dieses hier war nur das Krankenhaus. Also humpelte Chris zurück zum Auto und wieder ging es einmal quer durch die Stadt, bis wir fast wieder auf dem Highway waren, von dem wir gekommen sind. Dort fanden wir dann die Notaufnahme. Wieder humpelte Chris hinein und eine freundliche Rezeptionistin gab uns ein Formular, das wir ausfüllten. Kurz darauf wurden wir schon in den Erstbehandlungsraum gebracht. Chris Hoffnungen auf das typisch amerikanische Klischee einer Notaufnahme mit blutenden Kopfwunden, Messern- und Schussverletzungen und ähnlichem wurde nicht erfüllt. Es war schlicht nichts los an diesem Abend.
Sofort kam jemand und es wurde eine Erstanamnese erstellt, Blutdruck gemessen und Fragen wie: „Wo tut es weh und was ist passiert“ gestellt. Als Chris den Vorgang schilderte schmunzelten alle und fragten: „Zion Nationalpark“…. Okay, sowas kam hier wohl öfters vor. Also fühlten wir uns gleich viel besser, denn da sollten ja wohl alle wissen, was sie taten. Natürlich waren wir auch die Attraktion, denn so viele Deutsche verirrten sich wohl nicht in die Notaufnahme.
Danach ging es in ein Behandlungszimmer bzw. eine abgetrennte Nische mit Vorhang. Hier warteten wir etwas, bis die Ärztin kam. Vorher mussten wir wieder Formulare wegen der Bezahlung ausfüllen. Ab und zu schaute jemand vorbei und fragt etwas, die meisten betrachteten Chris Fuß mit einem wissenden Lächeln und fragten wieder: „Zion“ Mit der Antwort: „Water Canyon“ konnten nur sehr wenige etwas anfangen und so erklärten wir den Amerikanern, wo eine der schönsten Wanderungen vor ihrer Haustür sei.
Die Ärztin war ebenfalls cool. Sie kam herein und sagte: „Guten Abend“. Viel mehr Deutsch könne sie aber nicht mehr, aber sie hatte einige Zeit in Deutschland verbracht und dort bei einem Arzt gearbeitet. Sie ließ Chris röntgen, aber meinte gleich, dass nichts gebrochen sei.
Als wir nach dem Röntgen wieder auf die Ärztin warteten, dachte ich an die Kakteen, in die Chris gefallen war und zupfte ein paar Stacheln von seiner Hose. Mist, die waren durchgegangen. Also ordnete ich an, dass er die Hose runter lässt, um mir den Schaden anzuschauen. Am Oberschenkel kurz vor dem Allerwertesten steckten einige besonders dicke Exemplare tief in seiner Haut.
Da ging der Vorhang auf und eine Schwester kam hinein. Erschrocken schaute sie uns an. Chris der vor mir stand mit runtergelassener Hose und ich bequem auf einem Stuhl vor ihm. Sie hauchte  ein leises „Sorry“ und wollte den Vorhang wieder schließen. „Stopp“, riefen wir sie zurück und zeigten ihr die Stacheln, die tief in seinem Fleisch steckten. Daraufhin kam Danny zu uns, den wir den Kaktuskiller tauften, denn er zupfte unermüdlich an Chris Bein herum, bewaffnet mit einer Zeiss- Pinzette und Desinfektionsmittel. Ein paar besonders tiefe Stacheln musste jedoch die Ärztin mit dem Skalpell entfernen.
Jedenfalls war Chris Knie nicht gebrochen und er bekam eine schicke schwarze Schiene angepasst und dazu tolle Krücken. Die Ärztin meinte, dass die Bänder etwas abbekommen haben, aber mit viel Glück seien sie nur überdehnt. Chris solle erstmal zwei Wochen die Schiene tragen und wenn er dann schmerzfrei ist, war es nur eine Bänderdehnung und er könne die Schiene weglassen.
So verließen wir das Krankenhaus und Chris Ängste lösten sich auf wie Luftschlösser. Er sagte mir, als er gestürzt sei, waren seine ersten Gedanken: Mist, unser schönes Hotel in Las Vegas und Mist, ich wollte doch unbedingt mit dem A380 von Houston aus heimfliegen!“ Tja, meine Gedanken waren etwas anders, aber der Gedanke, dass wir heimfliegen müssen, war mir auch gekommen. So sah es nun nicht mehr aus und Chris war frohen Mutes und fragte mich allen Ernstes um ca. 22.00 Uhr nachts, wo denn der nächste Campingplatz sei. Mir fiel der Kiefer runter… Der Mann hatte echt Nerven…. Ich konnte ihn überreden, dass das keine gute Idee sei und wir uns hier und jetzt ein Motel suchen.
Wir entschieden uns für das Ramada Motel, denn es lag in der Nähe und nach einer kleinen Verhandlungsrunde war der Preis okay. So schleppten wir mittels Gepäckwagen unser Zeug in das Zimmer, das leider im 1. Stock lag. Hier merkten wir erst, wie erleichtert und vor allem wie hungrig wir waren. Zum Glück war unsere Kühltasche gut bestückt und so zauberte ich auf den Betten ein kleines Abendessen.

Trotzdem mussten wir unsere Reise ein wenig umstellen, denn große Wanderungen fielen nun flach und auch das Gelände sollte vorerst für Krücken und Schiene geeignet sein. Schweren Herzens strichen wir die Wanderung zu den Yant Flats und auch noch ein paar geplante Ausflüge in das Lake Mead Gebiet und beschlossen, stattdessen schon früher in das Valley of Fire zu fahren und dort die nächsten Tage zu verbringen. Mit diesem neuen Plan konnten die nächsten Tage kommen und etwas beruhigter gingen wir zu Bett.

Übernachtung: Ramada Hotel, St. George

 

Der nächste Teil folgt demnächst!